Operation «Schwärmer» - Nur eine Show-Veranstaltung?
publiziert: Freitag, 17. Mrz 2006 / 22:01 Uhr / aktualisiert: Samstag, 18. Mrz 2006 / 08:16 Uhr

Nicht nur notorische Bush-Kritiker waren misstrauisch. Der dritte Jahrestag des Irakkriegsbeginns steht bevor. Der Irak befindet sich am Rand eines Bürgerkriegs. Und dann die «Operation» Schwärmer: Das war auch für unabhängige Analytiker ein bisschen viel Zufall.

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Die Rebellen-Attacken halten an und ebenso die Umfragetiefs des Präsidenten. Die US-Regierung veröffentlicht eine längst überfällige neue nationale Terrorismus-Strategie mit der Bekräftigung der Präventivschlag-Doktrin.

Auch in US-Medien wurde am Freitag geargwöhnt, dass die von grossen Fanfaren begleitete Aktion gegen Aufständische bei Samarra mehr eine Public-Relations-Offensive der US-Regierung darstellt als einen militärisch effektiven Schlag.

Von einer «Show» war in mehreren Zeitungen die Rede, von einer amerikanischen Produktion mit hauptsächlich einem Ziel: der Öffentlichkeit vor allem in den USA zu demonstrieren, wie gross die Fortschritte der irakischen Sicherheitskräfte inzwischen sind.

Entspricht US-Wunschbild

Man könne schon fast sagen, die Operation «entspricht verdächtig perfekt dem, was sich die USA im Irak wünschen», zitierte eine Zeitung Tom Donnelly von der politischen Forschungseinrichtung American Enterprise Institute.

Sogar die konservative Zeitung «Washington Times» titelt in einem Anflug von Süffisanz «US- und irakische Truppen lassen ihre Muskeln spielen», während sich der US-Regierung nahe stehende pensionierte Generäle in Interviews des Senders CNN abmühten, Übertreibung und Realitäten in Einklang zu bringen.

Denn eines mussten auch sie einräumen: «Schwärmer» ist zwar tatsächlich die grösste Luftlandeoperation im Irak seit drei Jahren, als die sie propagiert wird, aber was den Einsatz von Soldaten und Ausrüstung betrifft, bei weitem nicht die umfangreichste Offensive gegen die Aufständischen.

Mitten in US-PR-Kampagne

Tatsächlich fällt die Operation mitten in eine PR-Kampagne, die Bush im Vorfeld des Jahrestags des Kriegsbeginns gestartet hat, um die «Fahnenflucht» daheim zu stoppen und natürlich zugleich auch Signale der Entschlossenheit und Ermutigung in den Irak selbst auszusenden.

Wie düster inzwischen die Lage im eigenen Land geworden ist, haben erst am Donnerstag veröffentlichte neue Umfragewerte gezeigt. Danach meinen nur noch 38 Prozent der Bürger, dass der Irakkrieg «die Sache wert war», und 60 Prozent sind der Auffassung, «dass es im Irak schlecht läuft».

Vor diesem Hintergrund muss es Bush mehr denn je daran gelegen sein, der Öffentlichkeit vor Augen zu führen, dass die irakischen Truppen zunehmend selbst in der Lage sind, den Kampf gegen Rebellen und Terroristen zu führen und damit die Rolle der USA zu schrumpfen beginnt - mit der Aussicht auf Truppenreduktionen in absehbarer Zeit. «Schwärmer» stösst genau in diese Richtung.

(Gabriele Chwallek/dpa)

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