Pearce und der britische Scherbenhaufen
publiziert: Sonntag, 5. Aug 2012 / 23:50 Uhr
Trainer Stuart Pearce scheitert mit seinem Team im Penaltyschiessen.
Trainer Stuart Pearce scheitert mit seinem Team im Penaltyschiessen.

Die geplante Party in Cardiff platzte. Das Team «GB» spielte zum Entsetzen der 70'000 Fans nicht mit. Gegen Südkorea hielt die englisch-walisische Auswahl dem Druck nicht stand. Die Penalty-Pleite kommt einem Déjà-vu-Erlebnis gleich.

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Die Geschichte wiederholt sich im Fussball nicht oft. Nur das britische Penalty-Drama gehört irgendwie zu jedem Drehbuch. Daniel Sturridge trug am Samstagabend zwar das Shirt von «GB», das englische Trauma holte ihn gleichwohl wieder ein. Der Chelsea-Stürmer zögerte beim Stand von 4:4 einen Wimpernschlag - und scheiterte am koreanischen Ersatzkeeper Lee Bum-Young.

Innert Minuten leerte sich das «Millennium». Fluchtartig verliessen die britischen Supporter den Ort des Grauens. Unten auf dem Rasen sprach Stuart Pearce zu den fassungslosen Verlierern. Keiner konnte den Schmerz Sturridges besser nachvollziehen als der Coach des OS-Gastgebers selber. 1990 stand er nach dem verlorenen WM-Halbfinal gegen Deutschland vor einem ähnlichen Scherbenhaufen. Pearce hatte mit seinem Penalty-Fehlschuss damals das bittere Out verschuldet.

«Daniel wird daran wachsen. Solche Erlebnisse bringen einen in der Karriere weiter. So wars zumindest bei mir», sprach Pearce nach seiner bittersten Niederlage seit dem Einstieg ins Trainer-Business dem Chelsea-Stürmer Mut zu. So sehr sich der Trainer um eine relativierende Note bemühte, das Ausscheiden hinterliess Spuren. Ausgerechnet am Tag des nationalen Goldrauschs endete das Olympia-Projekt der Fussballer fernab der Londoner Party-Meile unschön.

Dramen und Hongs Erinnerung

Die expemlarische Nervenschwäche der Briten, sobald sie sich dem Elfmeterpunkt nähern - Aaron Ramsey verschoss während der regulären Spielzeit ebenfalls einen Penalty - ist im Welt-Fussball schon fast einzigartig. Abseits des Terrains gelten sie als ausgeprochene Krimiliebhaber. Im Fussball hingegen ist der «Penalty-Fluch» («The Sun») offensichtlich unauslöschbar.

Auf allen relevanten Ebenen haben die «Three Lions» seit ihrem letzten WM-Titel vor 46 Jahren in der inselweit unpopulärsten Zusatzschicht versagt. Das letzte Elfmeter-Drama liegt lediglich ein paar Wochen zurück: Im EM-Viertelfinal verloren die Briten im Duell mit Italien die Nerven. Sollte Sepp Blatter die Abschaffung der «Fussball-Lotterie» nochmals thematisieren, würden sich die Insulaner mutmasslich erstmals vorbehaltlos zum FIFA-Präsidenten bekennen.

Südkoreas Coach Hong Myung-Bo war die deströse Bilanz selbstredend bekannt: «Ich habe viele internationale Turniere gesehen und hatte natürlich in Erinnerung, wie schwer sich britische Teams oft getan haben.» Ein paar simple Worte seinerseits genügten offenbar, keine Nervosität aufkeimen zu lassen. «Ich forderte meine Spieler auf, mit Selbstvertrauen zu schiessen.»

Die Umsetzung funktionierte zu 100 Prozent - jeder Asiate traf ohne das geringste Problem. Unter Umständen war eben auch im Falle Südkoreas die Vorgeschichte ausschlaggebend. Im Gegensatz zu Pearce, dem in England auch 22 Jahre nach der «Tragödie» von Turin das Image des Verlierers anhaftet, geniesst Hong in seiner Heimat einen uneingeschränkten Heldenstatus. Er verwandelte im WM-Viertelfinal gegen Spanien 2002 den entscheidenden Penalty.

(fest/Si)

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