Selbst eine, die sich vor aller Welt als unfähig, korrupt und teilweise schmerzhaft dümmlich zeigte. Doch eines kann man Sarah Palin (oder jenen Leuten, die sie nun beraten) nicht absprechen: Den perfekten politischen Instinkt. Nachdem sie John McCains Präsidentschaftskandidatur erfolgreich mitversenkt hatte, verfügte sie schon über eine grosse Anhängerschaft, die ihre einseitigen, klaren und simplizistischen Standpunkte begeisterten.
Doch das hätte alleine nicht gereicht. Für die Wiederkehr Palins brauchte es noch andere Dinge.
Als Erstes jemanden, der einen Plan hatte. Und diese Person dürfte Rupert Murdoch sein, der konservative australische Medien-Tycoon, der unter anderem auch die amerikanischen «Fox»-Fernsehsender besitzt. In Europa sind vor allem Serien von «Fox» bekannt. Wer jemals die «Simpsons» geschaut hat, kennt eines der erfolgreichsten «Fox»-Produkte.
Doch neben Unterhaltungssendungen sind in den USA vor allem die «Fox-News» ein Begriff, wobei es relativ gewagt ist, diesem Sender das Prädikat eines Nachrichten-Kanals zu verleihen; Propaganda-Sprachrohr wäre zutreffender. Selbst die Nachrichten sind so tendenziös und einseitig konservativ ausgerichtet, dass sie unter Medienbeobachtern, was die inhaltliche Qualität angeht, als fast wertlos gelten. Doch dies heisst nicht, dass dieser Sender nicht ernstgenommen wird: er ist die Stimme des rechtskonservativen Amerikas.
Murdoch (oder seine Strategen) erkannten sehr schnell, dass Palin Potenzial hat. Doch dazu musste sie ihre Altlasten los werden. Ihr Gouverneursposten in Alaska – der es ihr überhaupt erst ermöglicht hatte, ins nationale Rampenlicht zu treten – war wegen diverser Skandale und Skandälchen ein Klotz an ihrem Bein auf dem Weg zu Höherem geworden. So trat sie im letzten Sommer zurück und kann seither behaupten, ausserhalb des politischen Establishments (in der Schweiz Classe politique genannt), zu stehen. Als Nächstes kam ihre mit grossem Trara auf den Markt geschmissene Autobiographie, in der sie sich von aller Schuld von McCains Wahlkampfdebakel reinzuwaschen versuchte und schliesslich ihre Berufung zu «Fox», wo sie einen Kommentatoren-Job bekommen hat, der ihr eine nationale Bühne bietet, um sich während der nächsten Jahre zu profilieren.
Ihr Auftritt bei der rechtskonservativen nationalen Versammlung der Tea-Party-Bewegung, der Tea-Party-Convention in Tennessee, war nun ein weiterer Schritt, mit dem das Produkt Palin – neu und verbessert – wieder auf dem Polit-Markt eingeführt wird.
Natürlich hätte das alles nichts genutzt, hätte Präsident Barack Obama in den letzten Monaten mit mehr Bestimmtheit und weniger Diplomatie sowohl auf den innen- wie aussenpolitischen Baustellen gehandelt. In Zeiten tiefer Krise kommt offen zur Schau getragene Besonnenheit beim Volk nicht wirklich toll an. Er muss jetzt zeigen, dass er auch anpacken kann und so jene, die sich von ihm abgewandt haben, wieder von sich überzeugen, wenn er nicht vom konservativen Gegenangriff und Sarah Palin überrollt werden will. Murdoch geht dabei brillant vor. Palin weiss um ihre Abhängigkeit von dem Medienzaren im Hintergrund, doch dürfte sie das kaum stören, decken sich ihre politischen Ansichten doch weitgehend mit den seinen. Murdoch andererseits beabsichtigt scheinbar, eine elegantere Version des italienischen Modells anzustreben, wo Medien nicht mehr Beobachter und Kommentatoren, sondern Aktoren in der Politik sind.
Murdoch hat erkannt, dass in der heutigen Zeit auch Politiker nichts anderes mehr sind, als ein Produkt, mit dem ein Marktbedürfnis befriedigt werden kann. Und wie man dieses weckt, ist schon lange bekannt.
Der recyclete Pittbull Palin dürfte die erste Politikerin mit globalen Aspirationen sein, die von einem Medienkonzern lanciert wird. Was das bei einem Erfolg für die Politik bedeuten wird, mag man sich gar nicht ausmalen (aber nach einem Blick nach Italien durchaus vorstellen).
(von Patrik Etschmayer/news.ch)
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