Schwingen
Ostschweizer Sieg am Unspunnen
publiziert: Sonntag, 4. Sep 2011 / 17:21 Uhr / aktualisiert: Montag, 5. Sep 2011 / 09:27 Uhr

Nicht einer der Favoriten, sondern der im Thurgau lebende St. Galler Daniel Bösch hat in Interlaken obenaus geschwungen. Der Aussenseiter aus der Nordostschweiz schlug am Unspunnen-Fest unter anderem Profit aus dem schwachen Tag der Berner.

1 Meldung im Zusammenhang
Wer auf einen Schlussgang Daniel Bösch - Christian Schuler gewettet hätte, wäre gestern reich geworden. Zumindest den Namen Bösch hatte kaum jemand der 15'000 Zuschauer auf der Höhematte auf dem Zettel. Schuler, der Firmgöttibub von Titelverteidiger Martin Grab, zählte nach seinem Sieg auf der Schwägalp und am Schwyzer Kantonalen zumindest zum erweiterten Favoritenkreis. Letztlich durfte Bösch im strömenden Regen mit dem 1,1 Tonnen schweren Siegermuni Helveticus posieren. Der 23-jährige Metzger hatte zuvor nach 4:45 Minuten der finalen Ausmarchung seinen Widersacher mit Lätz auf den Rücken gelegt.

So wenig erwartet der grösste Erfolg in der Karriere des Nordostschweizers war, so verdient war er. Der würdige Nachfolger von Grab leistete sich in seinen sechs Gängen einen Gestellten (im vierten gegen Benji von Ah), die restlichen Kämpfe gewann er. Dass er mit Altmeister Christian Dick, Thomas Zaugg und Florian Gnägi jene drei Berner aus dem Weg räumte, die am längsten auf die Schlussgang-Teilnahme hoffen durften, ist für Bösch Leistungsausweis genug.

Zur Mittagspause führte er das Feld mit dem Punktemaximum an, folglich sprach er von einem «Start, bei dem alles gestimmt hat». Gegen Gnägi habe er viel Glück gehabt, sagte Bösch, ehe er heim in die Ostschweiz und heute weiter nach Neuseeland in die Ferien an die Rugby-WM reist(e). Der 193 cm grosse und 125 kg schwere «Eidgenosse» rettete in Interlaken mit dem Zweiten Jakob Roth gewissermassen die Ehre des NOSV. Denn dessen bekannteste Vertreter Nöldi Forrer und Michael Bless verabschiedeten sich beide nach dem vierten Gang unfreiwillig aus dem Rennen um den Schlussgang. Forrers zweiter Gestellter (gegen Willy Graber) war für den Schwingerkönig von 2001 einer zu viel, Bless wurde die Niederlage gegen Christian Schuler zum Verhängnis.

Berner Trümpfe stachen nicht

Für dem gastgebenden Teilverband war der Grossanlass in Interlaken einer zum Vergessen. Selten einmal hatten die Berner über eine derart breite Spitze verfügt. Und doch schafften sie es letztlich nicht, einen Favoriten in den Schlussgang zu bringen. Für Schwingerkönig Kilian Wenger begann der Sonntag mit der Niederlage im erstmaligen Kräftemessen mit Arnold Forrer. Und er war im Prinzip nach dem Gestellten gegen Bruno Fäh schon am frühen Vormittag gelaufen. Immerhin rehabilitierte sich der Diemtigtaler danach mit vier Siegen in Folge und dem Schlussrang 4c einigermassen. Nicht viel besser erging es vor allem zu Beginn Christian Stucki und Matthias Sempach. Stucki gewann nach drei Gestellten erst nach der Mittagspause seinen ersten Gang, Sempach fiel durch zwei sieglose Gänge vorzeitig aus der Entscheidung.

