aVOID verhindert Anzeige
Plugin filtert Firmen mit Kinderarbeit weg
publiziert: Dienstag, 14. Aug 2012 / 09:14 Uhr
Arbeitende Kinder sind in vielen Industriezweigen und in der Landwirtschaft zu finden.
Arbeitende Kinder sind in vielen Industriezweigen und in der Landwirtschaft zu finden.

München - Die Browser-Erweiterung «aVOID» verhindert die Anzeige aller Produkte von Bekleidungsherstellern, die Kinderarbeit unterstützen, auf einigen der grössten Online-Handelsplattformen in Deutschland, Frankreich, England und den USA.

2 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Plug-In für faires Einkaufen
Infos und Download (englisch).
avoidplugin.com

Die geblockten Unternehmen entstammen der Bewertungs-Liste einer NGO, die mit dem Projekt das Bewusstsein für die Problematik stärken will. Schätzungen zufolge sind weltweit etwa 215 Mio. Kinder unter 15 Jahren gezwungen zu arbeiten, wie die Huffington Post berichtet.

Richtlinien für Unternehmen

«Das aVOID-plugin basiert auf Daten des EarthLink-Projekts »Aktiv gegen Kinderarbeit«. Dort werden Unternehmen aus der Bekleidungsbranche in verschiedenen Kategoriern nach dem Ampelsystem bewertet. Sobald eine Firma eine rote Ampel aufweist, wird sie bei aVOID aussortiert», sagt Oliver Kiessling von EarthLink. Mittlerweile sind über 1,2 Mio. Produkte für die Nutzer des Plugins nicht mehr aufrufbar, wenn auch nur bei den Online-Händlern Asos, Yoox, Amazon, Target, Macys, Zalando, Google Shopping, Frontlineshop und Otto.

aVOID durchsucht die Marken, die Produkte auf diesen Plattformen anbieten, und blockt jene Firmen, die auf der Blacklist aufscheinen. «Kindererbeit ist nach wie vor ein grosses Problem. Durch das Internet verbreitet sich Kritik heute allerdings sehr schnell, was den Druck auf die Unternehmen erhöht», erklärt Kiessling den Ansatz, der hinter aVOID steckt. Die Angst vor einem möglichen Shitstorm ist für Unternehmen eine gute Motivation, um ihre Politik in diesem Bereich zu überprüfen.

«Die Sorge um das eigenen Image führt bei grossen Unternehmen zu verstärkten Bemühungen im Kampf gegen Kinderarbeit. Die meisten grossen Firmen haben mittlerweile entsprechende Corporate-Responsibility-Vorgaben oder sogar eigene Verhaltenskodizes. Die Kontrolle wird vielerorts von den Firmen selbst übernommen. Hier wäre eine unabhängige Kontrollinstanz wünschenswert. Die Konsequenzen bei Verstössen durch Handelspartner reichen von Korrekturmassnahmen bis zum Abbruch der Geschäftsbeziehungen», erklärt Kiessling

Problematische Branchen

Die Textilbranche und die Hersteller von Schuhen waren lange Zeit im Zentrum der Kritik von gemeinnützigen Organisationen. Das Problem beschränkt sich aber bei weitem nicht auf diese Bereiche. «Grosse Probleme mit Kinderarbeit gibt es in den Branchen Textilherstellung, Kaffee- und Kakao-Anbau sowie Bergbau, wo vor allem der Abbau seltener Erden hervorsticht», so Kiessling. Arbeitende Kinder sind darüber hinaus in vielen weiteren Industriezweigen und in der Landwirtschaft zu finden. Teilweise unterstützen Firmen sogar aktiv die Beschäftigung von Kindern.

«Einige Unternehmer verteidigen Kinderarbeit mit dem Argument, dass viele Familien auf das zusätzliche Einkommen angewiesen seien. Das ist zwar richtig, der Schluss ist aber nicht akzeptabel. Als Konsequenz sollte vermehrt Geld in die Bildung gesteckt und eine Erhöhung der Löhne der Erwachsenen Arbeiter angestrebt werden, anstatt die Verantwortung weiterhin Kindern aufzubürden», sagt Kiessling.

(bert/sda)

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