Libanesen verlangen Rücktritt der Regierung
Proteste nach Terroranschlag in Beirut
publiziert: Samstag, 20. Okt 2012 / 08:20 Uhr / aktualisiert: Samstag, 20. Okt 2012 / 14:15 Uhr
UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon rief alle Beteiligten im Libanon auf, sich von dem «abscheulichen Terrorakt» nicht provozieren zu lassen.
UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon rief alle Beteiligten im Libanon auf, sich von dem «abscheulichen Terrorakt» nicht provozieren zu lassen.

Washington - Nach dem verheerenden Terroranschlag mit acht Toten im Libanon werden Rufe nach einem Rücktritt der von der Hisbollah gestützten Regierung immer lauter. Landesweit gingen am Samstag zum nationalen Tag der Trauer insbesondere in den von Sunniten dominierten Regionen Menschen auf die Strasse.

4 Meldungen im Zusammenhang
Sie forderten den Rücktritt von Ministerpräsident Nadschib Mikati. Aufgebrachte Demonstranten zündeten Reifen an. Geschäfte und Schulen blieben geschlossen, an allen Regierungsgebäuden wehten die Fahnen auf halbmast.

Bei der Explosion einer Autobombe im christlichen Viertel Aschrafijeh waren am Vortag acht Menschen getötet und mehr als 80 verletzt worden. Die gewaltige Explosion erschütterte eine enge Strasse. In mehreren Strassenzügen wurden Türen und Fenster zerstört, Balkone wurden von Wohnhäusern gerissen und Autos durch die Luft geschleudert.

Syrien im Verdacht

Unter den Toten ist auch General Wissam al-Hassan, ein Sunnit und hochrangiger Funktionär des libanesischen Geheimdienstes, dem dieser Anschlag nach Ansicht von Beobachtern galt. Al-Hassan stand der anti-syrischen Zukunftsbewegung des Oppositionspolitikers Saad Hariri nahe.

In der Nähe des Anschlagsorts befindet sich auch das Büro der 14.-März-Bewegung. Die Parteien dieser Bewegung sind Gegner der Regierungskoalition.

Das Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad steht der schiitischen Hisbollah nahe, die mit ihrem Bündnis eine Mehrheit im libanesischen Parlament hat und die jetzige Regierung an die Macht brachte. Viele sehen daher die Verantwortlichen für den Anschlag in Damaskus.

Libanesische Medien berichteten, dass das Kabinett am Samstag zusammenkam, um über die Konsequenzen aus dem Anschlag zu beraten. Der Hisbollah-Minister Mohammed Fneisch sprach sich nach Angaben der libanesischen Zeitung «Daily Star» gegen einen Rücktritt Mikatis aus. Dies würde die Lage nur weiter eskalieren lassen, argumentierte er.

Anschlag scharf verurteilt

International wurde der Bombenanschlag scharf verurteilt. Der UNO-Sicherheitsrat verurteilte den Versuch, den Libanon «mit politischen Hinrichtungen zu destabilisieren» und verlangte ein sofortiges Ende der Gewalt gegen Politiker.

US-Aussenministerin Hillary Clinton verurteilte den Bombenanschlag in Beirut ebenfalls scharf. Sie warnte vor einer Destabilisierung des Libanon. Zugleich rief sie alle Seiten dazu auf, «sich in Zurückhaltung zu üben und die Stabilität und Sicherheit des Libanon zu respektieren».

Zuvor hatte der Sprecher des US-Sicherheitsrats, Tommy Vietor, erklärt, die USA stünden dem Libanon bei seinen Bemühungen bei, «die Verantwortlichen für diesen barbarischen Angriff zur Rechenschaft zu ziehen».

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte, das Attentat müsse gründlich aufgeklärt, die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. In einer am Freitag in New York verbreiteten Mitteilung rief er alle Beteiligten im Libanon auf, sich von dem «abscheulichen Terrorakt» nicht provozieren zu lassen.

Der Geheimdienstfunktionär Al-Hassan war schon Sicherheitschef unter dem früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri - dem Vater von Saad Hariri - der 2005 bei einem Autobombenanschlag getötet wurde. Damals kam der Verdacht auf, das Regime des syrischen Präsidenten Assad könnte an der Planung des Attentats beteiligt gewesen sein.