Lange sah es danach aus, als würden andere Berner für die reihenweise gescheiterten Favoriten in die Bresche springen. Doch es schien, als ob auch die «Notnägel» mit ihrer Rolle nicht klar kamen respektive die Nerven nicht im Griff hatten. Publikumsliebling Willy Graber, nach vier Gängen nur einen Viertelpunkt hinter Bösch, verpasste wie Glarner, Dick und Gnägi die (theoretische) Chance, mit einem Sieg noch in den Schlussgang einzuziehen. Dabei hatte es im Vorfeld aus dem einheimischen Lager forsch getönt, man wisse nicht, welcher von ihnen denn nun gewinnen werde...

Sprichwörtliches Künstlerpech hatte derweil Thomas Zaugg. Die Tatsache, dass er bereits im dritten Gang gegen Bösch antreten musste, versperrte dem Berner den Weg in den finalen Kampf. Die Einteilung entschied sich der Logik folgend, anstatt Zaugg den nach fünf Gängen punktgleichen (und ungeschlagenen) Christian Schuler als Schlussgang-Gegner Böschs zu nominieren.

Auch Grab früh out

Nicht nur für die meisten Berner, sondern auch für andere Mitfavoriten lohnte sich die Reise ins Oberland nicht. Martin Grab konnte sich die erfolgreiche Titelverteidigung schon nach zwei Gängen - gegen zugegebenermassen sehr starke Gegnerschaft - abschminken. Der handicapiert wirkende Innerschweizer verlor erst gegen den vierfachen Saisonsieger Bruno Gisler, dann auch gegen Thomas Sempach. Gisler hatte nach dem fünften Gang mit der Entscheidung nichts mehr zu tun. Immerhin konnte der erfolgreichste Schwinger des vorherigen Saison-Verlaufs von sich behaupten, dass er in Sachen früher Ausfälle in prominenter Gesellschaft war.

Resultate:
Interlaken. Unspunnen-Schwinget (120 Teilnehmer/15'000 Zuschauer). Schlussgang: Daniel Bösch (Sirnach) bezwingt Christian Schuler (Rothenthurm) nach 4:45 Minuten mit Lätz. - Rangliste: 1. Bösch 58,75. 2. Jakob Roth (Krummenau) und Andi Imhof (Attinghausen), je 58,00. 3. Christian Schuler, Matthias Sempach (Alchenstorf) und Thomas Zaugg (Eggiwil), je 57,25. 4. Thomas Sempach (Heimenschwand), Thorsten Betschart (Rothenthurm), Kilian Wenger (Horboden) und Willy Graber (Bolligen), je 57,00. 5. Florian Gnägi (Bühl), Matthias Glarner (Meiringen) und Edi Philipp (Untervaz), je 56,75. 6. Marcel Mathis (Büren) und Philipp Gloggner (Ruswil), je 56,50. 7. Fabian Kindlimann (Wald ZH), Simon Anderegg (Meiringen), Benji von Ah (Giswil), Adi Laimbacher (Schwyz) und Bruno Gisler (Rumisberg), je 56,25. 8. Christian Stucki (Schnottwil), Arnold Forrer (Stein SG), Markus Koller (Siebnen), Michael Bless (Gais) und Andreas Ulrich (Gersau), je 56,00.

9. Bruno Fäh (Benken SG), Ivo Laimbacher (Schwyz) und Martin Grab (Rothenthurm), je 55,75. 10. Melk Britschgi (Stalden), Hansruedi Lauper (Gasel), Pascal Hirt (Tschiertschen), Guido Gwerder (Muotathal) und Alain Müller (Ebersecken), je 55,50. 11. Simon Röthlisberger (Leimiswil), Ueli Roth (Ebnat-Kappel), Remo Stalder (Mümliswil), Christian Dick (Koppigen) und Rainer Betschart (Walchwil), je 55,25. 12. Lutz Scheuber (Büren), Beat Salzmann (Signau), Stefan Gasser (Alpnach), Ueli Banz (Hasle), Samuel Blatter (Matten), Thomas Zindel (Günzberg), Mario Thürig (Möriken) und Andy Büsser (Ottoberg), je 55,00.

Steinstossen (Unspunnenstein/83,5 kg): 1. Peter Michel (Interlaken) 3,75m. 2. Benno Pfyl (Schwyz) 3,53. 3. Joni Jaggi (Reichenbach) 3,49.

 

(fest/Si)

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