In der französischen Hauptstadt treiben kleine Dieber ihr Unwesen
Paris: Kinder-Mafia plünderte über 6000 Parkuhren
publiziert: Dienstag, 1. Mai 2001 / 08:19 Uhr

Paris - Eine Kinder-Mafia plünderte in Paris seit Jahresbeginn über 6000 Parkuhren. Seither befindet sich die französische Haupstadt in einem Parkuhr-Notstand. Denn bis die defekten Apparaturen repariert sind, können die Automobilisten keine Münzen einwerfen. Die geübten Kleindiebe rikieren nicht viel. Weil die meisten von ihen minderjährig sind, können sie strafrechtlich nicht verfolgt werden.

In aller Ruhe fingert der Junge an der Parkuhr in der Rue de Civry in der feinen Pariser Gegend Auteuil herum. Er führt gezielt einen Schraubenzieher in ein vorgebohrtes Loch, dann öffnet er mit einem Stück Blech oder Holz eine kleine Klappe.

Jetzt kann der Münzregen einsetzen. Sein «Kollege» schiebt derweil Wache. Wobei auch Passanten die jungen Delinquenten nur kurz dazu bringen, mit einem ziemlich «coolen» Gesichtsausdruck von diesem metallenen Geldesel abzulassen.

6000 der etwa 12 500 Parkuhren in der Weltstadt Paris hat eine Kinder-Mafia seit Jahresbeginn geplündert. Paris befindet sich im Parkuhr-Notstand: Weil die Parkuhren repariert und gesichert werden müssen, können Autofahrer praktisch nichts mehr einwerfen.

Lukratives Geschäft

Vor allem Minderjährige aus Rumänien sind auf diese lukrative Kriminalität angesetzt. Schon im Jahr 2000 sollen sie 60 Millionen Franc (14 Millionen Franken) in klingender Münze erbeutet haben. Und sie riskieren nicht viel.

«Weil die meisten unter 16 Jahre sind, kann man ihnen strafrechtlich praktisch nichts anhaben», sagt ein Polizeisprecher. Die Ordnungshüter kennen viele Übeltäter, sie werden immer wieder erwischt: «Das sind nicht nur ein paar Jungs, das ist eine richtige Mafia-Organisation.»

Immer dieselbe Geschichte

Monat für Monat gibt es inzwischen 300 bis 400 vorübergehende Festnahmen der geübten Kleindiebe, die auf dem Kommissariat dann alle die gleiche, auswendig gelernte Geschichte hersagen.

«Sie haben keine Papiere, sind auf eigene Faust nach Frankreich gekommen und leben in einem besetzten Abbruch-Haus irgendwo am Stadtrand», berichtet ein Ermittler. Soweit sie überhaupt etwas sagen, zumal viele nicht in der Landessprache parlieren können.

Erwachsene sind es, die üblicherweise nachts die Löcher in Parkuhren bohren, die es ihren jungen Helfern dann erlauben, am helllichten Tage ihre Schraubenzieher anzusetzen.

Reparaturen gehen ins Geld

Was kann die Stadt gegen diesen Vandalismus an den «Horodateurs» tun? Die Reparatur einer Parkuhr kostet zwischen 1000 bis 5000 Franc. 3000 der Geldschlucker ziert inzwischen ein roter Aufkleber, der ein Bezahlen an jenen Parkuhren unmöglich macht, die leicht zu knacken sind.

Die Polizei denkt sich immer wieder neue Schutzvorrichtungen aus, die aber von den einfallsreichen Kleinkriminellen in Windeseile «untersucht» werden.

Lösung in Sicht

Die einzige Lösung wird es sein, dass eines Tages nur noch mit einer Karte an den Parkuhren bezahlt werden kann. «In eineinhalb bis zwei Jahren sind wir soweit», sagt der grüne Pariser Verkehrspolitiker Denis Baupin.

Und bis dahin? Das Rathaus hat seine 1800 Hilfpolizisten aufgefordert, sich in Toleranz zu üben, wenn die Parkuhren in einer Strasse alle «ausser Dienst» sind. Ein Freipark-Schein ist das aber nicht. Immerhin geht es um 450 Millionen Franc (gut 100 Millionen Franken) an Jahreseinnahmen.

(Hans-Jochen Kaffsack/sda)

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