Organisatoren nach Rostock-Krawallen ratlos
publiziert: Sonntag, 3. Jun 2007 / 20:47 Uhr

Rostock - Am Morgen danach wirken sie angeschlagen, die Organisatoren der von Krawallen überschatteten Rostocker Grossdemonstration gegen den G-8-Gipfel. Ihnen ist anzusehen, dass sie überrascht wurden von der Gewalt und deren Ausmass.

Die Veranstalter haben das Vorgehen der Polizei verteidigt.
Die Veranstalter haben das Vorgehen der Polizei verteidigt.
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Nach Angaben von Veranstaltern und Polizei wurden bei den Zusammenstössen fast 1000 Menschen verletzt. Mitveranstalter Manfred Stenner vom Netzwerk Friedenskooperative hatte bei der Abschlusskundgebung am Samstag noch verzweifelt versucht, das Schlimmste zu verhindern.

«Lasst die Bullen in Ruhe!» rief er den Randalierern zu. Am Sonntag muss Stenner eingestehen, es sei «nicht wirklich gelungen» eine kämpferische, aber friedliche Demonstration abzuhalten. Am Samstagabend hatte es noch unterschiedliche Aussagen darüber gegeben, wie es so weit kommen konnte.

Während der Koordinator der Demonstration, Monty Schädel, in Interviews der Polizei die Schuld an der Eskalation gab, nahmen Stenner und Mitorganisator Werner Rätz von Attac die Einsatzkräfte in Schutz: «Die Polizei hat sich an ihren deeskalierenden Kurs gehalten.»

In der Nacht gab es lange und heftige Diskussionen unter den zahlreichen Gruppen verschiedenster Couleur, die die Demonstration getragen hatten. Die Frage war: Wie soll man umgehen mit der Entgleisung des Demonstrationszuges?

«Bewusste Eskalation»

Mit dabei war auch die nach eigenen Angaben linksextreme Gruppe Interventionistische Linke. Deren Sprecher Tim Laumeyer sagt: «Diese Eskalation hat so niemand gewollt.» Angesprochen auf den «Schwarzen Block» gewaltbereiter Autonomer reagiert Laumeyer allerdings gereizt.

«Es ist nicht richtig, dass nur die Autonomen randaliert haben. Die Polizei hat von sich aus geprügelt und so bewusst eskaliert, um die Bilder zu erzeugen, die manche Gruppen haben wollten.»

«Polizei im Regen»

Für Stenner kommt es jetzt darauf an, sowohl G-8-Kritiker als auch Polizei wieder auf Deeskalationskurs zu bringen. Zwar kritisiert auch er, manche Beamte seien unverhältnismässig brutal vorgegangen, gesteht ihnen aber zu: «In der konkreten Situation stand die Polizei im Regen.»

Daran waren seiner Ansicht nach auch die Organisatoren Schuld. «Wir haben es versäumt, bis zum letzten Moment vorsichtig zu sein.» Nötig seien nun vertrauensbildende Massnahmen und vor allem ein Abkühlen der Emotionen, sagt der Friedensaktivist. «Wir werden hart daran arbeiten müssen, den entstandenen Schaden zu reparieren.»

Trotzdem gelungen

Trotz der Krawalle sprechen die Veranstalter der Rostocker Demonstration von einer gelungenen Veranstaltung - wenn auch mit zwei Gesichtern. «Es war eine bunte und vielfältige Demonstration für eine andere Welt», sagt Karsten Smid von Greenpeace.

Tatsächlich bot zumindest einer der beiden Demonstrationszüge fröhlichen und phantasievollen Protest gegen die verschiedensten Probleme in der Welt. Auf einen Spruchband war zu lesen: «Wir sind keine Terroristen, wir träumen nur von einer besseren Welt».

(Von Axel Büssem, dpa/sda)

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