Operation: 'Restoring Reason'
publiziert: Montag, 25. Okt 2004 / 11:53 Uhr / aktualisiert: Freitag, 29. Okt 2004 / 11:11 Uhr

1 Meldung im Zusammenhang
Der gelbe Aushang der zweitgrössten Schweizer Tageszeitung am letzten Samstag las sich etwa so: "Bush muss zurücktreten! Schweizer haben im Internet abgestimmt." Die Zeitung fordert die Absetzung des amerikanischen Präsidenten, weil ein Teil der Schweizer Öffentlichkeit über ihn befunden hat.

Nun weiss der geneigte und weniger geneigte Leser, dass der Autor dieser Zeilen Bush auch am liebsten irgendwo deponiert sähe, wo er keinen Schaden mehr anrichten kann. Doch mit einer Zeitungsschlagzeile die Absetzung des Staatsoberhauptes eines anderen Landes zu fordern, weil Leute abstimmten, die darüber nicht zu befinden haben, ist nicht nur absurd.

Dumm- und Frechheit sind weitere, durchaus geeignete Attribute dafür. Ein Glück, dass der Blick und die Schweiz so unwichtig sind, dass sie vermutlich unter dem amerikanischen Medienradar durchgehen. Würde die Bild-Zeitung, die FAZ, Le Monde oder eine andere bedeutende europäische Tageszeitung mit einer solchen Schlagzeile aufwarten, würde das einen ziemlichen Skandal geben.

Und den Schaden würde am Ende alleine John Kerry, der Herausforderer davontragen. Denn wie reagiert wohl das Stimmvolk, wenn ihm Ausländer vorschreiben wollen, wer gewählt werden soll?

Mann stelle sich nur vor, im konservativen Wall Street Journal würde auf Grund von SVP-Abstimmungs-Plakaten eine Umfrage gemacht, in der gefragt würde, ob man eine solche Partei verbieten solle. 70 Prozent würden dafür Stimmen und die Schlagzeile lautete in der Folge: "Our readers voted: Racist SVP have to leave Swiss Federal Council."

Die Reaktion in der Schweiz würde wahrscheinlich ziemlich explosiv ausfallen – von empörten Presseschlagzeilen bis zu diplomatischen Noten dürfte die gesamte Klaviatur öffentlicher Empörung mit Fortissimo gespielt werden. Was auch durchaus begreiflich wäre. Denn eine solche Einmischung in innere Angelegenheiten würde sich einfach nicht gehören.

Wenn hingegen die Zeitung mit den gelben Schlagzeilen-Zetteln (na, schon rausgefunden welche?) sich entblödet, den US-Präsidenten abzusetzen, findet das hier in der Schweiz keine Erwähnung. Man nickt höchstens zustimmend, denn dieser Bush gehört einfach weg. Und das muss ja mal gesagt sein. Oder?

Damit wird ja auch impliziert, dass die Amerikaner zu blöd sind, den richtigen Präsidenten zu wählen. Wenn nur wir Schweizer bestimmen könnten, was dort drüben läuft, dann wäre alles gut. Mit Garantie. Denn Schweizer Stimmbürger zeichnen sich durch weitsichtige, kluge Entscheidungen aus.

Seien wir einfach froh darüber, dass im Ausland niemand diese Schlagzeile gelesen hat und wir dank mangelnder Wichtigkeit Narrenfreiheit geniessen. Sonst müssten wir nach einer allfälligen Wiederwahl Bushs vermutlich mit einem Angriff der US-Streitkräfte rechnen, um die Schweiz aus den Fängen gefährlicher Propagandisten zu befreien.

Der Name der Operation: Restoring reason. (Deutsch: Wiederherstellung der Venunft)

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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