
Auf der diesjährigen IFA hat die Buchhandelskette Thalia gemeinsam mit buch.de und bol.de seinen ersten eigenen E-Book-Reader angekündigt. Das Lesegerät mit dem Namen Oyo verfügt über einen 6-Zoll-SiPix-Screen und eine WLAN-Schnittstelle und ist seit dem 28. Oktober zum Preis von 189 Franken in allen 295 Thalia-Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie online bei den drei kooperierenden Buchhändlern erhältlich.
Der Oyo präsentiert sich in schlichtem Design und mit weisser, matter Kunststofffront. Mit seinen Massen von 15,4 mal 12,4 mal 1,1 Zentimetern und einer Bilddiagonalen von 15,2 Zentimetern (6 Zoll) ist der Reader äusserst kompakt und liegt mit 240 Gramm zudem gut in der Hand. Navigiert wird der Oyo hauptsächlich über den Touchscreen, der den Lesestoff in einer Auflösung von 800 mal 600 Pixel und 16 Graustufen wiedergibt. Zusätzlich zur Steuerung über den berührungsempfindlichen Bildschirm, besitzt der Oyo am Kunststoffrand vier haptische Tasten. Mit ihnen kann in den Büchern vor- und zurückgeblättert sowie das Gerät ein- und ausgeschaltet werden. Eine weitere Taste führt zum Menü, über das verschiedene Funktionen aufgerufen werden können.
Zum Lieferumfang des Oyo gehört ein Ladegerät, ein USB-Kabel und eine Kurzanleitung inklusive Garantiekarte. Auf ein Etui oder eine Schutzhülle hat Thalia verzichtet. Entsprechendes Zubehör kann jedoch im Onlineshop oder in den Filialen für Preise ab 19,90 Franken nachgekauft werden.
Beim Oyo handelt es sich um einen von Medion konzipierten Reader der statt auf e-Ink auf die Alternative SiPix setzt. SiPix-Displays weisen ähnliche Eigenschaften wie die bisher hauptsächlich verwendeten E-Book-Reader-Displays von e-Ink auf. Die Vorteile des Displays liegen in seiner augenschonenden, spiegelarmen Darstellung und seinem geringen Stromverbrauch. Nachteil ist die graue Schrift auf grauem Hintergrund, die beim Oyo auch nicht angepasst werden kann. Mit der neuesten Pearl-Technologie, wie sie beispielsweise Sonys neue Reader mitbringen, kann das SiPix-Display nicht mithalten.
Der 1200-mAh-Lithium-Ionen-Akku des Oyo soll zwei Wochen oder bis zu 8000-mal Umblättern durchhalten.
Inbetriebnahme und Einstellungen
Nach dem ersten Anschalten des Oyo wird der Nutzer zur Eingabe seiner WLAN-Daten aufgefordert. Anschliessend nimmt der Reader Kontakt zum Online-Store von Thalia auf. Wer bereits bei Thalia bestellt hat, kann seine Nutzerdaten einfach auf den Oyo übertragen und hat dann Zugriff auf gegenwärtig rund 40'000 Buch-Titel. Auf Wunsch können mit dem integrierten Internet-Browser auch andere Online-Stores oder Webseiten via Google angesurft werden. Dazu sollte der Nutzer jedoch Geduld mitbringen. Ein Besuch von teltarif.de klappte im Test zwar ohne Probleme, jedoch brauchte das Laden der Seite bis zu sechs Sekunden.
Der Besuch gewünschter Internetseiten erfolgt über das Suchfeld von Google und Wikipedia oder direkt über das URL-Eingabefeld. Der Browser ist im ersten Sinne für den Besuch des Online-Buchhandels gedacht. Der Besuch von Webseiten mit häufigem Seitenwechsel, wie beispielsweise Social-Media-Diensten, ist aufgrund der Ladezeiten nicht zu empfehlen. Für gelegentliche Abstecher ins Internet, um beispielsweise Nachrichten zu lesen, genügt das Gerät aber durchaus.
Die WLAN-Reichweite lässt sich mit der eines Notebooks vergleichen. Thalia bietet in allen Filialen einen kostenlosen Zugang zum Internet an. Über das WLAN-Modul kann aber auch auf alle anderen erreichbaren Hotspots zugegriffen werden. Ein Schalter für das Ein- uns Ausschalten des Drahtlos-Internetzugangs fehlt. Etwaige Änderungen können lediglich über den Unter-Punkt «WLAN-Einstellungen» im Menü «Extras» vorgenommen werden. Nutzer sollten jedoch beachten, dass die Akku-Laufzeit bei eingeschaltetem WLAN-Modul deutlich verkürzt wird. In unserem Test war die Akku-Leistung bereits nach drei Tagen unter WLAN-Betrieb auf die Hälfte geschrumpft. Aus diesem Grund sollte das WLAN nur dann aktiviert sein, wenn auch eine Verbindung zum Internet hergestellt werden soll.
Bedienung, Formate und virtuelles Bücherregal
Die Bedienung des Oyos ist einfach und auch für unerfahrene Nutzer schnell zu verstehen. Im Hauptmenü finden sich alle wichtigen Tabs, wie zuletzt gelesene E-Books («Letzte Bücher»), der Thalia-Shop, Extras und Einstellungen. Durch das Antippen des jeweiligen Symboles gelangt der Nutzer in die entsprechende Kategorie. Unter der Sparte «Letzte Bücher» öffnet der Oyo automatisch das zuletzt gelesene Buch an der zuletzt aufgeschlagenen Seite. Unterstützt werden die E-Book-Formate Epub (mit/ohne DRM), PDF, TXT, HTML sowie JPEG, PNG, BMP (in Graustufen), MP3-Audiobooks und MP3-Musik.
