Plastikabfall: Riesige Müllflächen im Meer
publiziert: Montag, 7. Sep 2009 / 08:09 Uhr / aktualisiert: Montag, 7. Sep 2009 / 14:42 Uhr

Plastikabfälle im Meer zerfallen einer neuen Studie zufolge sehr viel schneller als bisher angenommen. Der grosse Nachteil dabei ist, dass die einzelnen - zum Teil sehr gefährlichen - Bestandteile dadurch ins Wasser geraten.

Verheerende Verkettung: Menschen produzieren Plastikabfall, der Müll wird ins Meer gewindet und zerfällt, Fische essen davon und Menschen essen die Fische.
Verheerende Verkettung: Menschen produzieren Plastikabfall, der Müll wird ins Meer gewindet und zerfällt, Fische essen davon und Menschen essen die Fische.
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Beim derzeit in Washington DC stattfindenden Treffen der American Chemical Society (ACS) wurde eine Studie vom japanischen Chemiker Katsuhiko Saido dazu präsentiert. Erst vor kurzem haben sich Forscher der kalifornischen Scripps Institution of Oceanography auf den Weg gemacht, den grössten Müllstrudel der Welt - den Great Pacific Garbage Patch - zwischen Kalifornien und Hawaii zu untersuchen.

«Plastikprodukte, die im täglichen Leben verwendet werden, scheinen ziemlich stabil zu sein», meint Saido, der als Chemiker an der Nihon University in Chiba tätig ist. «Wir haben allerdings entdeckt, dass Plastik im Meer aufgrund der Umwelteinflüsse wie etwa Sonne und Regen relativ rasch zerfällt. Das grosse Umweltproblem dabei ist, dass dieser Zerfall eine weitere Quelle der Kontamination darstellt, die weltweit stark zunehmen wird», so der Forscher.

Zu den gefährlichen Stoffen, die gelöst werden zählen unter anderem Bisphenol A. Es wird als Hauptbestandteil bei der Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen etwa für Compact Discs, Plastikschüsseln, Babyfläschchen sowie für Epoxidharzlacke für Beschichtungen von Konservendosen und Folienverpackungen verwendet. Die Substanz steht nach zahlreichen Versuchen im Verdacht, erbgutschädigend zu sein. In Tierversuchen stört es die Embryonal- und Gehirnentwicklung, verursacht Unfruchtbarkeit, Krebs und Verhaltensstörungen.

Riesiger Garbage Patch im Pazifik

Ganz klar ist nicht, ob die Konzentrationen in den Meeren gross genug sind, um tatsächlich Vergiftungsschäden anzurichten. Forscher haben allerdings berichtet, dass Fische und Krustentiere Kunststoffteile fressen und diese dadurch auch in die menschliche Nahrungskette gelangen. Ob die Plastikteile im Verdauungstrakt in ihre Einzelbestandteile zerfallen, kann Saido nicht bestätigen. Bedrohlich ist jedoch die Grösse des Garbage Patch im Pazifik. Mittlerweile gehen Experten von einer Fläche zwischen 700.000 und einer Mio. Quadratkilometer aus.

Auf den weltweit wachsenden Plastikmüllberg macht auch der Filmemacher Werner Boote in seinem neuesten Dokumentar-Kinofilm «Plastic Planet», der Ende September 2009 anlaufen wird, aufmerksam. «Vor zehn Jahren war das Verhältnis Plastik zu Plankton in den Ozeanen noch sechs zu eins», erklärt Charles Moore, der 1994 den tausende von Kilometern grossen Plastikmüllteppich im Nordpazifik entdeckt hat.

«Mittlerweile ist das Verhältnis 60 zu eins», so Moore. «80 Prozent des Kunststoffmülls, die UNO spricht von insgesamt weltweit jährlich rund sechs Mrd. Tonnen, gelangen über Flüsse in die Ozeane», zitiert Boote die Fakten. Die Meeresschutzorganisation Oceana schätzt, dass weltweit jede Stunde rund 675 Tonnen Müll direkt ins Meer geworfen werden, die Hälfte davon ist aus Plastik.

(fkl/pte)

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