Sieben Jahre Gefängnis
Opfer der Messerstecherei von Interlaken «sehr zufrieden»
publiziert: Freitag, 5. Okt 2012 / 14:55 Uhr / aktualisiert: Freitag, 5. Okt 2012 / 16:58 Uhr
Das Opfer erlitt eine gut fünf Zentimeter tiefe Stichverletzung am Hals. (Symbolbild)
Das Opfer erlitt eine gut fünf Zentimeter tiefe Stichverletzung am Hals. (Symbolbild)

Thun - Der Messerstecher von Interlaken muss für sieben Jahre hinter Gitter. Das Regionalgericht Oberland sprach ihn am Freitag der versuchten vorsätzlichen Tötung für schuldig. Der Kosovare hatte einen Schwinger und SVP-Grossratskandidaten lebensgefährlich verletzt.

3 Meldungen im Zusammenhang
Das Opfer reagierte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda "erleichtert und sehr zufrieden" auf das Urteil, das er als gerecht empfinde. Wichtig sei aber auch, dass der Mann ausgeschafft werde. Dieser Entscheid obliegt dem kantonalen Amt für Migration.

Grundlage dafür ist eine rechtskräftige Verurteilung. Der Pflichtverteidiger liess am Freitag offen, ob er das Urteil weiterziehen wird. Er wolle die schriftliche Urteilsbegründung abwarten. Sein Mandant, der seit 1999 in der Schweiz lebt, sei aber mit dem Urteil "nicht zufrieden".

Tötungsversuch nach "Gschtürm"

Der heute 32-jährige Kosovare hatte am 15. August 2011 auf der Gartenterrasse eines Restaurants den Schweizer mit einem Messer am Hals und an der linken Hand erheblich verletzt. Der Tat sei ein "Gschtürm" zwischen zwei Brüdern aus dem Kosovo und zwei Schweizern vorausgegangen, stellte Gerichtspräsident Peter Moser fest.

Die genauen Umstände wurden im Prozess nicht restlos erhellt. Das fünfköpfige Gericht stützte sich bei der Beweiswürdigung ganz auf die Zeugenaussagen der Serviertochter: Sie sei die einzige gewesen, die in sich stimmige Aussagen gemacht habe.

Der Angeklagte und auch das Opfer hätten dagegen widersprüchliche und teils offensichtlich falsche Angaben gemacht. Und der Kollege des Schwingers habe vor Gericht "keinen guten Eindruck" gemacht; seine Angaben seien kaum zu protokollieren gewesen.

"Gegenseitige Provokationen"

Für das Gericht ist klar, dass im Verlauf des Wortgefechts das Wort "Scheiss-Schweizer" fiel. Der Schwinger habe plötzlich eine Berührung auf seiner Schulter gespürt. Darauf habe er sich erhoben und den Rest Bier aus seiner Stange gegen den einen Kosovaren geschüttet.

Eine eigentliche Bedrohung habe nicht vorgelegen. Trotzdem habe der Täter aber kurz darauf zugestochen. Nach den gegenseitigen Provokationen habe der Angeklagte dem Schwinger aus Wut eine Lektion erteilen wollen, sagte Moser.

Mit beachtlicher Gewalt habe der Täter das Messer genau dorthin geführt, wo der Mensch am verletzlichsten sei: An den Hals. Er habe die Tötung zwar nicht im voraus geplant, aber mit seinem scharfen Messer durchaus beabsichtigt.

Dass der Messerstecher zur Tatzeit erheblich alkoholisiert gewesen sein dürfte, falle nicht gross ins Gewicht, machte das Gericht deutlich. Der Mann sei ein geübter Trinker und habe nach der Festnahme einen klaren Eindruck gemacht. Positiv sei immerhin, dass er nach der Tat Reue gezeigt und sich beim Opfer entschuldigt habe.

Genugtuung und Schadenersatz

Dem Opfer wurde ein Schadenersatz von knapp 19'000 Franken zugesprochen. Zusätzlich erhält er wegen des bleibenden Schadens an der Hand und der psychischen Belastung eine Entschädigung von 15'000 Franken. Sein Anwalt hatte die doppelte Summe gefordert.

Mit der siebenjährigen Freiheitsstrafe liegt das Gericht ganz auf der Linie der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren gefordert, die Hälfte davon bedingt.

 

(bert/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
1
Forum
Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Keine Strafreduktion für den Kosovaren, der im Sommer 2011 in Interlaken ... mehr lesen 2
Das Berner Obergericht.
Interlaken BE - Ein 32-jähriger Kosovare kommt im Berner Oberland wegen einer Messerattacke vor Gericht. Er soll im August 2011 in Interlaken vor einem Restaurant einen Schwinger und ehemaligen SVP-Grossratskandidaten mit einem Messer am Hals verletzt haben. mehr lesen 
Dieses...
Urteil ist erst mal gut. Schlecht hingegen ist, dass dieser Täter die Strafe voraussichtlich hier verbüssen muss auf des Steuerzahlers Kosten.
Und das lediglich, weil es die Politik noch immer nicht fertigbrachte, andere Staaten dazu zu bringen ihre hier verurteilten Bürger bedingungslos zurückzunehmen und auf ihre Kosten zu inhaftieren.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. 16
Francesco Schettino: Weil er das Schiff verliess, wurde er als  «Käptain Feigling» verspottet.
Francesco Schettino: Weil er das Schiff ...
Schiffsunglück  Florenz - Kapitän Francesco Schettino ist mehr als vier Jahre nach der Havarie der «Costa Concordia» auch in zweiter Instanz zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden. Das Berufungsgericht in Florenz bestätigte damit das Urteil aus erster Instanz. 
Verteidigung fordert Freispruch Florenz - Im Berufungsprozess gegen «Costa Concordia»-Kapitän Francesco Schettino hat die ...
Berufungsprozess um «Costa Concordia»-Unglück hat begonnen Florenz - In Florenz hat am Donnerstag der Berufungsprozess ...
Reaktionär  Bern - Gegen die geplante Stiefkindadoption für Homosexuelle regt sich Widerstand. Sollte das Parlament das neue Adoptionsrecht in der vorliegenden Form verabschieden, ... 2
Reaktionäre Kräfte schliessen sich für das Referendum zusammen, mit dabei auch EDU-Präsident Hans Moser.
Nationalrat sagt Ja zur Stiefkindadoption für Homosexuelle Bern - Homosexuelle sollen künftig Kinder ihrer Partner oder Partnerinnen adoptieren dürfen. ...
Die Mehrheit der Kommission ist für die Änderungen.(Symbolbild)
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 16°C 26°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Basel 16°C 27°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen freundlich
St. Gallen 13°C 24°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Bern 15°C 26°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Luzern 16°C 26°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Genf 16°C 27°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Lugano 18°C 27°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten