Prinz Fernando ist jetzt der König
publiziert: Sonntag, 25. Sep 2005 / 21:39 Uhr

Der «Prinz von Asturien» ist auch der König in der Formel 1. Fernando Alonso verdankt die WM-Krone neben seinem immensen fahrerischen Können primär der Zuverlässigkeit des Renault.

Fernando Alonso ist am Ziel seiner Träume angekommen.
Fernando Alonso ist am Ziel seiner Träume angekommen.
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Die Basis zum Titelgewinn legte Alonso zu Beginn der Saison; nach drei Siegen und einem 3. Platz hatte er seinen hartnäckigsten Verfolger Kimi Räikkönen schon um 29 Punkte distanziert.

Diese Marge hielt der neue Champion mehr oder weniger aufrecht, obwohl der Renault mit Fortdauer der Saison leistungsmässig mit dem McLaren-Mercedes nicht mehr Schritt zu halten vermochte. Das grosse Plus der gelb-blauen Autos im Vergleich zu den «Silberpfeilen» war die deutlich bessere Standfestigkeit.

Angesichts des grossen Abstandes zum Finnen konnte es sich Renault leisten, die Autos etwas konservativer vorzubereiten mit dem Ziel, das Ausfallrisiko auf ein Minimum zu reduzieren. Zuletzt standen nicht mehr Siege im Vordergrund, die Rennen zu Ende zu fahren wurde zur Maxime erklärt.

Von der Pechsträhne profitiert

Dass Alonso auf dem Weg zum Gipfel auch von der unsäglichen Pechsträhne seines Hauptkonkurrenten Kimi Räikkönen profitierte, ist nicht von der Hand zu weisen. Den Triumph aber ausschliesslich mit den vielen technischen Unzulänglichkeiten des McLaren-Mercedes mit dem Finnen zu begründen, wäre dem Spanier unrecht getan.

Alonso legte trotz seines «jugendlichen» Alters eine erstaunliche Reife und Konstanz an den Tag und spulte sein Pensum praktisch fehlerlos ab.

Seinen einzigen gravierenden Fehler leistete er sich im Grand Prix von Kanada in Montreal, wo er an der Begrenzungsmauer anschlug und wegen einer defekten Hinterradaufhängung das Rennen aufgeben musste.

Behutsame Einführung

Alonso wurde von seinem umsichtigen, gewieften Manager Flavio Briatore behutsam an die Formel 1 herangeführt.

Der Iberer debütierte 2001 im Minardi-Team, in dem unter anderen auch Jarno Trulli, Giancarlo Fisichella und Mark Webber ihre Karrieren lancierten, verdingte sich nach seinem Wechsel zu Renault indessen für ein weiteres «Lehrjahr» als Testfahrer.

Seit seinem Aufstieg zum Stammpiloten gings dann aber schnell und stetig aufwärts.

Erster Fahrer-Titel für Renault

Nach den Rängen 6 und 4 in den Schlussklassementen der Saisons 2003 und 2004 holte er nun zum grossen Schlag aus, bescherte Renault den ersten Fahrer-Titel als eigenständiges Team und machte sich selber im Alter von 24 Jahren und 59 Tagen zum jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte.

In dieser Statistik löste er Emerson Fittipaldi ab. Der Brasilianer war 25 Jahre und 274 Tage alt, als er im September 1972 in Monza den ersten seiner zwei Titel sicher stellte.

Alonso hat weitere Superlative zu bieten. Er ist der jüngste Fahrer, der je einen Grand Prix gewonnen hat; er war erst 22 Jahre und 27 Tage alt, als er Ende August 2003 in Ungarn als Sieger abgewinkt wurde. Schon fünf Monate früher hatte er sich in Malaysia seine erste Pole-Position gesichert - und schon dort für einen Altersrekord gesorgt.

Riesen Euphorie

Alonso hat mit dem Titelgewinn in seinem Heimatland, in dem bislang neben dem Fussball nur die Motorrad-Strassen-WM eine flächendeckende Begeisterung hervorgerufen hat, eine noch nie erlebte Euphorie für die Formel 1 ausgelöst.

«Früher wurden unsere Rennen nicht einmal live übertragen. Jetzt sitzen während der Grands Prix bis zu sieben Millionen Spanier vor dem Fernsehen», sagt der neue Champion nicht ohne Stolz. Dank Alonso fand in diesem Jahr erstmals auch der Grosse Preis von Spanien vor ausverkauften Rängen statt; 115 000 Zuschauer waren vor Ort, als ihr Idol hinter Räikkönen Zweiter wurde.

Der «Alonsomania» konnte sich selbst der spanische König nicht entziehen; Juan Carlos ist stets einer der ersten Gratulanten des neuen Nationalhelden.

Ruhiger Mensch

Abseits der Rennstrecken zählt Alonso, der Fotografieren und Kartentricks als Hobbies angibt, zu den Fahrern der ruhigen Sorte; öffentlichen Auftritt zieht er die Abgeschiedenheit vor.

Weil ihm mittlerweile auch in seiner Heimatstadt Oviedo der Rummel um seine Person mittlerweile zu gross geworden ist, verbringt er einen grossen Teil seiner Freizeit am Zweitwohnsitz in Oxford in der Nähe des Renault-Stützpunktes Enstone.

Auf einen der vielen Termine, die der WM-Titel nach sich ziehen wird, freut sich Alonso gleichwohl. Fünf Tage nach Saisonende, am Freitag, 21. Oktober, darf er in Oviedo den Prinz-von-Asturien-Preis entgegennehmen, die höchste Auszeichnung für einen Sportler in Spanien.

Fernando Alonso. -- Geboren am 29. Juli 1981 in Oviedo (Asturien/Sp); Wohnsitze in Oviedo und Oxford (Eng). -- 1,71 m/68 kg. -- Ledig. Karriere-Höhepunkte. Kart. 1994 und 1997: Spanischer Meister. 1996: Jugend-Weltmeister. 1998: EM-Zweiter. -- Automobil. 1999: Euro Open Nissan. 2000: Vierter Formel 3000 (1 Sieg), Testfahrer Minardi. 2001: Formel-1-Debüt am 4. März 2001 in Australien. 2002: Testfahrer Renault. 2003: Erste WM-Punkte im 18. Grand Prix (7./Au). Erste Pole-Position im 19. Grand Prix (Mal). Erster Sieg im 30. Grand Prix (Un). WM-Sechster Formel 1. 2004: WM-Vierter Formel 1.

Formel 1. 2001 (Minardi-European): 17 GP, 0 Punkte. -- 2003 (Renault): 16 GP, 1 Sieg (Un), 2 PP (Mal, Un), 1 SR (Ka), 55 Punkte, WM-6. -- 2004 (Renault): 18 GP, 1 PP (Fr), 59 Punkte, WM-4. -- 2005 (Renault): 16 GP, 6 Siege (Mal, Bah, SanM, Eur, Fr, De....), 5 PP (Mal, Bah, Fr, Gb, Br), 2 SR (Au, Eur) 117 Punkte, Weltmeister.

Gesamtbilanz: 1 WM-Titel, 67 GP (davon 17 für Minardi), 7 Siege, 231 WM-Punkte, 8 PP, 3 SR, 21 Podestplätze.

(rr/Si)

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