Parteien ködern junge Wähler mit dem Internet
publiziert: Dienstag, 2. Okt 2007 / 12:42 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 2. Okt 2007 / 17:48 Uhr

Bern - Sie sind zahlreich, selten einer Partei treu und stärker an Politik interessiert, als man ihnen nachsagt: Junge bieten mit Blick auf den 21. Oktober ein enormes Wählerpotenzial. Die Parteien haben dies erkannt und setzen auf das Internet, um die Jungwähler für sich einzunehmen.

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Rund 800'000 Schweizerinnen und Schweizer sind zwischen 18 und 29 Jahre alt, erklärt Lukas Golder, Politologe und Projektdirektor des Forschungsinstituts gfs.bern, im Gespräch mit der SDA. Bei den Parlamentswahlen in drei Wochen könnten sie allesamt abstimmen.

Doch vermutlich wird nur eine Minderheit der jungen Leute an die Urne gehen. «Während 53 Prozent der Bevölkerung angibt, wählen zu wollen, beträgt dieser Anteil bei jungen Menschen nur 32 Prozent», sagte Golder auf Grund des jüngsten Wahlbarometers.

Seit Jahresbeginn zerbrechen sich die Parteien deshalb den Kopf, wie sie bei der jungen Generation Stimmen sammeln könnten. Während bewährte Methoden wie Flugblätter oder die Organisation von Konzerten und Konferenzen aktuell bleiben, ist bei der diesjährigen Kampagne eine neues Instrument aufgetaucht: Das Internet.

Die Sprache der Jugend

Rockmusik, eine Schweizer Fahne, in organge-blaue Trikots gekleidete Politiker, die schwitzend einem Fussball nachjagen: Das sind Szenen aus dem neusten Videoclip der CVP, welcher auf der Internetseite der Partei aufgeschaltet ist.

Wie die Christdemokraten offen zugeben, soll das Video in erster Linie junge Menschen ansprechen. «Wir wollen unsere Wählerbasis vergrössern, und das Internet ist das beste Mittel, um dies zu bewerkstelligen», erklärt Alexandra Perina-Werz, Pressesprecherin der Partei.

«Wenn man von der Jugend verstanden werden will, muss man ihre Sprache sprechen. Und ihre Sprache ist das Internet», findet auch Simon Hofstetter, Generalsekretär der Jungfreisinnigen.

Ins gleiche Horn stösst der Berner SVP-Grossrat Thomas Fuchs: «Die Videos auf unserer Internetseite sind bei jungen Menschen sehr beliebt.» Auch bei der SP setzt man auf das Internet und bietet im Netz unter anderem zwei Blogs an.

Nicht die Lösung aller Probleme

Ist das Internet das neue Wundermittel, das junge Menschen stärker für die Politik interessieren wird? Dafür gebe es zurzeit keine Hinweise, sagen Golder und auch sein Berufskollege, der Politologe Hanspeter Kriesi.

Das Internet könne Junge auf die Kampagne einstimmen, findet Golder. Doch im Vergleich mit der Wirkung von Fernsehen, Plakaten und vor allem der Gratiszeitungen bleibe der Einfluss des Internets klein. «Nur 10 Prozent der Bevölkerung informiert sich im Netz, während 50 Prozent dafür die Presse benutzt», sagt Golder.

Für Kriesi hängt die Wahlbeteiligung der Jungen stark davon ab, was auf dem Spiel steht. Und da am 21. Oktober nicht die Regierung gewählt werde, «erkennen sie die Bedeutung nicht». Welcher Kommunikationskanal benutzt wird, spielt in seinen Augen deshalb keine grosse Rolle.

Vorbereitung in der Schule

Es gebe keine Wunder, sagen die beiden Experten: Um die Wahlbeteiligung junger Menschen zu verbessern, müsse man sie während der Schulzeit in Kursen auf die Politik vorbereiten.

Dies alleine reicht für Golder allerdings nicht: «Das Stimmrecht müsste in meinen Augen anschliessend auf 16 Jahre gesenkt werden, damit die Jungen diese Kentnisse in die Praxis umsetzen können.»

Während Politikkurse bei den meisten Parteien auf Zustimmung stossen, ist die Senkung des Stimmrechtsalters stärker umstritten. Hanspeter Kriesi sieht wenig Sinn in dieser Forderung: «Wenn schon Erwachsene nicht an die Urne gehen, weshalb sollten es dann 16-Jährige tun?»

( Delphine Neyaga/sda)

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