Picasso in Afrika: Genie oder kolonialer Ideen-Dieb?
publiziert: Freitag, 24. Mrz 2006 / 17:47 Uhr

Johannesburg - Streit überschattet die erste grosse Picasso-Ausstellung auf dem afrikanischen Kontinent: Es geht um die Frage, ob Picasso kolonialen Ideen-Klau begangen hat.

Picasso habe nie einen Hehl aus seiner Faszination für Afrikas Kultur gemacht.
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Mit einem Leserbrief hat ausgerechnet der Sprecher des südafrikanischen Kulturministeriums eine Debatte losgetreten, die am Kap immer grössere Wellen schlägt. Erst Afrikas kreative Energie habe das erlahmende Talent des berühmten spanischen Grafikers und Bildhauers (1881-1973) neu entfacht, meinte Sandile Memela.

In dem «als Privatmann» verfassten Artikel schrieb der frühere Kunstkritiker: «Heute wird die Wahrheit zur Schau gestellt, dass Picasso nicht das anerkannte Genie gewesen wäre, hätte er nicht die Arbeit, »anonymer« (afrikanischer) Künstler gestohlen und für seine Zwecke angepasst.»

Seitdem tobt ein öffentlich ausgetragener Kleinkrieg um die Würdigung des afrikanischen Einflusses auf Pablo Picassos Arbeit. In dem einstigen Apartheidstaat verläuft die Debatte weitgehend entlang der Rassenlinien und provoziert auch heftige Reaktionen der afrikanischen Diaspora im Ausland.

Picasso stritt es auch nicht ab

Während die Ausstellung in Johannesburg angesichts des grossen Publikumsandrangs um eine Woche bis zu diesem Samstag verlängert wurde, meldete sich nun eine der Kuratorinnen zu Wort. «Picasso hat nie der Mut gefehlt, den Einfluss afrikanischer Kunst zuzugeben», empörte sich Marilyn Martin, die Leiterin des Iziko-Museums in Kapstadt - der nächsten Station der Ausstellung «Picasso und Afrika».

In der Tat hatte Picasso nie einen Hehl aus seiner Faszination für Afrikas Kultur gemacht, aus der er den Kubismus entwickelte. Schmale Augenschlitze, schlichte Formgebung, magische Ausstrahlung: die mystische Ausstrahlung afrikanischer Masken und Skulpturen zogen auch Kollegen wie Henri Matisse, Emil Nolde oder Ernst Ludwig Kirchner in ihren Bann und inspirierten sie.

Eurozentristisch kontra afrozentristisch

Nachdem britische Medien das Thema aufgegriffen hatten, folgten die heimischen Kolumnisten. Ob denn Picasso bei seinem berühmten Anti-Kriegs-Gemälde «Guernica» Ideen unbekannter Deutscher gestohlen habe, fragte rhetorisch der Journalist Andrew Donaldson mit Hinweis auf die Rolle der deutschen Luftwaffe bei der Bombardierung der baskischen Stadt.

Er sprach von verquerem Afrozentrismus, der als Einzelmeinung nicht weiter schlimm wäre, käme er nicht vom Sprecher des Kulturministeriums.

Das hat zwar die Ausstellung mitorganisiert, in der Vergangenheit aber wiederholt mit seiner Kritik an einer vermeintlichen Kulturdominanz Europas Schlagzeilen gemacht. Der Verdacht kam daher auf, Memela habe mit dem Segen seiner Vorgesetzten gehandelt.

Hohes Publikumsaufkommen

Die Ausstellung «Picasso und Afrika» wurde mit französischer Unterstützung aus insgesamt 84 Werken der Picasso-Sammlung sowie dem Familienbesitz zusammengestellt. Einige Werke werden erstmals öffentlich gezeigt.

Zudem werden 29 afrikanische Skulpturen präsentiert, die Picasso als Vorbild dienten. Eröffnet wurde die Ausstellung am 9. Februar in Johannesburgs Standard Bank Gallery, im alten Geschäftszentrum der Metropole.

Tagtäglich standen dort rund 2000 Besucher, ungeachtet der dort problematischen Sicherheitslage, in langen Warteschlangen auch ausserhalb des Gebäudes. Vom 10. April wird die Schau in Kapstadt im Iziko-Museum zu sehen sein.

(Von Ralf E. Krüger, dpa/sda)

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