Kritik vom Papst
Papst Franziskus verurteilt Ungerechtigkeit des Slum-Lebens
publiziert: Freitag, 27. Nov 2015 / 11:21 Uhr / aktualisiert: Freitag, 27. Nov 2015 / 11:48 Uhr
Papst Franziskus macht Minderheiten für die Zustände in Kenia verantwortlich.
Papst Franziskus macht Minderheiten für die Zustände in Kenia verantwortlich.

Nairobi - Papst Franziskus hat in Kenia die «abscheuliche Ungerechtigkeit» verurteilt, die Millionen Menschen zum Leben in Slums zwingt. Dafür seien Minderheiten verantwortlich, die sich nur um Geld und Macht sorgten, aber nicht um das Gemeinwohl, sagte der Papst am Freitag.

7 Meldungen im Zusammenhang
Die Bewohner in Nairobis Armenviertel Kangemi hatten den im offenen Papamobil ankommenden Papst mit begeistertem Jubel empfangen. Der Besuch in dem Armenviertel gilt als eine der wichtigsten Stationen der sechstägigen Afrika-Reise des Papstes.

Die Armen hätten einen besonderen Platz in seinem Leben und seinen Entscheidungen, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. «Ich bin hier, weil ich möchte, dass ihr wisst, dass mir eure Freuden und Hoffnungen, eure Ängste und Traurigkeiten nicht gleichgültig sind.»

Alle Familien hätten das Recht auf ein solides Dach über dem Kopf, trinkbares Wasser, eine Toilette und Strom, forderte Franziskus in der Kirche von Kangemi. Dort leben etwa 100'000 Menschen auf engstem Raum zusammen. Mehr als die Hälfte der rund 3 Millionen Einwohner Nairobis lebt in Slums.

Zugang zu Trinkwasser ist Menschenrecht

Eine Slumbewohnerin appellierte in einer emotionalen Ansprache an den Papst, sich bei der Regierung für die Nöte der Menschen in Kangemi einzusetzen. «Menschen in den informellen Siedlungen in Kenia haben keinen Zugang zu Wasser - oft ist es rationiert, von schlechter Qualität oder ungeniessbar», sagte Pamella Akwede.

Franziskus bezeichnete den Zugang zu sicherem Trinkwasser als fundamentales Menschenrecht. «Einer Familie unter irgendeinem bürokratischen Vorwand das Wasser zu verweigern, ist eine grosse Ungerechtigkeit, vor allem, wenn aus dieser Not ein Nutzen gezogen wird.»

Menschen seien wichtiger als der «Gott des Geldes», sagte Franziskus. Der 78-jährige Argentinier hat die Bekämpfung der Armut zu einem Kernanliegen seines Pontifikats gemacht.

Nonne fordert mehr Präsenz der Kirche

Eine in Kangemi tätige Nonne berichtete dem Papst eindrücklich von den Problemen der Slumbewohner, von fehlender Wasserversorgung und Sanitäreinrichtungen bis zur mangelnden Gesundheitsversorgung und grassierender Korruption seitens der Behörden. Sie äusserte jedoch auch Kritik an der Kirche.

«Wir müssen in den Slums präsenter sein», forderte sie. Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung Nairobis in Slums lebe, seien dort nur 4 Prozent des Kirchenpersonals aktiv, hiess es in ihrem vorbereiteten Redetext.

Die Afrika-Reise nach Kenia, Uganda und in die Zentralafrikanische Republik ist die elfte Auslandreise seit Franziskus' Wahl zum Papst im März 2013. Afrika ist die Weltregion, in der die katholische Kirche am meisten wächst.

Am Freitag sollte Franziskus in Nairobi noch vor Jugendlichen eine Messe feiern. Am Nachmittag stand der Weiterflug nach Uganda auf dem Programm.

(pep/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Kapstadt - Überall in Afrika besteht ein hohes oder sogar kritisches ... mehr lesen
Alle Länder schlossen beim Test schlecht ab.
Bangui - Papst Franziskus hat in der ... mehr lesen
Bangui - Erstmals besucht der Papst mit der Zentralafrikanischen Republik ein ... mehr lesen
Auf dem Reiseprogramm des Papstes steht unter anderem eine öffentliche Messe im Stadion von Bangui.
Papst Franziskus war am Freitag in Uganda eingetroffen. (Archivbild)
Kampala - Bei einem Besuch in Uganda hat Papst Franziskus am Samstag die christlichen «Märtyrer» des Landes gewürdigt. Der Tod der jungen Katholiken und Anglikaner im 19. ... mehr lesen
Nairobi - Zu Beginn seiner sechstägigen Afrika-Reise hat Papst Franziskus Kenias Regierung zu einer entschlosseneren Bekämpfung von Armut und Ungleichheit aufgefordert. Die Führung des ostafrikanischen Landes müsse sich integer und transparent für das Allgemeinwohl einsetzen. mehr lesen 
Weitere Artikel im Zusammenhang
Vatikanstadt - Papst Franziskus hat ... mehr lesen
Der Papst hofft, dass sich die Roma mehr integrieren.
«Geschenk der Barmherzigkeit»
Vatikanstadt - «Geschenk der Barmherzigkeit» heisst ein Schlafsaal für Obdachlose, der unweit des Peterplatzes in Rom eröffnet worden ist. Die Unterkunft für 34 Personen wurde auf ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Papst Franziskus traf Flüchtlingskinder. (Archivbild)
Papst Franziskus traf Flüchtlingskinder. (Archivbild)
Treffen mit Kindern  Vatikanstadt - Papst Franziskus hat sich mit Flüchtlingskindern getroffen, deren Eltern bei der gefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer ums Leben gekommen sind. Gemeinsam gedachten sie der Opfer der Flüchtlingskatastrophen. mehr lesen 
Interreligiöser Dialog  Rom - Papst Franziskus hat am Montag erstmals den ägyptischen Grossscheich und Imam der Kairoer Al-Azhar-Universität im Vatikan empfangen. Die Begegnung sollte als Zeichen des Dialogs zwischen der katholischen Kirche und dem Islam dienen, erklärte der Vatikan. mehr lesen  
Friedenstreffen in Minsk geplant  Vatikan-Stadt/Minsk - Der weissrussische Präsident Alexander Lukaschenko hat Papst Franziskus zu einem Friedenstreffen mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill eingeladen. Angesichts des Konflikts in der Ukraine seien neue Initiativen nötig, «am besten auch geistliche», sagte er. mehr lesen  
Barry im Vatikan  Bern - «Magnum», ein prächtiges Exemplar von einem Bernhardinerhund und Nachfahre des berühmten «Barry», ist am Mittwoch zur Generalaudienz bei Papst Franziskus vorgelassen worden. ... mehr lesen
Der 70 Kilogramm schwere Hund wurde dem Papst nach der Audienz auf dem Petersplatz vorgestellt. (Archivbild)
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 15°C 22°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Basel 16°C 23°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
St. Gallen 15°C 20°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Bern 15°C 22°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Luzern 16°C 22°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Genf 15°C 25°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Lugano 18°C 30°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten