Gewaltsame Proteste bei US-Botschaften
Proteste gegen USA dehnen sich auf weitere muslimische Länder aus
publiziert: Donnerstag, 13. Sep 2012 / 07:40 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 13. Sep 2012 / 21:18 Uhr
Chris Stevens war eins der Opfer, die beim Angriff ums Leben kamen.
Chris Stevens war eins der Opfer, die beim Angriff ums Leben kamen.

Bengasi/Washington/Kairo - Nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi haben sich die anti-amerikanischen Proteste auf andere muslimische Länder ausgeweitet. Im Jemen wurden bei Protesten vor der US-Botschaft gegen einen anti-muslimischen Film vier Demonstranten getötet.

15 Meldungen im Zusammenhang
In der Hauptstadt Sanaa stürmten Demonstranten am Donnerstag das Gelände der US-Botschaft. Polizisten und Sicherheitskräfte drängten sie zunächst mit Wasserwerfern zurück. Gemäss Demonstranten schoss die Polizei beim zweiten Versuch. Die Polizei erklärte, sie habe nur Tränengas eingesetzt. Gemäss den Behörden wurden vier Demonstranten getötet; 34 wurden verletzt.

Proteste vor Schweizer Botschaft

In Teheran zogen rund 500 Menschen vor die Schweizer Botschaft, die im Iran die US-Interessen vertritt. Demonstrationen gab es auch in irakischen Städten, in Tel Aviv in Israel, dem palästinensischen Gazastreifen, in Marokko, Tunesien, dem Sudan und in Bangladesch.

In vielen Ländern wurden die Sicherheitsvorkehrungen für US-Vertretungen verschärft. Dort werden nach dem Freitagsgebet Proteste erwartet gegen den US-Film, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird.

«Allein die Nachricht über die Existenz eines solchen Filmes (...) reicht aus, Leute in Wut zu versetzen», sagte der Nahostexperte Guido Steinberg von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. Eine Ursache für die Empörung sei der Eindruck vieler Muslime, der Westen führe «schon seit Jahrzehnten einen religiösen, einen kulturellen Angriff auf sie» und ihre Identität.

Strassenschlachten in Kairo

Die Proteste hatten am Dienstag in Kairo begonnen. Am Donnerstag lieferten sich dort Demonstranten und Polizisten vor der Botschaft blutige Strassenschlachten. Nach Angaben von Spitalärzten wurden über 200 Menschen verletzt.

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi versuchte die Wogen zu glätten. Er verurteilte die Gewalt, forderte die USA aber zu «ernsthaften Schritten» gegen den Videofilm auf.

«Wir sind gegen jede Handlung, mit der der Islam und der Prophet Mohammed beleidigt werden soll und wir sind gegen die Beleidigung jeder Religion», sagte Mursi. Solche Filme könnten jedoch «nicht als Rechtfertigung für Angriffe auf Konsulate oder Botschaften dienen». Sie rechtfertigten auch nicht die Tötung Unschuldiger.

USA und Israel verurteilen Film und Gewalt

US-Aussenministerin Hillary Clinton verurteilte den Film als «abscheulich und verwerflich». Die US-Regierung habe «absolut nichts» damit zu tun. Da in den USA Meinungsfreiheit herrsche, sei es für die Regierung aber «unmöglich», solche Filme zu verhindern. Jedoch sei auch die Gewalt, die der Film auslöste, nicht hinzunehmen.

Israel dementierte Berichte, wonach das Schmäh-Video von Israeli oder Juden produziert worden.

Verdächtige in Bengasi festgenommen

Bei Protesten gegen den Film war am Dienstag, dem Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001, auch das US-Konsulat in Bengasi attackiert worden. Vier US-Diplomaten und mehrere libysche Sicherheitskräfte wurden getötet.

Die US-Geheimdienste verfolgen inzwischen Hinweise, wonach es sich um einen Terroranschlag gehandelt haben könnte. Dies sagte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, Mike Rogers. Die US-Bundespolizei FBI nahm Ermittlungen auf. Ein Sprecher des Weissen Hauses sagte aber, es sei noch zu früh für ein klares Urteil.

In Bengasi wurden mehrere Verdächtige festgenommen. Vize-Innenminister Wanis al-Scharef machte aber keine Angaben zur Zahl der Festgenommenen oder zu deren politischen Orientierung.

