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Pro Hefti
publiziert: Dienstag, 10. Jan 2012 / 19:56 Uhr
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Beat Hefti am Steuer des Viererbobs.
Beat Hefti am Steuer des Viererbobs.

Bob-Steuermann Beat Hefti wird beim Heim-Weltcup in St. Moritz auch den Vierer lenken dürfen. Der Verband «Swiss Sliding» gibt dem 33-jährigen Appenzeller grünes Licht - trotz dem Veto von Nationaltrainer Sepp Plozza.

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Diese Start-Freigabe für Heftis Vierer ist ein Entscheid, der Brisanz birgt und für die Schweizer Bob-Szene weitreichende Konsequenzen haben könnte. Eine Sportkommission von «Swiss Sliding» um Nationaltrainer Sepp Plozza hatte kurz vor dem Auftakt zur laufenden Weltcup-Saison beschlossen, Hefti in diesem Winter auf internationaler Ebene nur für Zweier-Rennen zu selektionieren. Dies, weil sich der kräftige Athlet geweigert hatte, auf allen Bahnen mit dem Vierer anzutreten. Die tendenziell schwierigeren Aufgaben wollte er auslassen. Nationaltrainer Plozza machte daraufhin Hefti klar: «Entweder fährst du mit dem Vierer Alles - oder Nichts.» Hefti versuchte, sich mit der zweiten Variante anzufreunden.

«Dieser Kompromiss bringt uns nicht weiter»

Plozza begründet seine ultimative Forderung damit, dass Hefti in der «Königsklasse» nur dann Fortschritte erzielen könne, wenn er sich sämtlichen Herausforderungen stelle. An dieser Sichtweise hält der Coach aus dem Engadin immer noch fest. Er will nicht von seiner Linie abweichen. Es ist gegen seinen Willen, dass Hefti für den Weltcup St. Moritz im Vierer das Startrecht eingeräumt wird. «Sportlich und im Hinblick auf die Zukunft, gerade im Bezug auf die Olympischen Winterspiele von 2014 in Sotschi, bringt uns dieser Kompromiss mit Hefti keinen Millimeter weiter», sagt er.

Für Plozza ist es nun besonders schwierig, mit den jüngsten Entwicklungen umzugehen. Er ist vom obersten Organ seines Arbeitgebers überstimmt worden. Der Vorstand von «Swiss Sliding» schenkte offenbar bei diesem Schlüssel-Thema einem Spitzen-Athleten mehr Gehör als ihm.

Hefti soll Werbung machen

Jene, die in diesem Fall nicht Plozzas Meinung sind, berufen sich darauf, dass Hefti in der letzten Saison anlässlich des Weltcups in St. Moritz den 2. Rang erreicht habe, womöglich erneut zu einem Exploit fähig sei und hinsichtlich der Heim-Weltmeisterschaften vom nächsten Jahr Erfahrungen zu sammeln habe. Heftis Fürsprecher denken, es wäre fast schon fahrlässig, wenn der nicht auf Rosen gebettete Schweizer Verband die Chance auf einen weiteren Podestplatz und eine Profilierungs-Möglichkeit billig herschenken würde. «Swiss Sliding» möchte den Heim-Weltcup als Werbe-Plattform nutzen.

Plozza hat Verständnis für diese Überlegungen, dem gegenüber gibt er aber zu Bedenken: «Es ist keinesfalls hundertprozentig sicher, dass Hefti im Stande ist, das Top-Ergebnis aus dem Vorjahr zu bestätigen. Und wenn er es tatsächlich realisiert, ist es immer noch fraglich, ob es gut zu vermarkten ist und dies für den Verband langfristig gewinnbringend ist.»

Plozza bezweifelt stark, dass der zu Gunsten von Hefti ausgefallene Entscheid in der ganzen Schweizer Bob-Szene mit Wohlwollen aufgenommen wird. Er vermutet, dass man gewissen Leuten vor den Kopf stösst. Es sei ein gefährliches Signal, das jetzt ausgesendet worden sei. Es könne bei Athleten und Klubs der Eindruck entstehen, dass beim Verband nicht für alle die gleichen Massstäbe gelten würden.

Plozza stört sich auch daran, dass er Hefti schon einmal in den vergangenen Wochen entgegengekommen ist, indem er sich mit dem Piloten auf einen Deal eingelassen hat. Der Nationaltrainer hatte Hefti versprochen, dass dieser das Vierer-Rennen beim Weltcup St. Moritz bestreiten dürfe, falls er gleichenorts an Silvester an den Schweizer Meisterschaften den Titel in der «Königsklasse» hole. Diese Vorgabe konnte Hefti als Zweiter nicht erfüllen. Er war knapp eine Viertelsekunde langsamer als der Sieger Gregor Baumann.

Hefti kann dank seinen errungenen Meriten aus einer Position der Stärke agieren. «Swiss Sliding» kann es sich eigentlich nicht leisten, dass der einzige Steuermann, der derzeit im Männer-Bob bei internationalen Titelkämpfen für eine Medaille infrage kommt, entnervt den Rücktritt erklärt. Dem Nationalkader fehlt es im Moment sowieso schon an Quantität und Qualität.

Hefti verlangt, dass man sich vor der nächsten Saison vertieft Gedanken macht, ob es nicht an der Zeit wäre, im Vierer die Kräfte zu bündeln. Sprich der beste Pilot soll die besten drei Anschieber des Landes erhalten. So ein System kommt bei anderen Nationen erfolgreich zur Anwendung. Wenn diese Philosophie umgesetzt werden soll, muss sich allerdings der Verband bei der Entschädigung der Hinterleute stärker beteiligen können.

«Vierer-Problem» nicht gelöst

Fakt ist: Im Vierer hat die Schweiz aktuell auf die Deutschen, Russen oder Amerikaner viel Terrain gut zu machen. Auf internationaler Ebene bleiben die Top-Resultate seit geraumer Zeit aus. Am Wochenende in Altenberg (De) fanden sich die Quartette von Gregor Baumann und Rico Peter im EM-Klassement auf den Plätzen 11 und 12 wieder. Und Hefti könnte am 22. Januar in der Tat für einen Ausreisser nach oben sorgen, weil er wie beim 2. Rang vor rund einem Jahr auf günstige Umstände hoffen darf, ist doch eine hohe Startnummer auf dem Natureis in St. Moritz in der Regel von Vorteil.

Dennoch wäre es vermessen, zu glauben, Hefti könne von heute auf morgen die Schweizer Probleme im Vierer lösen. Mehr als ein Strohfeuer liegt momentan nicht im Bereich des Möglichen. Mit dem grossen Schlitten mangelt es Hefti zu sehr an Konstanz, seine ungeheure Anschub-Kraft am Start fällt zu wenig ins Gewicht und zur Stunde hat er (auch verletzungsbedingt) nicht genug konkurrenzfähige Anschieber. Nationaltrainer Plozza findet, es wäre besser, wenn Hefti weiterhin für dessen Parade-Disziplin Zweier den Kopf frei hat.

Bevor im Weltcup St. Moritz an der Reihe ist und Heftis Bewährungs-Chance mit dem Vierer ansteht, wird aber an diesem Wochenende noch am bayrischen Königssee um Punkte gekämpft.

(fest/Si)

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