Physik-Nobelpreis für Kohlenstoff-Forscher
publiziert: Mittwoch, 6. Okt 2010 / 00:04 Uhr
Andre Geim (Bild) und Konstantin Nowoselow erhalten den diesjährigen Nobelpreis für Physik.
Andre Geim (Bild) und Konstantin Nowoselow erhalten den diesjährigen Nobelpreis für Physik.

Stockholm - Der Physik-Nobelpreis geht in diesem Jahr an zwei in Russland geborene Forscher für ihre Arbeit mit Graphen - einem Gitter aus Kohlenstoff, gerade ein Atom dick, das zu neuartigen Computerchips und Solarzellen führen könnte.

7 Meldungen im Zusammenhang
Andre Geim, 51 Jahre alt und niederländischer Staatsbürger, und sein 36-jähriger britisch-russischer Kollege Konstantin Novoselov hätten etwas geschafft, das niemand für möglich gehalten haben, erklärte die Schwedische Akademie am Dienstag: Graphen (sprich: Grafehn) aus Graphit zu isolieren und dann seine Eigenschaften zu erforschen.

Graphen leitet Strom so gut wie Kupfer und Wärme besser als alle anderen bekannten Stoffe. Es ist fast völlig durchsichtig, jedoch gleichzeitig so dicht, dass nicht einmal Helium das Gitter durchdringen kann.

Die Eigenschaften ermöglichen eine ganze Reihe von neuen Anwendungen. Dazu zählen schnellere Computer, aufrollbare Touchscreens oder widerstandsfähige Kompositmaterialien. Zukünftig könnte Graphen Silizium als Ausgangsstoff für Halbleitertechnologien ablösen. Der Stoff wird daher bereits als das «Wundermaterial des 21. Jahrhunderts» bezeichnet.

Der «Klebeband-Trick»

Zwar wurde dieses Material bereits zuvor theoretisch beschrieben, doch erst der Forschergruppe um Geim und Nowoselow gelang es 2004, dieses zu gewinnen. Mit gewöhnlichem Klebeband lösten sie eine Schicht Graphen von Graphit. Der «Klebeband-Trick», wie er von der Akademie genannt wurde, wurde dann wiederum auf die abgerissene Schicht angewandt, zehn bis zwanzig Mal. Am Ende hatten die Forscher eine Lage Graphen zur Verfügung.

Die beiden Forscher wurden in Russland geboren und begannen ihre Karriere dort als Physiker. Derzeit lehren sie an der Universität von Manchester im Nordwesten von England.

Geim auch «IgNobel»-Preisträger

Geim wurde auch ausserhalb der Physiker-Gemeinde bekannt, als er 1997 einen Frosch in einem starken Magnetfeld zum schweben brachte. Dafür erhielt er im Jahr 2000 den IgNobel-Preis, eine von der Harvard University mitgetragene Auszeichnung für Forschung, die «zuerst zum Lachen und dann zum Nachdenken anregt».

«Ich glaube, ich bin die erste Person, die beide gewonnen hat», sagte Geim am Dienstag. «Ich bin sehr stolz auf diese Preise.»

(asu/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Seoul - Elektronikriese Samsung hat diesen Freitag die Entwicklung einer neuen Fertigungsmethode für das ... mehr lesen
Neues Syntheseverfahren für Kohlenstoff-Wundermaterial entwickelt. (Archivbild)
Serge Haroche (l.) und David Wineland (r.) sind 2012 mit dem Nobelpreis in Physik ausgezeichnet worden.
Stockholm - Der Nobelpreis für Physik ... mehr lesen
Stockholm - Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht 2010 an drei Forscher für ihre Analyse von ... mehr lesen
Der amerikanische Ökonomie-Professor Peter A. Diamond hatte 1982 die Grundlagen entwickelt.
Der chinesische Dissident, Liu Xiaobo, gilt als Favorit für den Friedensnobelpreis.
Oslo - Kurz vor der Vergabe des Friedensnobelpreises hat der ... mehr lesen
Stockholm - Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an den Amerikaner Richard Heck und die beiden Japaner Ei-ichi ... mehr lesen
Im Bild Albert Nobel: Der Nobelpreis ist mit zehn Mio. schwedischen Kronen dotiert.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Boston - Kurz vor der Verleihung der «richtigen» Nobelpreise in der kommenden Woche sind an der amerikanischen Elite-Universität ... mehr lesen
Im Liebesleben von Flughunden gibt es auch Oralsex. (Symbolbild)
Majid Minary hat an der Studie mitgearbeitet.
Majid Minary hat an der Studie mitgearbeitet.
Neues Material fängt mehr Energie ab als gängige Konkurrenz  Richardson - Ein neues Material ist widerstandsfähiger als das Material Kevlar, das in kugelsicherer Rüstung eingesetzt wird. 
Um fast ein Fünftel seit 2003  Washington - Das Packeis in der Antarktis ist seit 2003 fast um ein Fünftel dünner geworden. Dadurch wurde die wichtigste Bremse für die ...  
Tim Reutemann ist Doktorand in Umweltpolitik und Umweltökonomie an der ETH Zürich.
ETH-Zukunftsblog Nachhaltigkeit ist heute für Unternehmen ein zentrales Thema. Dennoch scheint es kaum Jobs für Nachhaltigkeitsexperten in der freien Wirtschaft zu geben. ... mehr lesen  
Metall-Recycling aus Ausscheidungen ist laut Studien sinnvoll  Reston - Was die Haushalte über die Toiletten verlässt, ist eine potenzielle Goldmine für den, der eine Möglichkeit der Verarbeitung findet. ...
Was alles vom Menschen in der Schussel landet ist eine wahre Goldgrube.
Titel Forum Teaser
Tim Reutemann ist Doktorand in Umweltpolitik und Umweltökonomie an der ETH Zürich.
ETH-Zukunftsblog «Nachhaltigkeit ist in unserer DNA!» Wirklich? Nachhaltigkeit ist heute für Unternehmen ein ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
MO DI MI DO FR SA
Zürich 5°C 8°C bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen
Basel 6°C 7°C leicht bewölkt, wenig Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen
St.Gallen 7°C 10°C bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen
Bern 8°C 12°C bewölkt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen
Luzern 7°C 15°C bewölkt, Regen bedeckt, starker Regen bedeckt, starker Regen bedeckt, starker Regen bedeckt, starker Regen bedeckt, starker Regen
Genf 7°C 12°C bedeckt, Regen bedeckt, starker Regen bedeckt, starker Regen bedeckt, starker Regen bedeckt, starker Regen bedeckt, starker Regen
Lugano 8°C 17°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
mehr Wetter von über 6000 Orten