Treffen mit hunderten Flüchtlingen
Papst Franziskus besucht Lesbos
publiziert: Samstag, 16. Apr 2016 / 08:48 Uhr / aktualisiert: Samstag, 16. Apr 2016 / 10:44 Uhr

Athen - Wenige Wochen nach dem Beginn der Umsetzung des EU-Flüchtlingspaktes mit der Türkei besucht Papst Franziskus die besonders betroffene Insel Lesbos. Das Kirchenoberhaupt will auf der Ägäis-Insel am Samstag Flüchtlinge treffen.

2 Meldungen im Zusammenhang
Papst Franziskus will den «Hotspot» Moria besuchen, dort mit Flüchtlingen sprechen und im Hafen an die Opfer der Migration erinnern.

Begleitet wird das Kirchenoberhaupt vom griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I. und dem orthodoxen Erzbischof Hieronymus II.. Griechenlands Regierungschef Alexis Tspiras empfängt Franziskus am Flughafen und begleitet den fünfstündigen Besuch auf der Insel.

«Wir hoffen, dass unsere Initiative politisch genutzt wird, um einen Zweck zu erreichen: Das Problem, das wir zur Zeit haben, zu internationalisieren», sagte Erzbischof Hieronymus II. bei seiner Ankunft auf Lesbos am Freitag. «Denn es ist nicht ein Problem der Griechen sondern Europas und der ganzen Welt».

Flüchtlingskrise betrifft Lesbos besonders stark

Lesbos ist in den vergangenen Monaten besonders stark von der Flüchtlingskrise betroffen gewesen, zwischenzeitlich landeten täglich mehr als 7000 Menschen an den Stränden und felsigen Ufern der Ägäis-Insel.

Inzwischen leben dort noch etwa 4100 Flüchtlinge, die meisten von ihnen sollen laut EU-Türkei-Pakt in die Türkei zurückgebracht werden. Etwa 3000 Menschen sind derzeit im «Hotspot» Moria untergebracht, den Papst Franziskus besuchen wird. 250 Flüchtlinge soll das katholische Kirchenoberhaupt, das für seine ungewöhnlichen Gesten bekannt ist, auch persönlich begrüssen.

Engagement für Flüchtlinge

Seit seinem Amtsantritt im März 2013 hat sich Papst Franziskus immer wieder für die Flüchtlinge eingesetzt und Europa zu mehr Engagement und Solidarität aufgerufen. Nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt besuchte der 79-Jährige die italienische Insel Lampedusa, zuletzt wusch er in Rom am Gründonnerstag mehreren Flüchtlingen die Füsse.

Etwas mehr als fünf Stunden soll die Kurzvisite des Pontifex auf Lesbos dauern. Gemeinsam mit Bartholomaios I. und Hieronymus II. will Franziskus auch ein ökumenisches Zeichen setzen und eine gemeinsame Erklärung unterzeichnen.

Im Hafen sind eine Schweigeminute und ein Gebet für Hunderte Flüchtlinge geplant, die die Überfahrt von der Türkei nicht überlebt haben und in der Ägäis ertrunken sind.

«Starke Geste»

Italiens Regierungschef Matteo Renzi lobte die 13. Auslandsreise des Papstes als «einfache aber starke Geste». Wie Griechenland fühlt sich auch Italien in der Flüchtlingskrise von den anderen EU-Staaten häufig allein gelassen.

Papst-Sprecher Federico Lombardi erklärte, die kurzfristig anberaumte Reise sei «aus der Sorge des Papstes über die Situation der Flüchtlinge» entstanden.

Empfang am Flughafen

Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras empfing das Kirchenoberhaupt am Flughafen Mytilini, wie das Fernsehen zeigte. Der Besuch des Papstes auf der Insel soll fünf Stunden dauern.
Im Aufnahmelager von Moria will der Argentinier etwa 250 Asylbewerber persönlich begrüssen und mit acht von ihnen zu Mittag essen. Hilfsorganisationen nennen die Unterbringung der rund 3000 Flüchtlinge in dem sogenannten Hotspot menschenunwürdig.

