USA
Prozess gegen mutmasslichen Boston-Attentäter begonnen
publiziert: Montag, 5. Jan 2015 / 17:43 Uhr / aktualisiert: Montag, 5. Jan 2015 / 19:30 Uhr
Kurz nach der Explosion: Chaos im Zielbereich des Boston Marathons.
Kurz nach der Explosion: Chaos im Zielbereich des Boston Marathons.

Boston - Fast zwei Jahre nach dem Anschlag auf den Marathonlauf von Boston hat der Prozess gegen den überlebenden mutmasslichen Attentäter Dschochar Zarnajew begonnen. Vor einem Bundesgericht in der US-Ostküstenstadt lief am Montag die Auswahl der Geschworenen an.

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Sie könnte mehrere Wochen dauern. Beim Bombenanschlag auf den Boston-Marathon am 15. April 2013 waren drei Menschen getötet und 264 weitere verletzt worden. Der Anschlag war der schwerste Terrorangriff in den USA seit dem 11. September 2001.

Für die Tat werden Dschochar Zarnajew und sein älterer Bruder Tamerlan verantwortlich gemacht. Auf ihrer Flucht sollen sie zudem einen Polizisten erschossen haben.

Tamerlan Zarnajew wurde bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei getötet. Dchochar Zarnajew war vier Tage nach dem Anschlag schwerverletzt in einem Bostoner Vorort festgenommen worden, er hatte sich in einem trockengelegten Boot versteckt.

Der Angeklagte soll eine Botschaft an die Innenwand des Bootes gekritzelt haben, in der er der US-Regierung vorwarf, «unschuldige Zivilisten» zu töten und einen Kampf gegen Muslime zu führen. Die beiden Männer mit tschetschenischen Wurzeln sollen radikalen Islamisten nahe gestanden haben.

Hunderte Jury-Kandidaten

Dschochar Zarnajew erschien am Montag im Gerichtssaal von Boston. Der 21-Jährige hörte zu, wie Richter George O'Toole einer ersten Gruppe von potenziellen Jurymitgliedern die Anklagepunkte erläuterte.

Bis Mittwoch sollen rund 1200 Kandidaten vor Gericht erscheinen und einen Fragebogen ausfüllen. Anschliessend müssen sich Anklage und Verteidigung auf zwölf Geschworene und sechs Stellvertreter einigen. Als vorläufigen Termin für den eigentlichen Beginn der Verhandlung hat Richter O'Toole den 26. Januar festgelegt. Der Prozess wird nach den Erwartungen des Richters bis zu vier Monate dauern.

30 Anklagepunkte

Zarnajew werden 30 Anklagepunkte vorgeworfen, darunter der Gebrauch einer «Massenvernichtungswaffe». 17 der Punkte wiegen so schwer, dass sie ihm bei einem Schuldspruch die Todesstrafe eintragen könnten.

Laut Anklageschrift sollen die Brüder den Anschlag gemeinsam geplant und die Bomben aus Schnellkochtöpfen, Schwarzpulver und Splittern zusammengebaut haben. Die Anleitung sollen sie Internetseiten des Terrornetzwerks Al-Kaida entnommen haben.

Beobachter erwarten, dass die Verteidiger Dschochar als einen leicht beeinflussbaren jungen Mann porträtieren werden. Er sei von seinem älteren Bruder dominiert worden, der zunehmend radikale muslimische Sichtweisen entwickelt habe.

Gespräche über Deal gescheitert

Zarnajews Anwälte hatten erfolglos versucht, den Prozess an einen anderen Ort zu verlegen. Sie bezweifeln, in Boston eine unvoreingenommene Jury zu finden.

Der Nachrichtensender CNN berichtete unter Berufung auf Justizkreise, dass die Verteidigung ausserdem mit dem Versuch gescheitert sei, einen Deal mit der Staatsanwaltschaft auszuhandeln. Das Justizministerium habe sich in den Gesprächen geweigert, die Möglichkeit der Todesstrafe vom Tisch zu nehmen.

Zarnajews Anwälte hatten den Angaben zufolge ein Schuldeingeständnis angeboten, wenn ihr Mandant eine lebenslange Haftstrafe ohne Chance auf Bewährung erhalte. Dem Anwaltsteam gehört die renommierte Strafverteidigerin Judy Clarke an, die bereits mehreren prominenten Angeklagten wie dem als «Unabomber» bekannt gewordenen Ted Kaczynski und dem Mitverschwörer der Terrorattacken von 9/11, Zacarias Moussaoui, die Todesstrafe ersparen konnte.

Massachusetts hatte die Todesstrafe in den frühen 1980-er Jahren abgeschafft. Die bisher letzte Hinrichtung fand 1947 statt. Zarnajew muss sich jedoch nicht in einem staatlichen, sondern in einem Bundesverfahren verantworten, und das Bundesrecht erlaubt generell die Todesstrafe - also auch in Massachusetts.

(fest/sda)

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kann jeden Betroffenen verstehen, der für diesen Wirrkopf den Tod fordert.
Wie anmassend und selbstgerecht muss man sein, um unschuldige Zuschauer einer Sportveranstaltung verletzen und töten zu wollen? Wie sinnbefreit ist man, sollte man, wie diese Brüder anscheinend, mit den Verhältnissen im Gastland unzufrieden sein, dass man nicht einfach seine Koffer packt und dorthin zieht, wo man vermutet, dass es besser ist?
Aber es hilft nichts! Der Tod des feigen Mörders bringt niemanden die Lieben zurück. Und für den Täter wäre er ein bequemer Ausweg vor der Verantwortung.
Eine lebenslange Haftstrafe wäre viel besser. Für den Bombenleger besteht die wahrlich nicht verlockende Aussicht, sein Leben in einem US-Gefängnis zu verbringen.
Das wäre wirklich eine Strafe, die nicht nur der Tat angemessen wäre, sondern auch den Angehörigen der Opfer den Schmerz versüssen dürfte.
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