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Onlinegames setzen Ehe aufs Spiel
publiziert: Samstag, 18. Feb 2012 / 21:07 Uhr
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Spieler-Mann: Streit in der Beziehung oft vorprogrammiert
Spieler-Mann: Streit in der Beziehung oft vorprogrammiert

Provo/Wien - Online-Rollenspiele haben bei Verheirateten negative Auswirkungen auf die Zufriedenheit im Eheleben.

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Die wissenschaftliche Bestätigung für diese These liefern nun Forscher der Brigham Young University in der Zeitschrift «Journal of Leisure Research». 75 Prozent der Spieler - meist waren es die Ehemänner - wünschen, sie würden weniger Einsatz in ihrer Gilde und mehr in ihrer Ehe zeigen. Der Prozentsatz dürfte laut Forschungsleiterin Michelle Ahlstrom noch höher sein, da viele der angefragten Spieler die Studienteilnahme verweigerten.

Streit um Schlafenszeit

Unter die Lupe nahmen die Forscher 349 Ehepaare, bei denen zumindest ein Partner häufig Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiele (MMORPGs) wie etwa World of Warcraft spielte. Das Durchschnittsalter der Befragten betrug 33 Jahre, die durchschnittliche Ehezeit sieben Jahre. Bei den Paaren mit einem Spieler war der Gamer zu 84 Prozent der Mann, doch auch bei den wenigen untersuchten Zweispieler-Paaren war der maskuline Teil zu 73 Prozent jener, der zeitmässig häufiger im Spiel unterwegs war.

Die weit verbreitete Auffassung, dass Online-Spiele die Zufriedenheit in der Ehe senken, bestätigte sich. «Dabei geht es jedoch nicht primär um das Ausmass der Spielzeit, die zur Unzufriedenheit führt, sondern vor allem darum, was das Spiel mit der Beziehung anstellt», erklärt Ahlstrom. Häufig führt das Spiel laut Studie zu Streitereien, besonders oft ist auch die unterbrochene Schlafens- oder Bettgehzeit das Problem. Die Abstimmung der beiden Ehepartner verschlechterte sich, ebenso reduzierte sich die gemeinsam bei Aktivitäten verbrachte Freizeit oder die Zahl der ernsthaften Gespräche.

Wirtshaus 2.0

«Online-Spiele sind oft ein Problem in der Ehe, könnten in diesem Punkt aber meist gegen andere zeitraubende Aktivitäten wie Golf, Tennis oder Fussball ausgetauscht werden», glaubt der Wiener Psychiater Hubert Poppe. Das typische Grundmuster sei alt. «Früher warfen die Frauen ihren Männern vor: 'Jetzt bist du schon wieder im Wirtshaus, bei der Sparvereinssitzung, im politischen Zirkel!' Mit den Online-Spielen gibt es nun eine neue Variante davon, bei der man allerdings zuhause oder im Büro sitzt und damit anwesend und doch abwesend ist, was noch mehr schmerzt.»

Kernproblem sei weiterhin, dass sich ein Partner durch die Aktivität des anderen in der Bedeutung zurückgesetzt fühlt. Dieser wiederum sitzt zwischen zwei Stühlen - seiner Beziehung und der Spiel-Community. «Besonders bei pathologischen Spielern ist die Gilde der Faktor, der ein Einschränken der Zeit am meisten verhindert», berichtet Poppe. Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass im Internet zeitliche Schutzmechanismen wegfallen. «Es gibt keinen Platzwart, der den Schlüssel hat, und keine Öffnungszeiten, an die man sich halten muss. Am Server findet man zur jeder Tages- und Nachtzeit tausende Mitspieler.»

Spiel als Flucht

Ansätze wie Chinas Spielsperren sind allerdings keine Lösung, betont der Experte. Einerseits sei das Umgehen immer möglich, andererseits würden sich exzessive Spielphasen später meist ohnehin wieder einpendeln. Dennoch rät der Psychiater, als Schutz der Beziehung nach möglichst vielen Alternativen zu suchen, die Paare gemeinsam machen können. Auch ein gemeinsames Online-Spiel selbst kann sich positiv auswirken, wenn es beide gerne tun, zeigte die US-Studie. Doch auch der kritische Blick auf die Spielmotivation ist angebracht. «In vielen Fällen dürfte das Spiel auch Flucht und Rückzug vom Alltag in die Alternativwelt sein», erklärt Poppe.

(bert/pte)

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