Zudem wollen die drei Kirchenführer eine gemeinsame Erklärung unterzeichnen und für die Menschen beten, die auf der Flucht ihr Leben in der Ägäis verloren haben.

"Es ist eine traurige Reise. Wir treffen auf die grösste humanitäre Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg", sagte das katholische Kirchenoberhaupt während des Fluges nach Lesbos. Er erwarte auf der Insel "viele Menschen, die leiden, die nicht wissen, wohin, die fliehen mussten", sagte der 79-Jährige.

Zum Abschluss der Reise wird der Papst am Hafen von Mytilini gemeinsam mit Tausenden Menschen an die Flüchtlinge erinnern, die die Überfahrt aus der Türkei nicht überlebt haben. Dort sind auch eine Schweigeminute und ein Gebet geplant.

Papst nimmt zehn Flüchtlinge mit

Auf der Rückreise von Lesbos nach Rom wird Franziskus schliesslich zehn Flüchtlinge mitnehmen. Wie das griechische Staatsfernsehen berichtete, handelt es sich bei den Menschen um acht syrische und zwei afghanische Staatsbürger. Die Betreffenden sind demnach bereits in Griechenland angekommen, bevor der EU-Flüchtlingspakt mit der Türkei in Kraft getreten ist. Deshalb werden die Schutzsuchenden nicht in die Türkei zurückgeführt.

Seit seinem Amtsantritt im März 2013 hat sich Papst Franziskus immer wieder für die Flüchtlinge eingesetzt und Europa zu mehr Engagement und Solidarität aufgerufen. Nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt besuchte der 79-Jährige die italienische Insel Lampedusa, zuletzt wusch er in Rom am Gründonnerstag mehreren Flüchtlingen die Füsse.

Mehr als eine halbe Million Flüchtlinge war vergangenes Jahr über Lesbos nach Griechenland eingereist. Seit Beginn des Jahres trafen nach UNO-Angaben bereits knapp 90'000 Menschen auf der Ägäis-Insel ein, davon ein Drittel Kinder.

Laut dem Flüchtlingspakt mit der Türkei werden seit dem 20. März aber sämtliche Flüchtlinge in die Türkei zurückgeschickt, deren Asylantrag in Griechenland nicht angenommen wurde. Im Gegenzug für die Rücknahme der Flüchtlinge haben die EU-Länder zugesagt, für jeden zurückgeschickten Syrer auf legalem Wege einen anderen syrischen Flüchtling aus der Türkei aufzunehmen.

(kjc/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Lesbos/Athen/Rom - Papst Franziskus ist am Samstagnachmittag nach einem ... mehr lesen
Rom - Erst wenige Tage sind seit ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Papst Franziskus traf Flüchtlingskinder. (Archivbild)
Papst Franziskus traf Flüchtlingskinder. (Archivbild)
Treffen mit Kindern  Vatikanstadt - Papst Franziskus hat sich mit Flüchtlingskindern getroffen, deren Eltern bei der gefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer ums Leben gekommen sind. Gemeinsam gedachten sie der Opfer der Flüchtlingskatastrophen. mehr lesen 
Interreligiöser Dialog  Rom - Papst Franziskus hat am Montag erstmals den ägyptischen Grossscheich und Imam der Kairoer ... mehr lesen  
Papst Franziskus trifft sich mit einem muslimischen Kollegen.
Lukaschenko ist wegen Unterdrückung der Opposition in Weissrussland vom Westen isoliert. (Archivbild)
Friedenstreffen in Minsk geplant  Vatikan-Stadt/Minsk - Der weissrussische Präsident Alexander Lukaschenko hat Papst ... mehr lesen  
Barry im Vatikan  Bern - «Magnum», ein prächtiges Exemplar von einem Bernhardinerhund und Nachfahre des berühmten «Barry», ist am Mittwoch zur Generalaudienz bei Papst Franziskus vorgelassen worden. Der Papst soll von «Magnum» hingerissen gewesen sein. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 7°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebel recht sonnig
Basel 10°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
St. Gallen 13°C 18°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Bern 5°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Luzern 7°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Genf 6°C 22°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Lugano 12°C 22°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wechselnd bewölkt
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten