Zürcher Pflegepersonal schliesst dreitägige Streikaktionen ab:
Pflegepersonal: 8000 protestierten in einer Grosskundgebung in Zürich
publiziert: Donnerstag, 4. Mai 2000 / 20:27 Uhr

Zürich - Das Zürcher Pflegepersonal hat am Donnerstag seine Streik- und Protestaktionen in über 20 Spitälern abgeschlossen. Am Abend marschierten gegen 8000 Angehörige des Pflegepersonals in einer Grosskundgebung durch die Zürcher Innenstadt.

Auf zahlreichen Transparente und mittels Trillerpfeifen unterstrichen die Manifestierenden die Forderungen der letzten Tage. Sollte die Regierung auf die Forderungen nicht reagieren, könnte im Gesundheitswesen ein heisser Herbst bevorstehen. Man müsse jetzt der Kantonsregierung Zeit einräumen, um auf die Forderungen zu reagieren, sagte Rahel Wespi, Krankenschwester und Präsidentin der Aktion «Gsundi Gsundheitspolitik», welche die Streiks organisierte, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Sollte keine Reaktion erfolgen, werde das Gesundheitspersonal im Herbst neue Aktionen beschliessen, bilanzierte sie die Aktion. 5000 beteiligten sich an Protestpausen Bis zu 5000 Angehörige des Pflegepersonals haben in den letzten drei Tagen unter dem Motto «Ohne uns läuft nichts!» Protestaktionen durchgeführt, die jeden Tag gesteigert wurden. Am Dienstag dauerten die Protestpausen zwei, am Mittwoch vier und am Donnerstag acht Stunden. Trotz der reduzierten Arbeit sei die Sicherheit der Patientinnen und Patienten stets gewährleistet gewesen. Das bestätigten am Donnerstag auf Anfrage auch Spitalbehörden. Scharfe Kritik übte (das von der Gewerkschaft vpod und weiteren Berufsverbänden im Gesundheitswesen getragene) Aktionskomitee am Donnerstag in seiner Schlussbilanz am Zürcher Regierungsrat. Keine Reaktion Diese sei nicht bereit, die politische Verantwortung zu übernehmen. Es sei «ein Skandal» dass die Forderungen weiterhin ignoriert würden. Wespi räumte aber ein, dass Gesundheitsdirektorin Verena Diener zugestanden habe, dass bei den Arbeitsbedingungen des Pflegepersonal ein Fehlentscheid vor zehn Jahren zur heutigen Lage führte. Jetzt müssten daraus Konsequenzen gezogen werden.
Das Pflegepersonal verlangt eine deutliche Erhöhung der Löhne um durchschnittlich 20 Prozent. Gefordert wird auch der Verzicht auf weiteren Personalabbau und der ausdrückliche Verzicht auf Rationierungen im Gesundheits- und Pflegebereich.
Die Streikenden wenden sich auch gegen die Privatisierung kantonaler Spitäler. Hoffnungen setzt das Pflegepersonal nicht nur auf die Kantonsregierung, sondern auch auf das Zürcher Verwaltungsgericht, das noch zu einer Lohnklage Stellung nehmen muss.

(sda)

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