(asu/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Beirut - Der syrische Bürgerkrieg weitet sich nach den blutigen Protesten am Wochenende im Libanon offenbar immer stärker in ... mehr lesen
Keine Waffenruhe in Sicht. (Symbolbild)
Die vermummten und teils mit Kalaschnikow-Gewehren bewaffneten Männer hatten Strassensperren errichtet. (Symbolbild)
Beirut - In der libanesischen Hauptstadt Beirut hat es am Montag erneut Schusswechsel gegeben. Bewaffnete Kämpfer riegelten mehrere sunnitische Viertel ab, wie ein ... mehr lesen
Beirut - Der Konflikt in Syrien wird nun auch für den Libanon zu einer echten Zerreissprobe: Am Rande der Trauerfeier für die Opfer ... mehr lesen
Beirut: Viele der schwarz gekleideten Menschen riefen auf ihrem Weg in die Innenstadt anti-syrische Parolen.
Trotz einer Waffenruhe und vereinbartem Abzug wurden wieder schwere Artillerien eingesetzt.
Trotz einer Waffenruhe und vereinbartem Abzug wurden wieder schwere ...
Lage hat sich zugespitzt  Kiew - Bei Kämpfen mit prorussischen Separatisten im Kriegsgebiet Donbass sind mindestens fünf ukrainische Soldaten getötet worden. Zwölf weitere wurden verletzt. 
Die Konfliktparteien sprachen von mindestens zwei Toten und sechs Verletzten. (Symbolbild)
Artilleriefeuer erschüttert Donezk - Gedenken an Tragödie in Odessa Kiew - Trotz der jüngsten internationalen Friedensappelle sind wieder heftige Gefechte in der Ostukraine ...
Zahl stieg um elf Millionen  Genf - Bewaffnete Konflikte haben 2014 so viele Menschen zu Vertriebenen im eigenen Land gemacht wie ...   1
7,6 Millionen Menschen wurden innerhalb der syrischen Grenzen vertrieben - das sind rund 40 Prozent gesamten Bevölkerung.
Das Militär des Nachbarlandes Nigeria meldete unterdessen die Befreiung weiterer 25 Boko-Haram-Geiseln.
Über 25'000 Menschen fliehen vor Boko Haram Abidjan - Mindestens 25'000 Einwohner der zum Niger gehörenden Inseln im Tschadsee sind aus Furcht vor Angriffen der ...
Libyen: Halbe Million Menschen in Flucht getrieben Tripolis - Die Kämpfe in Libyen haben in den vergangenen Monaten eine ... 1
Titel Forum Teaser
  • thomy aus Bern 4237
    Es ist ja schon klar, dass ... ... die Mörderbanden der IS(IS) sich jetzt damit ihr Tun rechtfertigen ... gestern 16:43
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2987
    Man... vergisst bei der Vorstellung der herannahenden Flüchtlings-Apokalypse ... gestern 12:06
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2987
    Überall... sucht man die Schuldigen für die brutalen Entwicklungen im Mittleren ... Di, 05.05.15 17:51
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2987
    Gerade... Mexiko und Brasilien spiegeln die gewaltigen sozialen Probleme des ... Di, 05.05.15 12:50
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2987
    Zustrom Peter Sutherland, der UN-Sonderbeauftragte für internationale Migration ... Di, 05.05.15 12:06
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2987
    Angesichts.... der Bewaffnung und Stärke, der Aggressivität und Ausbreitung von B H ... Mo, 04.05.15 17:22
  • Kassandra aus Frauenfeld 1327
    Es pfanzt sich fort... Die wegen Rassenwahn fast Ausgerotteten werden selbst wieder ... Mo, 04.05.15 17:02
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2987
    Scheint... momentan einiges schief zu laufen. Aufgrund des demografischen Wandels ... Mo, 04.05.15 12:52
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
MI DO FR SA SO MO
Zürich 8°C 12°C leicht bewölkt, Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel 8°C 14°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
St.Gallen 10°C 16°C bewölkt, Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Bern 11°C 19°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Luzern 11°C 18°C bewölkt, Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Genf 12°C 20°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Lugano 16°C 22°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
mehr Wetter von über 6000 Orten