Prof. Ulrike Lohmann «Russ - das böse Aerosol?»
publiziert: Donnerstag, 2. Sep 2010 / 09:02 Uhr / aktualisiert: Montag, 4. Okt 2010 / 11:02 Uhr
Ulrike Lohmann ist Professorin für Atmosphärenphysik an der ETH Zürich.
Ulrike Lohmann ist Professorin für Atmosphärenphysik an der ETH Zürich.

Aerosole — auch Feinstaub genannt — wirken teilweise dem Treibhauseffekt entgegen, indem sie Sonnenlicht zurück in den Weltraum spiegeln. Aber sie gefährden auch die Gesundheit, wie ich in einem meiner früheren Beiträge bereits schrieb (siehe weiterführende Links). Und: Es gibt auch Aerosole, die zu einer Erwärmung führen!

2 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Aerosole: von weltweiter Verdunkelung zu weltweiter Aufhellung
Im Beitrag erwähnter früherer Blogbeitrag von Prof. Ulrike Lohmann.
klimablog.ethz.ch

Einige Aerosole, allen voraus der Russ, absorbieren Sonnenlicht, nehmen es also auf. Das führt zu einer Erwärmung. Lokal kann diese Erwärmung dazu führen, dass Wolkentröpfchen verdunsten, weil die relative Luftfeuchtigkeit sinkt, wenn die Temperatur steigt. Zudem kann diese Erwärmung in der Atmosphäre die Bildung von Kumuluswolken einschränken oder gar unterbinden, weil wärmere Luftschichten wie eine Sperrschicht wirken können. Das führt erstmal zu einer weiteren Erwärmung, kann aber letztendlich, falls sich Wolken bilden, auch zu einer Abkühlung führen — je nachdem wo in der Atmosphäre der Russ ist.

Eis-Albedo-Rückkoppelung

Die Ablagerung von Russ auf Schnee/Eis führt zudem zu einer Erhöhung seiner Albedo. Albedo ist ein Mass für den Anteil des Sonnenlichts, der in den Weltraum reflektiert wird. Die erhöhte Albedo hat zur Folge, dass mehr Sonnenlicht absorbiert (aufgenommen) wird und der Schnee schneller schmilzt. Da unter dem Schnee meist ein dunklerer Untergrund zum Vorschein kommt, wird somit eine helle Fläche durch eine dunklere ersetzt. Dies führt zu noch mehr Absorption von Sonnenlicht und einer weiteren Temperaturerhöhung. Diese positive Rückkopplung wird auch Eis-Albedo-Rückkopplung genannt.

Russ vermindern — für Gesundheit und Klima

Da Russ ebenso wie die Treibhausgase zu einer Erwärmung führt, ist dessen Reduktion für das Klima erstrebenswert. Es gibt deshalb auch Stimmen, die sagen, dass man sich doch lieber um die Reduktion von Russ kümmern sollte als um diejenige von CO₂. Das sei einfacher, da mit einfacheren Massnahmen möglich. Zum Beispiel könnten Dieselautos mit Partikelfiltern ausgerüstet werden. Massnahmen gegen Russ würden auch schneller greifen, weil Russ (wie andere Aerosole auch) nur zirka eine Woche in der Atmosphäre überlebt, bevor er wieder ausgewaschen wird.

Da Russ auch gesundheitsschädigend ist, wären somit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Warum also passiert das nicht? Oder ist es doch nicht so einfach?

Organische Verbindungen verändern Effekt von Russ

Es ist deshalb nicht so einfach, weil Russ nie alleine ausgestossen wird, sondern immer zusammen mit organischen Verbindungen. Diese organischen Verbindungen streuen primär Sonnenlicht — womit ein Teil des erwärmenden Effekts von Russ wieder zunichte gemacht wird. Wie gross der erwärmende Netto-Effekt von Russ ist, ist noch nicht klar; bezüglich der Wirkung dieser organischen Verbindungen sind noch viele Fragen offen.

Russreduktion alleine genügt nicht

Trotzdem geschieht schon etwas: Unter anderem werden zunehmend Dieselautos mit Partikelfiltern ausgerüstet. Langfristig aber kann alleine durch Russreduktion die globale Erwärmung nicht verhindert oder hinreichend abgeschwächt werden. Um eine Reduktion der langlebigen Treibhausgase kommen wir nicht umhin!

(Ulrike Lohmann/ETH-Zukunftsblog)

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