Privates Kapital für die globale Energiewende
publiziert: Donnerstag, 6. Sep 2012 / 09:12 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 6. Sep 2012 / 10:26 Uhr
Renate Schubert ist Professorin für Nationalökonomie an der ETH Zürich.
Renate Schubert ist Professorin für Nationalökonomie an der ETH Zürich.

Nach Fukushima war klar: Die Energiewende muss her. Kein Strom mehr aus fossilen oder nuklearen Energieträgern und mehr Energieeffizienz - das klingt gut. Doch die Wende kommt nur langsam voran. Fehlt das Geld?

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Eine weltweite Vollversorgung mit Elektrizität aus erneuerbaren Energien erforderte hohe Investitionen; im Jahre 2050 drei Mal so viel wie heute, nämlich zirka 3,5 Billionen US-Dollar. Im Gegensatz zu vielen hoch verschuldeten Staaten verfügten aber private Unternehmen und Haushalte gesamthaft über ein genügend hohes Finanzvermögen, nämlich über geschätzte 180 Billionen US-Dollar. Warum schrecken jedoch die privaten Kapitalgeber vor Investitionen in den Energiesektor zurück?

Barrieren für Investitionen

Dafür gibt es einige Gründe:

  • Erstens ist die nationale Energie- und Klimapolitik in vielen Ländern nicht sehr entschlossen und vor allem nicht langfristig orientiert. Daher fehlt es potenziellen Investoren an Planungssicherheit, ohne die sie ihr Kapital ungern einsetzen.
  • Zweitens sind die Preise für Strom aus fossilen und nuklearen Energiequellen zu tief: Beide Bereiche werden in vielen Ländern staatlich subventioniert. Zudem spiegeln die Preise für fossil oder nuklear gewonnenen Strom nicht die kompletten gesellschaftlichen Kosten wider. Die Kosten erneuerbarer Energien erscheinen im Vergleich zu hoch, so dass Investitionen in (neue) erneuerbare Energien oder in Energieeffizienz unrentabel erscheinen.
  • Drittens sind die Rendite-Risiko-Verhältnisse ungünstig. In der Regel haben Investitionen in nachhaltige Energiesysteme einen hohen anfänglichen Kapitalbedarf. Dies ist bei langen Amortisationszeiten und für eher kurzfristig orientierte Investoren unattraktiv. Ausserdem sind neue Technologien und neue Märkte mit zahlreichen Risiken verbunden, deren Abschätzung für Kapitalgeber schwierig ist. Weiter verhindern auch Akzeptanzprobleme viele Investitionen. Potenzielle Kapitalgeber lassen sich von der Möglichkeit langwieriger Widerspruchs- oder Klageverfahren abschrecken.

Gestaltender Staat, Bürgerbeteiligung und korrekte Energiepreise

Mehr Investitionen in nachhaltige Energiesysteme kann es nur dann geben, falls die Investitionsrisiken gesenkt und die Renditen erhöht werden. Dafür bräuchte es vor allem einen gestaltenden Staat, mit einem klaren Ordnungsrahmen und einer verlässlichen staatlichen Politik. Zugleich wäre aber auch eine starke Bürgerbeteiligung wichtig, damit Bedenken der Bevölkerung rechtzeitig gesehen und eine hohe Akzeptanz geschaffen werden kann.

Weiter bräuchte es «korrekte» Energiepreise für fossile und nukleare Energien. Mit korrekt ist gemeint, dass die Preise alle gesellschaftlichen Kosten enthalten. Investitionen in Energieeffizienz und in Technologien für erneuerbare Energien sollten zeitlich befristet gefördert werden. Die vorübergehend ansteigenden Energiepreise wären dabei sozial abzufedern, um unerwünschte Verteilungseffekte zu vermeiden.

Förderbanken und neue Finanzierungswege

Nationale Förderbanken in Form von «Green Investment Banks» sollten Knowhow und Risikoprüfungen für neuen Technologien weitergeben, (staatliches) Kapital zinsgünstig bereitstellen, Kreditgarantien übernehmen und Risiken für Investoren durch Versicherungslösungen senken. Für private Haushalte sowie kleine und mittlere Unternehmen wären neue Finanzierungswege zu erschliessen. Beispiele dafür sind Energiegenossenschaften oder neue Geschäftsmodelle, bei denen die hohen Anfangsinvestitionen über die Zeit hin verteilt werden.

Privates Kapital kann die Energiewende möglich machen, vorausgesetzt die Rendite-Risiko-Verhältnisse stimmen. Hier ist noch einiges zu tun.

(Prof. Renate Schubert/ETH-Klimablog)

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