Protest vor Eröffnung der Olympischen Spiele
publiziert: Donnerstag, 7. Aug 2008 / 08:20 Uhr

Peking - Genau solche Aktionen hatte der chinesische Sicherheitsapparat verhindern wollen. Doch vier ausländische Tibet- Aktivisten schlüpften durch das engmaschige Sicherheitsnetz.

Anti-Terror-Einheiten der chinesischen Polizei wollen weitere «Störungen» verhindern.
Anti-Terror-Einheiten der chinesischen Polizei wollen weitere «Störungen» verhindern.
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Mit ihrem waghalsigen Protest am Olympia-Park in Peking unweit des Nationalstadions wollten sie verhindern, dass das Schicksal der Tibeter noch weiter in Vergessenheit gerät.

«Eine Welt, ein Traum, befreit Tibet» stand in Abwandlung des Mottos der Spiele auf einem langen weissen Banner geschrieben, das die Kletterer an einem gut 40 Meter hohen Lichtmasten anbringen konnten.

Ein anderes verkündete: «Tibet wird frei sein.»

Es dürfte nicht die letzte Aktion gewesen sein, mit der ausländische Gruppen die Spiele als Plattform nutzen, um Druck auf Olympia-Gastgeber China auszuüben.

In den Hintergrund gerückt

Die Lage im streng abgeschotteten Tibet, wo chinesische Sicherheitskräfte jedes Aufbegehren im Keim ersticken, war seit Wochen immer mehr in den Hintergrund gerückt.

Der mit grossen Hoffnungen begleitete Dialog der Unterhändler des Dalai Lama mit Vertretern der chinesischen Führung macht keine Fortschritte.

Die Exiltibeter stellen den Sinn schon grundsätzlich in Frage. Eine Fortsetzung des Dialogs im Herbst macht Peking davon abhängig, ob es Störungen der Spiele - solche wie am Mittwoch - geben sollte. Obwohl die «Studenten für ein freies Tibet» dahinter steckten, wird das religiöse Oberhaupt der Tibeter persönlich verantwortlich gemacht.

Nur nicht auf die Füsse treten

Zwar geniessen der Dalai Lama und das tibetische Volk im Ausland grosse Sympathien, doch lassen immer mehr Politiker erkennen, dass sie es sich wegen Tibet keineswegs mit Pekings Führern verscherzen wollen. Dafür ist die aufstrebende asiatische Macht zu wichtig.

Von einem Boykott der Eröffnungsfeier, der bei der Niederschlagung der Proteste in Tibet gegen die chinesische Fremdherrschaft diskutiert wurde, wird heute nicht mehr geredet.

Und selbst wenn George W. Bush «den Mut des Dalai Lama und der Buddhisten in Tibet» ehrt, hindert ihn das nicht daran, als erster US-Präsident zu einer Olympia-Eröffnung nach Peking zu reisen und gute Beziehungen mit Chinas Führern zu pflegen.

Mit ihm werden mehr als 80 Staats- und Regierungschefs in Peking erwartet.

Tibet spielt geringe Rolle

Neben der Kooperation im Weltsicherheitsrat, den Atomkonflikten mit dem Iran und Nordkorea oder dem Handel mit der viertgrössten Wirtschaftsmacht spielen die Tibeter eben nur eine kleine Rolle.

Die tibetischen Unterhändler beklagen, dass ihr seit 2002 erfolglos laufender Dialog mit der chinesischen Regierung nur dazu dient, westliche Kritik abzuwehren. Wie jüngst aus der chinesischen Regierung verlautete, werde sie mit dem Dalai Lama «niemals über die Zukunft Tibets verhandeln», höchstens über seine eigene Zukunft. Der Dalai Lama konterte aus dem indischen Dharamsala, es gehe nicht um seine Person, sondern «um das Wohlergehen von sechs Millionen Tibetern».

Was er auch macht - es ist falsch

Doch steckt der Dalai Lama in der Zwickmühle. Bricht er den Dialog ab, wird er verantwortlich gemacht für den Zusammenbruch des Gesprächskanals. Macht er weiter, spielt die Zeit in die Hände der kommunistischen Führung, ohne dass sich etwas ändert.

Mit ihrem politischen Gewicht in der Welt brauchen sich Chinas Führer nur zurückzulehnen und zu beteuern, «die Kontakte zum Dalai Lama ernsthaft zu verfolgen».

(von Andreas Landwehr, dpa/sda)

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