(laz/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
1
Forum
Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Washington - Die ägyptischen Behörden haben laut einem Medienbericht einen mutmasslichen Extremistenführer festgenommen. ... mehr lesen
Die US-Geheimdienste hätten die lokalen Behörden unterstützt. (Symbolbild)
Washington/Lima - US-Aussenministerin Hillary Clinton hat die Verantwortung für die Sicherheitslage vor dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi ... mehr lesen
Clinton hält Obama den Rücken frei. (Archivbild)
New York - Nach den weltweiten Protesten gegen den islamfeindlichen Film «Die Unschuld der Muslime» haben die Aussenminister von 57 islamischen Staaten Gesetze zum Schutz der Religion gefordert. Die Weltgemeinschaft müsse «nötige Massnahmen» gegen «religiösen Hass, Diskriminierung und Gewalt» ergreifen. mehr lesen 
Weitere Artikel im Zusammenhang
Paris - Die USA haben das Kopfgeld scharf verurteilt, das ein pakistanischer Minister auf den Macher des islamfeindlichen Films ... mehr lesen 1
Ministerpräsident Raja Pervez Ashraf distanzierte sich am Sonntag nach Worten eines Sprechers «vollständig» von dem Mordaufruf.
Bengasi - In Libyen haben hunderte Demonstranten drei Stützpunkte radikalislamischer Milizen gestürmt. Dabei kamen in der Nacht zum Samstag in Bengasi nach Spitalangaben zwei Demonstranten ums Leben, 30 weitere wurden verletzt. mehr lesen 
Karachi - In Afghanistan ist es nach mehreren friedlichen Protesten gegen ein einen islamfeindlichen Film aus den USA ... mehr lesen 2
Scheich Hassan Nasrallah hat zu Protesten aufgerufen.
Sydney - Der Angriff auf das US-Konsulat in Libyen am vergangenen Dienstag war ein Racheakt für die Tötung der ... mehr lesen
Teheran - Die wütenden Proteste gegen einen islamfeindlichen US-Film in der islamischen Welt reissen nicht ab. Mehrere Personen ... mehr lesen
John Kerry äussert sich wenig zurückhaltend über Romneys Äusserungen.
CNN-News Nach dem tödlichen Anschlag auf US-Diplomaten in Libyen, dem Angriff auf die US-Botschaft in Ägypten und den besänftigenden ... mehr lesen
Etschmayer Die Proteste gegen den kontroversen und von fast niemandem in seiner Gänze gesehenen Mohammed-Film werden noch einige ... mehr lesen 2
Wenn Fanatiker Fanatiker fanatisieren (Symbolbild)
Kairo/Bengasi - Aus Protest gegen einen angeblich Islam-feindlichen Film haben Demonstranten in Ägypten und ... mehr lesen
Wie...
wäre es damit, dass diese Demonstranten erst mal ihre in allen Bereichen am Boden liegenden Länder wieder auf Vordermann bringen. Es gäbe viel und Besseres zu tun!
Danach, aber erst danach, kann man sich dann um irgendwelche harmlosen Filme und Demonstrationen dagegen kümmern.
Flüchtlingslager im Westen des Sudans. (Archivbild)
Flüchtlingslager im Westen des Sudans. ...
Zehntausende Flüchtlinge in Sudan  Khartum - Die UNO hat Alarm geschlagen wegen der verzweifelten Lage zehntausender Flüchtlinge in der westsudanesischen Krisenregion Darfur. Die humanitäre Situation sei «schrecklich», den Menschen fehle es «praktisch an allem». 
Verbrechen gegen die Menschlichkeit  Genf - In Haftanstalten der syrischen Regierung sowie in Gefangenenlagern ...
Häftlinge werden in Syrien miserabel behandelt. (Symbolbild)
Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras.
Wichtige Partner  Teheran - Der Iran und Griechenland streben eine strategische Zusammenarbeit an. ...  
Soldaten nach Machmur  Kirkuk - Die irakische Armee verlegt nach amtlichen Angaben tausende Soldaten auf einen ...  
Die irakische Armee hat grosse Pläne.
Titel Forum Teaser
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3714
    Weder... Russland noch der Westen ist aus moralischen Gründen in Syrien ... heute 16:26
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3714
    Die... Aufnahme syrischer Flüchtlinge, solange dies Menschen sind die vom ... heute 13:54
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3714
    Aus... den Verlautbarungen aus GR kann man bereits heraushören, was zu ... heute 10:48
  • Midas aus Dubai 3761
    Reisen bildet Tja, das ist halt die Birkenstock-Toscana-Fraktion. Da kommt man mit ... heute 04:33
  • jorian aus Dulliken 1737
    Deutsche Doppelmoral, nein natürlich nicht, Doppelmoral der BRD-Regierung! Auf der einen Seite dürfen jetzt Lohnfahnder mit Waffen auf die Strasse ... gestern 11:37
  • Midas aus Dubai 3761
    Glaub ich nicht Na dazu müsste man das TTIP-Abkommen aber ja auch erst mal lesen ... gestern 11:23
  • Midas aus Dubai 3761
    Unwürdig Man kann sich seine Meinung nur bilden, wenn man die verschiedene ... gestern 11:17
  • Midas aus Dubai 3761
    Keinen Plan Ha ha Wenn es dann eine Frau ist. Weiss man ja nicht so genau. Auf ... gestern 11:07
 
Wettbewerb
   
Die geladenen Gäste werden eine Fahrt durch den mit 57 Kilometern längsten Bahntunnel der Welt machen.
Gotthard-Basistunnel  Bern - 160'000 Personen haben sich bis zum Ablauf des Wettbewerbs für Fahrkarten in jenen beiden Zügen beworben, die am 1. ...
Eröffnungsfahrt zu gewinnen  Bern - Wer am 1. Juni 2016 in einem der beiden Züge, die den Gotthard-Basistunnel eröffnen, mitfahren will, kann sich nun um Fahrkarten bewerben. ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
MO DI MI DO FR SA
Zürich 0°C 7°C bewölkt, wenig Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen
Basel 4°C 6°C bewölkt, wenig Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen
St.Gallen 2°C 9°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Bern 2°C 11°C bewölkt, wenig Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen
Luzern 0°C 13°C leicht bewölkt, wenig Regen bedeckt, wenig Regen bedeckt, wenig Regen bedeckt, wenig Regen bedeckt, wenig Regen bedeckt, wenig Regen
Genf 4°C 11°C bewölkt, wenig Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen
Lugano 4°C 9°C bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen
mehr Wetter von über 6000 Orten