Philadelphia verklagt Paris
publiziert: Samstag, 11. Nov 2006 / 19:09 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 12. Nov 2006 / 15:55 Uhr

Paris - Die US-Stadt Philadelphia (Pennsylvanien) hat Paris wegen «Rechtfertigung von Verbrechen» verklagt, weil die französische Hauptstadt einen zum Tode verurteilten Amerikaner zum Ehrenbürger gemacht hat. Das teilte Philadelphias Anwalt Gilbert Collard mit.

Mumia Abu Jamal wurde zur Symbolfigur der amerikanischen Bewegung gegen die Todesstrafe.
Mumia Abu Jamal wurde zur Symbolfigur der amerikanischen Bewegung gegen die Todesstrafe.
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Der frühere Aktivist der Schwarzenbewegung Black Panther und Journalist Mumia Abu Jamal war am 3. Juli 1982 wegen Polizistenmordes in Philadelphia zum Tode verurteilt worden.

1999 gestand der Berufskiller Arnold Beverly jedoch, das Verbrechen im Auftrag der Mafia begangen zu haben.

Abu Jamal sitzt bis heute im Gefängnis und wurde zur Symbolfigur der amerikanischen Bewegung gegen die Todesstrafe.

Ehrung in Frankreich

Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë machte ihn im Oktober 2003 in Anwesenheit der US-Bürgerrechtlerin Angela Davis zum Ehrenbürger und nannte die Todesstrafe dabei «eine Barbarei».

Der Pariser Vorort Saint-Denis benannte im April 2006 eine Strasse nach Abu Jamal, der als Radiojournalist «die Stimme der Stimmlosen» genannt wurde.

Philadelphia störe sich nicht am Kampf gegen die Todesstrafe, sondern daran, dass ein Verurteilter geehrt werde, sagte Collard. Auch gegen Saint-Denis sei Klage in Frankreich eingereicht worden.

Baldige Hinrichtung?

Im Dezember 2001 hob ein Richter das Todesurteil gegen Abu Jamal wegen Verfahrensfehlern auf, verweigerte aber einen neuen Prozess. Daraufhin legten sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung Einspruch ein.

Der Fall liegt seitdem vor einem Berufungsgericht in Pennsylvania. Falls das Gericht das Todesurteil wieder einsetzt, will der Gouverneur Abu Jamal binnen 90 Tagen hinrichten lassen.

(bert/sda)

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