Phonak - Neuanfang mit vielen Unbekannten
publiziert: Montag, 17. Jan 2005 / 10:40 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 8. Jun 2005 / 17:42 Uhr

Mit dem Grand Prix von Doha startet das Team Phonak am 29. Januar in die Saison 1 nach Hamilton, Pino und Freuler. Ob Phonak wieder sportliche Ausrufezeichen setzen kann, hängt von einigen Fragezeichen ab.

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Im Phonak-Trainingslager in Playa Palma auf Mallorca scheinen die Turbulenzen der letzten Wochen und Monate weiter weg als die Hochsaison der Ballermänner. Drei prominente Dopingfälle und keine Lizenz für die ProTour - noch im Dezember befand sich das Phonak-Schiff in Seenot. Trotz der Havarien rettete es sich an Land, wo zuerst der Kapitän (John Lelangue für Urs Freuler) ausgewechselt und dann der Schaden behoben wurde. Jetzt, gut zehn Tage vor dem ersten Saisonrennen, ist Phonak wieder startklar.

Besuch beim Tour-Direktor

Die fehlende ProTour-Lizenz wirkt sich in der Vorbereitung praktisch ausschliesslich auf die Terminplanung aus. Für sämtliche Rennen mit ProTour-Status ist Phonak auf Einladungen angewiesen. Am 31. Januar werden Patron Andy Rihs und der neue Manager John Lelangue wenigstens auf die drängendste Frage eine Antwort bekommen: Erhält Phonak eine der drei Wildcards für die Tour de France?

Obwohl das Motto "alle und alles für Tyler Hamilton und die Tour" nach dem positiven Dopingbefund des Amerikaners ausgedient hat, spielt das mit Abstand bedeutendste Rennen in den Überlegungen der Phonak-Verantwortlichen weiterhin die Hauptrolle. "Über das Potenzial für die Tour verfügen wir zweifelsfrei", sagt Lelangue.

Der 34-jährige Belgier dürfte sich im Kampf um die heiss begehrten Wildcards als Trumpf erweisen. Lelangue arbeitete zuletzt zehn Jahre für die Tour-Organisatorin ASO. Ob der Trumpf auch stechen wird, lässt er trotzdem offen. "Ich stiess sicher nicht mit einer Garantie für eine Tour-Teilnahme zu Phonak", stellt Lelangue klar.

Vor zehn Tagen war er deshalb zusammen mit Andy Rihs bei Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc zu Besuch. Lelangue erläuterte seinem Förderer die neue Ausgangslage, wies ihn auf die Wechsel im Management und die Unterzeichnung des Ethik-Code hin.

Veranstalter reagieren positiv

Keine Gedanken verschwendet Lelangue momentan daran, dass Phonak doch noch eine ProTour-Lizenz für die Saison 2005 erhalten könnte. Nach dem negativen Entscheid der UCI zog Phonak den Fall an den Internationalen Sportgerichtshof weiter.

Lelangue ist unabhängig vom Entscheid aus Lausanne zuversichtlich, seinen Fahrern (und dem Sponsor) ein attraktives Rennprogramm bieten zu können. Der Optimismus basiert auch auf positiven Reaktionen einiger Veranstalter. Definitive Zusagen für grosse Prüfungen liegen bis dato allerdings keine vor. Die Veranstalter können mit der Vergabe der Wildcards bis 30 Tage vor dem Rennen warten.

Es gibt auch Anlässe, für die sich Phonak keine Chancen auf einen Start ausgerechnet hat. Dazu gehört Paris-Nizza - obwohl die Phonak-Gruppe beim ersten grossen Rendez-vous des Jahres erneut als Sponsor auftreten wird.

So wie bei Paris-Nizza die französischen Teams bevorzugt werden, dürfte Phonak auf die Startliste von Tour de Romandie und Tour de Suisse gelangen. Grundsätzlich will Phonak seine 24 Fahrer aus neun Nationen an zwei Fronten fahren lassen. So wären jeweils rund zwei Drittel der Equipe im Einsatz, der Rest könnte trainieren oder pausieren.

