Pegel des Bodensees gesunken
publiziert: Freitag, 14. Jul 2006 / 15:48 Uhr / aktualisiert: Freitag, 14. Jul 2006 / 16:07 Uhr

Konstanz - Der Wasserspiegel des Bodensees ist zwischen 1999 und 2005 um 80 Zentimeter gesunken. Sinkende Pegel und Klimaveränderung haben teilweise dramatische Auswirkungen auf Nutzer, Natur und Kultur.

Vor allem die Ufervegetation ist bereits jetzt vom Klimawandel betroffen.
Vor allem die Ufervegetation ist bereits jetzt vom Klimawandel betroffen.
Extreme Hoch- und Niedrigwasser werden am Bodensee zunehmen. Dies erwarten Wissenschaftler und Ingenieure der Arbeitsgruppe Bodenseeufer (AGBU), die sich in Konstanz zu einer Fachtagung getroffen haben. Im Sommer werden die Schiffe auf dem Trockenen liegen, dafür müssen die Anwohner im Winter mit Hochwasser rechnen.

Die Durchschnittstemperaturen sind in den vergangenen 30 Jahren um rund 0,6 °C angestiegen. Die Forscher rechnen mit einer weiteren Zunahme um 1,5 °C. Obstbauern und Winzer können sich daher über zunehmende Erträge freuen, allerdings werden dadurch auch andere Schädlinge auftreten.

Pfahlbausiedlungen bedroht

Vor allem die Ufervegetation ist bereits jetzt vom Klimawandel betroffen. Durch das Hochwasser 1999 sind 25 Prozent des Schilfgürtels abgestorben. Inzwischen haben sich Rohrkolben angesiedelt und neue Weidenauenwälder entstehen. Ausserdem blühen die Pflanzen immer früher.

Alarm schlagen auch die Archäologen. Denn im Bodensee liegen historische Quellen von internationaler Bedeutung. Mehr als 100 Pfahlbausiedlungen sind bekannt. 80 Prozent davon sind durch massive Erosion bedroht. Jahrtausendelang wurden die Holzpfähle durch den Schlick konserviert. Inzwischen beobachten die Unterwasserarchäologen Abspülungen von mehreren Zentimetern pro Jahr.

Weniger Fische

Auch der Fischbestand des Bodensees geht zurück. Dies liegt jedoch nicht nur an sinkenden Pegel sondern auch daran, dass der See durch die vielen Kläranlagen für die Fische weniger Nahrung bietet.

Wie sich die Speicherbecken im Alpenrhein auf den Pegel auswirken können die Forscher nicht genau sagen, da ihnen keine Daten zur Verfügung gestellt werden, sagte Wolfgang Ostendorp vom Limnologischen Institut der Universität Konstanz.

Um den Bodensee möglichst in einem stabilen ökologischen Gleichgewicht zu halten, plädieren die Forscher für die Renaturierung der Ufer- und Flachwasserzonen.

(bert/sda)

 
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