Programme bespitzeln PC-Heimarbeiter
publiziert: Montag, 22. Sep 2008 / 08:05 Uhr / aktualisiert: Montag, 22. Sep 2008 / 08:23 Uhr

Zürich - Millionen von PC-Heimarbeitern in Billiglohnländern sind bei Unternehmen angestellt, die ihren Sitz in den USA oder Europa haben. Damit ihre Arbeitgeber überprüfen können, ob sie effizient arbeiten, sind Spitzelprogramme auf ihren Computern installiert, wie beispielsweise oDesk.

oDesk vermittelt, überwacht und bezahlt die PC-Arbeiter in fernen Billiglohnländern.
oDesk vermittelt, überwacht und bezahlt die PC-Arbeiter in fernen Billiglohnländern.
Das Programm misst die Aktivität des Arbeiters, macht Screenshots und schiesst Fotos mit der im Computer eingebauten Kamera. Die PC-Heimarbeiter in Asien und den ehemaligen Sowjetrepubliken scheint dies jedoch kaum zu stören, verdienen sie mit ihrem Beruf doch meist ein Vielfaches des Lohnes ihrer Landsleute, berichtet die Schweizer Sonntagszeitung.

Das Spitzelprogramm von oDesk ist nur ein Teil der Aktivitäten des Unternehmens. oDesk ist auch eine Online-Stellenbörse auf der qualifizierte Arbeiter aus Billiglohnländern an Arbeitgeber aus Industriestaaten vermittelt werden. Das Überwachungssystem verhindert unter anderem, dass Angestellte ihre Arbeit an noch billigere Arbeitskräfte weiterleiten und erlaubt es, die Effizienz der Angestellten zu überprüfen.

Den ukrainischen Programmierer Kostya Nikolayev stört die Überwachung nicht: «So gibt es hinterher keine dummen Fragen, ob und was ich wann erledigt habe. Das sorgt für mehr Ehrlichkeit, und es gibt mir mehr Motivation», hebt Nikolayev die positiven Seiten des Systems hervor. Ausserdem verdient er mit einem Stundenlohn von 35 Dollar um einiges mehr als viele seiner Landsleute.

Überwacher bekommt 10 Prozent vom Gehalt

oDesk versendet wöchentlich eine detaillierte Auflistung der Arbeitszeit an den Kunden und dieser überweist das Gehalt dann an den Arbeiter, oDesk bekommt zehn Prozent. Auf der Jobbörse findet man Designer und Programmierer, die zum Teil nur zwölf bis 14 US-Dollar pro Stunde verlangen, wie beispielsweise jene aus Pakistan, Indonesien oder den Philippinen. Helfer für einfache Bürotätigkeiten sind schon für 1 bis 2 US-Dollar pro Stunde zu bekommen.

Doch Heimarbeiter sind nicht die einzigen, die von ihren Vorgesetzten überwacht werden. In den USA verfolgen rund 80 Prozent aller Unternehmen den E-Mail-Verkehr, die Webseiten-Besuche und die Telefonate ihrer Angestellten ganz genau mit.

(fest/pte)

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