Polizei lobt Bilderberg-Kritiker
publiziert: Sonntag, 12. Jun 2011 / 20:28 Uhr
Friedliche Aktivisten vor dem Hotel Suvretta House.
Friedliche Aktivisten vor dem Hotel Suvretta House.

St. Moritz - Die Bilderberg-Konferenz in St. Moritz ist am Sonntag praktisch ohne grössere Zwischenfälle zu Ende gegangen. Einzig die Wegweisung eines italienischen EU-Abgeordneten dürfte ein Nachspiel haben. Den Bilderberg-Kritikern vor Ort stellt die Polizei ein gutes Zeugnis aus.

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Während des viertägigen Treffens der rund 130 Polit- und Wirtschaftsgrössen aus Europa und Amerika harrten nach eigenen Angaben bis zu 300 Bilderberg-Gegner aus der Schweiz und dem benachbarten Ausland auf einer Wiese vor dem Tagungshotel «Suvretta House» aus. Die Polizei spricht von rund 150 Personen.

«Die Aktivisten haben ihre Meinung friedlich kundgetan», sagte Thomas Hobi, Sprecher der Kantonspolizei Graubünden. Die Gegner hätten den Anweisungen der Polizei stets Folge geleistet. Der Dialog habe funktioniert. Auch eine Gegenveranstaltung der JUSO Schweiz mit knapp 100 Teilnehmern auf dem Dorfplatz von St. Moritz sei am Samstagnachmittag reibungslos abgelaufen.

Ausflug ins Grüne und ein Geburtstagsständchen

Einige Teilnehmer der Konferenz, darunter der ehemalige deutsche Finanzminister Peer Steinbrück, nutzten am Samstag die ruhige Atmosphäre und machten einen ausgedehnten Spaziergang ausserhalb des gesicherten Hotelareals - ein Novum bei den alljährlichen Bilderberg-Treffen.

Die Bilderberger wurden von privaten Sicherheitsleuten in Zivil begleitet. Völkerrechtlich geschützte Konferenz-Teilnehmer, für deren Sicherheit die Polizei verantwortlich war, nahmen laut Polizeisprecher Hobi am Ausflug nicht teil.

Die Aktivisten zeigten sich positiv Überrascht vom unkomplizierten «Comming-Out» der Bilderberger und verdankten es mit einem augenzwinkernden Auftritt: In der Nacht auf Sonntag sangen sie vor dem Hoteleingang ein - ironisch gemeintes - Geburtstagsständchen zum 96. Geburtstag des amerikanischen Unternehmers David Rockefeller, den sie unter den Teilnehmern zu wissen glaubten.

Italien fordert Untersuchung

Einziger Zwischenfall mit Folgen ist die Wegweisung des italienischen EU-Parlamentariers Mario Borghezio durch die Polizei. Die italienische Botschaft in Bern hat die Schweiz um eine genaue Prüfung des Vorfalles ersucht, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Samstag mitteilte. Die Schweiz wird zudem aufgefordert, allfällige Verantwortliche für den Eklat zu benennen.

Lega Nord-Vertreter Borghezio hatte am Donnerstag versucht, uneingeladen an die Konferenz zu gelangen. Er wies sich als EU-Abgeordneter aus, wurde aber bei der Eingangskontrolle aufgehalten. Nach mehren Stunden auf dem Polizeiposten in St. Moritz wies die Polizei Borghezio aus Graubünden. Die Wegweisung war bis zum Ende der Bilderberg-Konferenz am Sonntag befristet. Borghezio will Klage erheben.

(bert/sda)

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