Zweiter Vatileaks-Prozess
Priester gesteht Weitergabe geheimer Dokumenten
publiziert: Dienstag, 15. Mrz 2016 / 08:38 Uhr
Der Prozess im Vatikan gilt für viele als äussert schädlich. (Symbolbild)
Der Prozess im Vatikan gilt für viele als äussert schädlich. (Symbolbild)

Vatikanstadt - Im sogenannten zweiten Vatileaks-Prozess hat ein Priester die Weitergabe geheimer Dokumente an die Medien gestanden. Zur Verteidigung sagte der spanische Geistliche Lucio Ángel Vallejo Balda am Montag, er sei emotional erpresst worden.

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Als Erpresserin nannte er seine Kollegin Francesca Chaouqui, mit der er eine romantische Beziehung unterhielt. Bei der Weitergabe der Dokumente sei er nicht «völlig bei klarem Verstand» gewesen, sagte Vallejo Balda vor Gericht.

Im Prozess sind er und seine frühere Kollegin Chaouqui angeklagt, vertrauliche Unterlagen an die ebenfalls angeklagten Journalisten Emiliano Fittipaldi und Gianluigi Nuzzi übergeben zu haben.

Anfang November hatten Fittipaldi und Nuzzi jeweils ein Buch über das Finanzgebaren im Kirchenstaat veröffentlicht, in denen sie aus den internen Dokumenten des Vatikan zitierten.

Laut den Enthüllungen der Journalisten versickerte ein Grossteil der kirchlichen Spendengelder in der Vatikan-Bürokratie mangels korrekter Buchhaltung und finanzieller Unregelmässigkeiten. Vallejo Balda war Sekretär der Wirtschaftsprüfungskommission (Cosea), die von Papst Franziskus eingerichtet worden war, um mit dem dubiosen Finanzgebaren der Vatikan-Verwaltung aufzuräumen

Chaouqui wollte Beziehung öffentlich machen

«Ja, ich habe Dokumente an Journalisten geschickt. Ich habe eine fünfseitige Liste mit 87 Passwörtern übergeben», sagte Vallejo Balda nun in dem Prozess. Chaouqui beschrieb der Priester als eine gefährliche und manipulative Frau, die ihn zur Übergabe der Dokumente an die Journalisten gezwungen habe, indem sie gedroht habe, eine romantische Beziehung mit ihm öffentlich zu machen.

Er sei sich sicher gewesen, dass «illegitime Interessen hinter Chaouqui» gestanden hätten, sagte der Priester im Prozess, der vielen im Vatikan als äusserst schädlich gilt. Er habe geglaubt, dass Chaouqui und ihr Mann für den italienischen Geheimdienst arbeiteten. Die im sechsten Monat schwangere PR-Expertin reagierte erregt auf die Aussagen und wandte sich wiederholt an ihren Anwalt.

Vatikan verschärfte Gesetze

Der Prozess war im November nach kurzer Zeit ausgesetzt worden, um den Richtern Gelegenheit zu geben, mehr Beweisstücke zu sammeln und zu sichten. Den Angeklagten drohen vier- bis achtjährige Haftstrafen. Journalistengruppen kritisieren die strafrechtliche Verfolgung der beiden Journalisten, da diese nur ihren Job getan hätten, als sie Probleme enthüllten, die von öffentlichem Interesse waren.

Auf der Liste der Zeugen, die am Dienstag angehört werden sollten, stand auch der Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der als zweitmächtigster Mann im Vatikan gilt. Ebenfalls als Zeugen wurden zwei weitere Papst-Vertraute benannt: der spanische Kurienkardinal Santos Abril y Castelló und der für Wohltätigkeitswerke des Vatikans zuständige polnische Kurienerzbischof Konrad Krajewski.

Der Buchautor Nuzzi spielte bereits in der ersten Vatileaks-Affäre aus der Zeit von Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. eine prominente Rolle. Auch damals waren in grösserem Stil geheime Papiere aus dem Vatikan geschmuggelt und publiziert worden. Im Lichte der Affäre verschärfte der Vatikan seine Gesetze gegen Enthüller in den eigenen Reihen.

(arc/sda)

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