Eine "Clan-Bildung" wie zuletzt unter Sportdirektor Alvaro Pino will man allerdings à tout prix vermeiden. Ein Fahrer soll nicht immer mit den gleichen Teamkollegen und den gleichen Betreuern unterwegs sein. Trotzdem probieren Lelangue sowie die drei Sportlichen Leiter Juan Fernandez (Sp, neu für Pino), Jacques Michaud (Fr) und René Savary (Sz) den Fahrern möglichst viele Wünsche zu erfüllen.

"So sind nur Leute an einem Rennen, die wirklich fahren möchten und entsprechend motiviert sind", sagt Lelangue. Er will, dass auch die Jungen Verantwortung übernehmen und ihre Chance suchen. "So merken sie auch, wie wichtig gute Helfer sind."

Die Hierarchie im Team ist deutlich flacher als im Jahr mit Tyler Hamilton. Das fängt schon bei den Sportlichen Leitern an, die im Gegensatz zur Ära Pino gleichberechtigt sind. Die Rolle des internen Tour-Leaders würde mit Floyd Landis ein Mann ausfüllen, der primär als Edelhelfer für Freund und Landsmann Hamilton vorgesehen war.

Landis, seinem bisherigen Chef Lance Armstrong bei US Postal während Jahren treu ergeben, wirkt wie die Bescheidenheit in Person. Grosse Töne sind seine Sache nicht. "Die ganze Sache mit Tyler und der ProTour-Lizenz - das war nicht einfach für mich. Jetzt will ich einfach das Beste daraus machen", sagt der 29-Jährige.

Für den Berner Niki Aebersold, einen von neun Schweizern im Team, ist klar: "Landis hat die Leaderrolle nicht gesucht. Er stiess mit einer ganz anderen Einstellung zu uns als Hamilton." Verständlich also, dass Phonak beim Neuanfang nicht mehr alles auf eine Karte setzen und künftig zum Beispiel die Klassiker stärker gewichten will.

Kader für die Saison 2005:
Niki Aebersold (Sz, Jahrgang 1972), Santiago Botero (Kol, 1972, neu von T-Mobile), Aurélien Clerc (Sz, 1979, Quick Step), Martin Elmiger (Sz, 1978), Santos Gonzalez (Sp, 1973), Bert Grabsch (De, 1975), Ignacio Gutierrez (Sp, 1977, Caja Castilla La Mancha), José Enrique Gutierrez (Sp, 1974), Robert Hunter (SA, 1977, Rabobank), Nicolas Jalabert (Fr, 1973), Floyd Landis (USA, 1975, US Postal), Miguel Angel Martin Perdiguero (Sp, 1972, Saunier Duval), Alexandre Moos (Sz, 1972), Uros Murn (Sln, 1975), Tomasz Nose (Sln, 1982, Krka Novo Mesto), Victor Hugo Pena (Kol, 1974, US Postal), Oscar Pereiro (Sp, 1977), Viktor Rapinski (WRuss, 1981, Navigators), Grégory Rast (Sz, 1980), Daniel Schnider (Sz, 1973), Johann Tschopp (Sz, 1982), Sascha Urweider (Sz, 1980, Saeco Romer´s), Tadej Valjavec (Sln, 1977), Steve Zampieri (Sz, 1977, Vini Caldirola).

Geschäftsführer und Teammanager: John Lelangue (Be, neu).

Sportliche Leiter: Juan Fernandez (Sp, neu), Jacques Michaud (Fr), René Savary (Sz).

Aufgebot für die ersten Rennen in Katar (Grand Prix von Doha/29. Januar, Katar-Rundfahrt/31. Januar bis 4. Februar): Hunter (Vorjahressieger), Clerc, Rapinski, Jalabert, Rast, Murn, Urweider, Zampieri.

(Philipp Bärtsch, Palma/Si)

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