kino.to-Abschaltung hatte laut EU-Studie nur kurzfristige Auswirkungen
Piraterie: Seitensperren bringen praktisch nichts
publiziert: Freitag, 15. Mai 2015 / 23:28 Uhr / aktualisiert: Samstag, 16. Mai 2015 / 12:08 Uhr
Die Studios müssen ihre potenziellen Kunden von legalen Angeboten überzeugen. (Symbolbild)
Die Studios müssen ihre potenziellen Kunden von legalen Angeboten überzeugen. (Symbolbild)

Sevilla - Webseiten-Abschaltungen sind als Antipiraterie-Massnahme zwar aufwendig, aber kaum effektiv, wie die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission bei der Analyse des Online-Filmkonsums von 5000 deutschen Nutzern im Jahr 2011 ergeben hat.

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Studie
«Online Copyright Enforcement, Consumer Behavior, and Market Structure».
ec.europa.eu

Die Abschaltung von kino.to gegen Jahresmitte war zwar ein deutlicher, aber nur kurzfristiger Dämpfer für den illegalen Filmkonsum. Die User sind zudem nur in geringstem Masse auf legale Angebote ausgewichen.

Klickströme von Usern im Blick

Für die Content-Industrie ist klar, dass die Abschaltung von Piraterie-Webseiten den illegalen Filmkonsum reduziert und zu einer vermehrten Nutzung legaler Angebote führt. Doch so eindeutig ist die Lage nicht, wie die Studie «Online Copyright Enforcement, Consumer Behavior, and Market Structure» zeigt. Sie befasst sich speziell mit Deutschland im Jahr 2011, da dort am 8. Juni mit kino.to die grösste Piraterie-Seite des Landes vom Netz gegangen ist. Das sollte also eigentlich ein grosser Erfolg im Kampf gegen Piraterie und für legale Angebote gewesen sein. Die Analyse der Klickströme von Usern bestätigt das aber nicht wirklich.

«Antipiraterie-Interventionen brauchen grosse Mengen öffentlicher Ressourcen», stellt die Studie klar. Immerhin macht eine Abschaltung einiges an Ermittlungsarbeit und Strafverfolgung nötig. Damit so eine Aktion unter dem Strich einen positiven Effekt hat, muss sie also wirklich etwas bewegen - und genau das war 2011 nicht wirklich der Fall. «Obwohl Nutzer von kino.to ihren Piraten-Konsum in den vier Wochen nach der Intervention um 30 Prozent reduziert haben, ist dieser über lizenzierte Film-Plattformen nur um 2,5 Prozent gestiegen», heisst es in der Studie. Zudem erreichte die Film-Piraterie nach rund einem Monat wieder ihr Normalniveau.

Teuer, aber nur wenig wirksam

Die Ergebnisse legen also nahe, dass die kino.to-Abschaltung unter Berücksichtigung der damit verbundenen Kosten «keinen positiven Effekt für die Gesamtwohlfahrt hatte». Allerdings betonen die Studienautoren, dass Deutschland in Sachen legaler Online-Filmangebote 2011 noch ziemlich schlecht aufgestellt war. Da es heute mehr entsprechende Alternativen gibt, könnte eine Abschaltung wie die von kino.to Nutzer eher aus der Piraterie in den legalen Konsum treiben. Anderseits gibt es heute in Deutschland keine Piraterie-Seite mit derart hohem Marktanteil mehr, was wiederum gegen ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis neuer Abschaltungen spricht.

(bert/pte)

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