Presserat weist Beschwerde gegen Blocher-Kolumne im Tagi ab
publiziert: Dienstag, 2. Sep 2003 / 14:02 Uhr

Interlaken - Die Redaktionen sind berufsethisch auch für den Abdruck von Kolumnen verantwortlich. Dabei ist es unwichtig, ob diese von Berufs- oder Nichtjournalisten stammen. Die Prüfungspflicht der Redaktion ist jedoch beschränkt.

Christoph Blocher ist kein Berufs-Journalist und dementsprechend nicht an die Ethik dieses Berufsstandes gebunden.
Christoph Blocher ist kein Berufs-Journalist und dementsprechend nicht an die Ethik dieses Berufsstandes gebunden.
Gemäss Presserat müssen Redaktionen zwar dafür zu sorgen, dass sich auch Kolumnen innerhalb der fundamentalen journalistischen Standards bewegen. Analog zur Bearbeitung von Leserbriefen beschränkt sich die Prüfungspflicht jedoch auf offensichtliche Verstösse gegen berufsethische Normen.

Der Schweizer Presserat hatte eine Beschwerde im Zusammenhang mit einer Kolumne von Christoph Blocher zu behandeln, die letzten April im Tages-Anzeiger erschienen war.

Blocher prangerte darin Vetternwirtschaft zwischen Politik und Wirtschaft anhand von Beispielen von Politikern der faulen Konkordanz aus FDP, CVP und SP an.

Unter anderem warf Blocher einem Zürcher Bildungspolitiker vor, gleichzeitig der kantonalen Bildungskommission angehört und Staatsaufträge ausgeführt zu haben. Der Betroffene wies den Vorwurf als unwahr zurück und beschwerte sich schliesslich beim Presserat.

Die berufsethischen Normen des Journalistenkodexes richteten sich ausschliesslich an Berufsjournalisten, nicht jedoch an Autoren von Leserbriefen, Kolumnen oder ähnlicher Beiträge von Nichtjournalisten. Der Redaktion des Tages-Anzeigers könne somit kein Vorwurf gemacht werden, wenn sie die Behauptung Blochers nicht als offensichtlich unwahr erkannte.

(fest/sda)

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