Prozess um NS-Massaker 1945 in der Slowakei
publiziert: Donnerstag, 9. Sep 2004 / 11:29 Uhr

München - Fast 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs hat in Deutschland der Prozess um drei NS-Massaker in der Slowakei begonnen. Vor dem Schwurgericht München ist der gebürtige Slowake Ladislav Niznansky des Mordes in 164 Fällen angeklagt.

Anklage: Mord in 164 Fällen.
Anklage: Mord in 164 Fällen.
Der heute 86-Jährige befehligte kurz vor Kriegsende die slowakische Abteilung der Nazi-Abwehrgruppe Edelweiss. Im Januar 1945 sollen unter Niznanskys Kommando 146 Zivilisten getötet worden sein, im Februar 18 Juden. Die meisten Opfer waren Frauen und Kinder.

Schauplatz der ersten beiden Massaker waren die Orte Ostry Grun und Klak. Das dritte ereignete sich in Kamen bei Ksina. Die dort ermordeten Juden hatten sich in Erdlöchern versteckt.

Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Er war nach dem Krieg aus der Slowakei geflüchtet. Bis 1983 arbeitete er in München für den US-Sender Radio Free Europe. 1996 wurde er deutscher Staatsbürger.

1962 wurde Niznansky in der Slowakei in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Ein deutsches Ermittlungsverfahren wurde aus Mangel an Beweisen eingestellt.

Nach einer Anfrage der slowakischen Behörden wurde es 2001 wieder aufgenommen. Anfang dieses Jahres wurde Niznansky in München festgenommen. Er sitzt in Untersuchungshaft.

(fest/sda)

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