Ermittlungen auch in Uniklinik Regensburg
Organspendeskandal in Deutschland verschärft sich weiter
publiziert: Donnerstag, 2. Aug 2012 / 20:33 Uhr
Die Fälschung von Krankenakten eines Regensburger Oberaztes brachte ein Organspendeskandal ans Tageslicht.
Die Fälschung von Krankenakten eines Regensburger Oberaztes brachte ein Organspendeskandal ans Tageslicht.

Regensburg - Der Organspendeskandal in Deutschland hat offenbar weit grössere Ausmasse als zunächst angenommen. Nach der Universitätsklinik Göttingen gerät auch die Uniklinik Regensburg immer mehr ins Visier der Fahnder. Dort sollen von 2004 bis 2006 in 23 Fällen die Krankendaten bei Lebertransplantationen manipuliert worden sein.

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Nach einer Strafanzeige der Klinik ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Hausinterne Überprüfungen hätten Hinweise auf Manipulationen bei Lebertransplantationen ergeben, sagte Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl am Donnerstag.

«Wir haben das Klinikum aufgefordert, uns eine deutlich detailliertere Auflistung der aufgeführten Vorwürfe zu geben», betonte Meindl. Er schloss nicht aus, auch die Krankenakten in den betroffenen Fällen auszuwerten.

Bayerischer Minister: Weitere Fälle nicht auszuschliessen

Als erste Konsequenz sei der Direktor der chirurgischen Klinik, Professor Hans J. Schlitt, mit sofortiger Wirkung beurlaubt, erklärte der bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch am Donnerstag in München. Der Mann habe möglicherweise bei der Kontrolle des hauptverdächtigen Oberarztes versagt.

Weitere Fälle seien nicht auszuschliessen, sagte Heubisch. In der Folge wies er alle mit Transplantationen befassten Spitäler in Bayern an, ihre Akten auf Verdachtsmomente zu überprüfen.

Krankenakten gefälscht

Der Skandal um die Zuteilung von Organspenden war ins Rollen gekommen, weil der als «Doktor O.» bekannte Oberarzt zuerst in Regensburg und später in der Göttinger Uniklinik Krankenakten gefälscht haben soll.

Dabei soll er die Krankheit auf dem Papier verschlimmert haben, damit den betreffenden Patienten schneller eine neue Leber implantiert wurde - obwohl andere sie vielleicht nötiger gehabt hätten. Der Arzt, der seit November vom Dienst suspendiert ist, bestreitet nach Angaben der Göttinger Klinik die Vorwürfe. «Er hat sich vermutlich ins Ausland abgesetzt», sagte Heubisch.

Die Braunschweiger Staatsanwältin Serena Stamer widersprach dieser Einschätzung. «Nach unseren Erkenntnissen steht er für die Ermittlungsbehörden zur Verfügung.» Der Mediziner sei ein freier Mann und könne sich auch ins Ausland begeben. Es gebe keine Erkenntnisse, dass er im Ausland untergetaucht sei.

Ermittlungen bereits 2005

Gegen den Oberarzt ist bereits 2005 ermittelt worden. Damals waren nach Angaben der Regensburger Uniklinik verbotenerweise jordanische Patienten auf eine Warteliste für europäische Transplantationspatienten gesetzt worden. Ausserdem war illegalerweise eine Leber in Jordanien transplantiert worden.

Die damaligen Ermittlungen hätten ergeben, dass das Verhalten des Arztes nicht strafbar, sondern möglicherweise eine Ordnungswidrigkeit gewesen sei, sagte Oberstaatsanwalt Meindl.

(asu/sda)

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Harald Bugmann ist Professor für Waldökologie an der ETH Zürich.
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