Prozess gegen Schmidheiny geht weiter
publiziert: Montag, 27. Sep 2010 / 19:53 Uhr
Stephan Schmidheiny. (Archiv)
Stephan Schmidheiny. (Archiv)

Turin - In Turin ist am Montag der Asbest-Prozess gegen den Schweizer Milliardär Stephan Schmidheiny und den belgischen Baron Jean-Louis de Cartier de Marchienne fortgesetzt worden. Vor Gericht sagte ein von der Anklage bestellter Gutachter aus.

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Paolo Rivella vertrat die Ansicht, dass Schmidheiny nicht nur der Mehrheitsaktionär der vier italienischen Eternitwerke war, sondern auch operativ das Sagen gehabt habe. Rivella legte dem Gericht gemäss der italienschen Nachrichtenagentur Adnkronos mehrere Dokumente vor, um seine Aussage zu belegen.

Darunter seien Schriftstücke zu Treffen der Führung der Schweizerischen Eternit-Gruppe und der italienischen Eternit S.p.A., bei denen die Asbest-Problematik und deren Auswirkungen auf den Geschäftsgang diskutiert worden seien.

War Schmidheiny Chef der italienischen Werke oder nicht?

Zudem habe die Schweizer Gruppe den italienischen Führungskräften ein Handbuch zur Kommunikation zur Verfügung gestellt, mit Hilfe dessen diese die zunehmenden Ängste zum Thema Asbest einzudämmen versuchten, sagte Rivella gemäss Adnkronos. Ziel sei gewesen, darzustellen, dass Asbest bei korrekter Handhabung keine Gefahr darstelle.

Staatsanwalt Raffaele Guariniello zeigt sich vor Gericht überzeugt, «dass Schmidheiny der Chef der italienischen Eternit-Werke war und nun alles dafür tut, diese Tatsache zu verbergen». «Die Gretchenfrage dieses Prozesses lautet: war Stephan Schmidheiny der Chef der italienischen Werke oder nicht? Unsere Antwort lautet ja», sagte Guariniello.

Verteidigung zweifelt am Experten

Die Verteidigung zieht Rivellas Eignung als Experte in Zweifel. Dieser habe gemäss Schmidheinys Anwälten nicht das nötige Know-How dazu, berichtete Adnkronos.

Die Verteidiger wollen mit Gegengutachten belegen, dass Stephan Schmidheinys Schweizerische Eternit-Gruppe im Zuge von Kapitalerhöhungen ab 1974 bis zum Konkurs der Eternit S.p.A. 1986 zwar grösster Einzelaktionär wurde, aber auch umgehend grosse Summen in die Arbeitplatzsicherheit investierte.

Dabei hätten die italienischen Gesellschaften jedoch unabhängig von der Schweizer Gruppe operiert, lautet die Argumentation der Verteidigung. Wann die Experten der Verteidigung vor Gericht aussagen werden, steht nach Angaben des Schweizer Sprechers von Stephan Schmidheiny, Peter Schürmann, noch nicht fest.

(fest/sda)

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