Proteste gegen Folter in Tiflis
publiziert: Samstag, 22. Sep 2012 / 00:07 Uhr

Tiflis - Nach der Veröffentlichung eines Foltervideos haben am Freitag tausende Georgier Anklagen gegen Regierungsmitglieder gefordert. Der entlassene Innenminister Bacho Achalaja und sein Bruder, ein stellvertretender Verteidigungsminister, müssten zur Verantwortung gezogen werden, verlangten sie.

1 Meldung im Zusammenhang
Tausende Demonstranten verbrachten die Nacht vor dem Gldani-Gefängnis in Tiflis, wo die schockierenden Aufnahmen entstanden waren. Im Video ist zu sehen, wie Häftlinge von Gefängnisaufsehern geschlagen und mit Schlagstöcken und Besenstielen vergewaltigt werden.

Häftlinge bekräftigten derweil die schweren Vorwürfe gegen ihre Aufpasser. Täglich hätten die Justizbeamten zwei Gefangene ausgesucht und heftig verprügelt, berichteten Insassen am Freitag Journalisten im Gefängnis Nr. 8 in der Hauptstadt Tiflis.

Sie hätten ihre Wärter nie ansehen dürfen. Zudem seien ihnen für die Zeit nach der Parlamentswahl am 1. Oktober noch heftigere Prügel angedroht worden.

Scharfe Kritik

Der georgische Ex-Präsident Eduard Schewardnadse verurteilte die Vorfälle scharf. «Ich wünschte, ich hätte das nicht mehr erlebt», sagte der 84-jährige Vorgänger des amtierenden Staatschefs Michail Saakaschwili der Nachrichtenagentur dpa in Tiflis.

Die Europäische Union verurteilte die Misshandlung der Gefangenen und forderte die georgischen Behörden auf, die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. Sie sei entsetzt über die schockierenden Bilder der Übergriffe, teilte EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton in einer Stellungnahme mit.

Skandal vor Wahl

Innenminister Achalaja war am Donnerstagabend nach Protesten gegen die Folter von Häftlingen zurückgetreten. Es war der zweite Ministerrücktritt nach der öffentlichen Empörung über das Foltervideo. Zunächst hatte die für die Haftanstalten zuständige Ministerin Chatuna Kalmachelidse ihr Amt aufgegeben.

Auch Präsident Saakaschwili, der sich am 1. Oktober einer Parlamentswahl stellen muss, gerät immer stärker unter Druck. Seit Tagen demonstrieren landesweit Zehntausende gegen Gewalt.

Dem prowestlichen Saakaschwili und seiner Partei könnte der Skandal bei der kommenden Wahl schaden. Saakaschwili, der Georgien seit 2004 regiert, darf nicht noch einmal als Präsident kandidieren, hat aber Gesetze durchgesetzt, die dem Ministerpräsidenten mehr Macht verleihen als dem Präsidenten. Bei einem Wahlsieg würde er das Amt des Regierungschefs übernehmen.

(bg/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Brüssel - Ein früherer georgischer Gefängniswärter, der ... mehr lesen
Staatschef Michail Saakaschwili glaubt, dass die Veröffentlichung der Videos auf eine Beeinflussung der Parlamentswahlen am 1. Oktober abziele.
Leute haben protestiert - es hat nichts geholfen.
Leute haben protestiert - es hat nichts geholfen.
Im Morgengrauen gehängt  Bern - Trotz internationaler Appelle ist im Iran am Samstag eine 26-jährige Frau nach fünf Jahren in der Todeszelle hingerichtet worden. Die Innenarchitektin Reyhaneh Dschabbari wurde im Morgengrauen gehängt. 
Weil-Prozess  Fort Lauderdale - Im Kreuzverhör mit dem Zeugen Martin Liechti ist es im Prozess gegen den ehemaligen UBS-Manager Raoul Weil zu hässlichen Szenen gekommen. Wortklauberei und verbale Attacken prägten am Freitag die Befragung. Aber der Zeuge knickte nicht ein.  
Titel Forum Teaser
Dirk Hebel ist Assistenzprofessor für Architektur am Singapore ETH Centre (SEC).
ETH-Zukunftsblog Sand (Teil 2): nachhaltige Alternativen Der massive Abbau natürlicher Sandvorkommen in ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
SA SO MO DI MI DO
Zürich 4°C 8°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel 4°C 10°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
St.Gallen 4°C 10°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Bern 4°C 12°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Luzern 4°C 12°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Genf 7°C 14°C bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Lugano 6°C 16°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
mehr Wetter von über 6000 Orten