Polizei stellt Täterstimmen ins Internet
publiziert: Samstag, 22. Apr 2006 / 16:17 Uhr / aktualisiert: Samstag, 22. Apr 2006 / 23:06 Uhr

Potsdam - Nach dem brutalen Überfall auf einen 37-jährigen Familienvater hat die Polizei den Mitschnitt der Täterstimmen ins Internet gestellt.

Aufgrund der Tonaufzeichnung wird von einem fremdenfeindlichen Tatmotiv ausgegangen.
Aufgrund der Tonaufzeichnung wird von einem fremdenfeindlichen Tatmotiv ausgegangen.
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Es handelt sich um die Aufzeichnung eines Gesprächsteils zu Beginn des Überfalls auf einer Telefon-Mailbox. Dem vorausgehend hörte die Ehefrau des Opfers die Äusserung: «Sollen wir Dich wegpusten?» eines der beiden Täter. Das Opfer, ein 37 Jahre alter Familienvater, schwebt weiterhin in Lebensgefahr.

Die zwei Tatverdächtigen des mutmasslich rassistischen Überfalls auf den Deutschen äthiopischer Herkunft in Potsdam sind mittlerweile in Untersuchungshaft. Der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat Haftbefehle wegen versuchten Mordes erlassen.

Beschuldigte bestreiten Tat

Nach dem gegenwärtigen Stand der Ermittlungen seien die 29 und 30 Jahre alten Männer «dringend verdächtig», in den frühen Morgenstunden des Ostersonntags ihr Opfer brutal zusammengeschlagen zu haben, hiess es in einer Mitteilung der Bundesanwaltschaft.

«Die Beschuldigten haben die Tat bestritten.» Generalbundesanwalt Kay Nehm geht aufgrund der Tonaufzeichnung im Internet von einem fremdenfeindlichen Tatmotiv aus.

Demonstration der Empörung

Das Opfer konnte bislang nicht vernommen werden. Gestern Freitag versammelten sich in Potsdam rund 4000 Menschen, um ihre Solidarität zu zeigen. Oberbürgermeister Jann Jakobs rief bei der Kundgebung unter dem Motto «Potsdam bekennt Farbe» die Bürger zu Zivilcourage auf. «Wir stellen uns der Gewalt und dem Hass entgegen.» Alltägliche Bedrohungen

Die alltäglichen Ausgrenzungen, Beleidigungen und Bedrohungen, von denen Bürger anderer Hautfarbe berichteten, «dürfen wir nicht akzeptieren», sagte Jakobs. Die beiden Verdächtigen waren am Donnerstagabend festgenommen und am Freitag mit dem Helikopter zum Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshof nach Karlsruhe gebracht worden. Dort wurden sie den ganzen Nachmittag über verhört. Ihnen drohen lebenslange Haftstrafen.

(ht/news.ch mit Agenturen)

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