Direkte Shop-Anbindung mit Downloadmöglichkeit
Zum Übertragen entsprechender Inhalte auf den Oyo hat der Nutzer zwei Möglichkeiten: den direkten Download über den Online-Shop von Thalia (oder anderen) oder die Übertragung via PC. In unserem Test ging der Download der Bücher sehr schnell von statten. Die Abrechnung erfolgt über das Nutzerkonto. Wird der Oyo an den Rechner angeschlossen, fungiert er als Wechseldatenträger und wird als solcher erkannt. Der Anschluss erfolg über das mitgelieferte micro-USB-Kabel. Wichtig: Vor dem Anschluss an den PC muss der Oyo eingeschaltet sein, ansonsten bekommt man eine Fehlermeldung.
Mit einem kurzen Klick auf ein auf dem Oyo aufblinkenden Symbol wird die Verbindung bestätigt. Nach dem Verbinden können entsprechende Inhalte auf den Oyo geladen werden. Insgesamt stehen dem Nutzer 2 GB interner Speicher zu Verfügung, der jedoch via micro-SD-Speicherkarte auf bis zu 32 GB erweitert werden kann. Das Anlegen von verschiedenen Unterordnern, etwa für die Kategorisierung der Bibliothek, war uns nicht möglich.
Musikstücke werden in einer Liste angezeigt. Der integrierte Audioplayer funktioniert genau so, wie Nutzer es von MP3-Playern gewohnt sind. Insgesamt stehen vier Lautstärkestände zur Auswahl. Feine Nuancen bei der Einstellung sind daher nicht möglich. Für die Wiedergabe eines Hörbuches reicht der Player aber aus. Für eine optimale Darstellung von ePUB-Dateien lassen sich Textgrösse und Schriftart festlegen. Zur Auswahl stehen sechs Schriftgrössen sowie fünf Schriftarten von Bookman Oldstyle bis Stempel Garamond. Weitere Layout-Optionen, wie variablen Zeilenabstand oder einstellbare Zeilenbreite, bietet der Oyo-Reader nicht.
Der Oyo ermöglicht das Setzen von Lesezeichen direkt im Text oder die Suche nach Stichwörter durch Eingabe über die virtuelle Tastatur. Allerdings ist das Eintippen auf dem Touch-Screen durch die lange Reaktionszeit gewöhnungsbedürftig. Zu falschen oder doppelten Eingaben kam es in unserem Test aber dennoch nicht.
Die Ladezeit der Texte war ganz unterschiedlich. Wir hatten das Gefühl, dass PDF-Dateien prinzipiell etwas länger zum Öffnen brauchten als reine TXT-Dateien. Hat der Nutzer zudem noch den Energiesparmodus eingestellt, schien sich die Wartezeit noch etwas zu verlängern. Zudem blieb der Reader im Test bei geöffneter PDF auch schon mal Hängen. Diese Abstürze dauerten meist bis zu zwei Minuten. Erst nach einer gewissen Wartezeit reagierte der Reader wieder auf Eingaben.
Der Nutzer kann den Oyo sowohl im Hoch- als auch im Querformat nutzen. Über einen Lagesensor erkennt der Reader, die gewählte Haltung automatisch, entsprechende Zeilenumbrüche werden dementsprechend generiert. Im Energiesparmodus ist die automatische Erkennung jedoch ausgeschaltet. Alternativ kann die Ausrichtung auch unter «Einstellungen» manuell fixiert werden.
Fazit: Guter Reader zum günstigen Preis
Insgesamt ist der 189 Franken teure E-Book-Reader Oyo ein durchaus gelungenes Gesamtpaket. Durch seine kompakten Gesamtmasse passt er in beinahe jede Tasche und ist derzeit der kleinste Reader seiner Zoll-Klasse. Mit den Anschlussmöglichkeiten, dem Touchscreen und dem WLAN-Zugang mit Browser bietet der Oyo Funktionen, die in seiner Preiskategorie noch nicht allzu häufig zu finden sind. Allerdings hat der Oyo mit dem Display auch ein Manko - der Kontrast ist für einen aktuellen E-Reader nicht ausreichend. Auch die ab und zu auftretenden Hänger sind ärgerlich. Hier könnte jedoch ein Software-Update Abhilfe schaffen. Im Vergleich zum Oyo bieten die aktuellen Reader von Sony für 279 bzw. 349 Franken zwar ein besseres Display, haben dafür jedoch kein WLAN mit an Bord. Nutzer die auf den Leistungsumfang des Oyos Wert legen, sind mit dem Thalia-Reader daher durchaus gut beraten.
Die Ausstattung des Oyo:
Abmessungen: 154 x 124 x 11 mm
Gewicht: 240 Gramm
Bildschirm: 800 x 600 Pixel bei 15,24 cm
Diagonale, 16 Graustufen
Darstellung: SiPix-Techn., monochrom
Speicherplatz: 2 GB, erweiterbar auf bis zu 32 GB
Akku: Li-Polymer-Akku, 1200 mAh
(ca. 8 000 x blättern)
Karten-Slot: microSD
Schnittstellen: WLAN 802.11 b/g, microUSB 2.0
Audio-Anschluss: 3,5-mm-Klinke
Textformate: TXT, ePub, PDF, HTML
Audioformate: MP3
Bildformate: JPEG, PNG, BMP (in Graustufen)
Zubehör: USB-Kabel, USB-Netzadapter
Preis: 189 Franken
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