Polens Politiker im religiösen Monarchie-Rausch
publiziert: Sonntag, 24. Dez 2006 / 16:36 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 26. Dez 2006 / 09:08 Uhr

Warschau - Polnische Zeitungsleser trauten vor wenigen Tagen ihren Augen nicht. Eine Initiative von 46 Abgeordneten - ein Zehntel des Parlaments - wolle Jesus Christus zum König von Polen ernennen, meldete die konservative Zeitung «Rzeczpospolita».

Wer wollte so einen coolen, jungen und dynamischen Typen, der sogar über Wasser gehen kann, nicht als Volksvertreter seines Landes haben?
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Schnell stellte die national-konservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) klar, dass es sich nicht um einen verfrühten Aprilscherz handle. Der Abgeordnete Artur Gorski sagte, die Parlamentarier hätten bereits 8000 Unterschriften für ihr Anliegen gesammelt.

Unterstützt wird die PiS in der Aktion von der nationalistisch-klerikalen Liga Polnischer Familien (LPR) und der gemässigten Bauernpartei PSL.

«Hilfe Gottes nötig»

«Der heutige Werteverfall ist so dramatisch, dass wir die Unterstützung Gottes brauchen», begründete Gorski seine Idee in einem Interview.

Angeblich ist die Initiative der 46 Abgeordneten auch nicht auf vorweihnachtlich religiöse Stimmung zurückzuführen, schon seit einiger Zeit soll das Projekt in Arbeit gewesen sein.

Gorski und seine Gefährten verweisen auf die katholische Tradition Polens und darauf, dass eine Krönung gewissermassen in der Familie liege. So wird seit 350 Jahren Maria als Königin Polens verehrt. Die Gottesmutter soll das Land vor der schwedischen Invasion geschützt haben, so die fromme Legende.

Von Anbeginn des polnischen Staates an seien Polen und Katholizismus verbunden gewesen, heisst es im Gesetzentwurf der 46 Abgeordneten. Viele Male hätten die Polen Blut für die christlichen Werte vergossen.

Kritik von Kirche...

«Um Gottes willen!», mögen dagegen die polnischen Bischöfe gedacht haben. Die Reaktionen jedenfalls schwankten zwischen schroffer Ablehnung und beissender Ironie.

«Die Idee mag nobel sein, aber der Vorschlag zeugt von mangelndem Verständnis für Demokratie und Pluralismus», meinte der katholische Publizist Jaroslaw Gowin.

«Christus braucht keine Erklärungen des Parlaments», wies Bischof Tadeusz Pieronek brüsk die Einmischung der Abgeordneten in religiöse Angelegenheiten zurück. Ohnehin könne nicht «per Gesetz beschlossen werden, ob Christus der König unserer Herzen ist.»

...und Volk

Auch bei der traditionell katholischen Bevölkerung können die Politiker nicht punkten. Laut einer Umfrage der Tageszeitung «Dziennik» stimmt nur ein Drittel der Polen der Idee «Jesus als König von Polen» zu. Insgesamt 51 Prozent der Befragten dagegen sind dagegen.

Allein die Tatsache, dass Politiker - die in Meinungsumfragen stets die geringsten Vertrauenswerte erhalten - mit religiösen Ideen Politik machen wollen, wird von 82 Prozent der Polen abgelehnt.

«Maurer sollen Wohnungen bauen, Schneider Kleidung nähen, und Politiker das tun, wovon sie etwas verstehen», kanzelte auch der Warschauer Bischof Leszek Glodz die Parlamentarier ab. Einen guten Rat hat er für fromme und weniger fromme Abgeordnete dennoch übrig: «Sie sollen beten und büssen. Das tut immer gut.»

(Eva Krafczyk/dpa)

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