Olympia: Russische Rückzugsdrohungen
Putin: Russisches Team bleibt in Salt Lake City !
publiziert: Freitag, 22. Feb 2002 / 10:03 Uhr / aktualisiert: Freitag, 22. Feb 2002 / 19:28 Uhr

Salt Lake City - Das russische Olympia-Team will gemäss Medien-Attaché Gennadi Schwets auf jeden Fall bis zum Ende der Olympischen Spiele in Salt Lake City bleiben. Wie Schwets am Donnerstagabend (Ortszeit) mitteilte, sei dieser Entscheid vom russischen Präsidenten Wladimir Putin höchstpersönlich getroffen worden.

Präsident Vladimir Putin hat entschieden: die russischen Sportler bleiben in Salt Lake City.
Präsident Vladimir Putin hat entschieden: die russischen Sportler bleiben in Salt Lake City.
Dreieinhalb Stunden zuvor hatte der Präsident des russischen Nationalen Olympischen Komitees (NOK), Leonid Tjagatschow, unter ultimativem Druck auf das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit einem Rückzug und weiteren schwerwiegenden Konsequenzen gedroht.

Mit Putins Entscheid, den er Tjagatschow telefonisch mitteilte, ging ein Brief von IOC-Präsident Jacques Rogge an den russischen Präsidenten einher. In dem Schreiben gab der Belgier zu verstehen, dass er sich dem Druck der russischen Teamführung nicht zu beugen gedenkt. Die von den Russen als gravierende Regelverletzungen beklagten Entscheide internationaler Sportverbände bezeichnete der IOC-Präsident in dem Brief als "korrekt".

Trotz der russischen Kehrtwende hat allein die Androhung eines Rückzugs der Olympia-Mannschaft aus Salt Lake City für einen grossen Eklat bei den Winterspielen gesorgt. Wegen angeblich krass unfairer Behandlung drohte das russische NOK dem IOC in ultimativer Form mit einem Boykott der restlichen Wettbewerbe und mit dem Ausstieg aus der olympischen Bewegung. Zuvor hatte die Teamführung Rogge in einem siebenseitigen Brief aufgefordert, sich für die Vorkommnisse zu entschuldigen und Massnahmen für einen fairen Ablauf der Winterspiele zu ergreifen.

Eine halbe Stunde nach der Medienkonferenz der russischen Teamführung drohte auch die Mannschaft Südkoreas mit einem Rückzug von den Winterspielen. Sie fühlt sich durch die Disqualifikation des Shorttrackers Dong-Sun Kim diskriminiert, dem am Mittwoch die Goldmedaille nach dem 1500-m-Rennen wegen angeblichen Regelverstosses zu Gunsten des US-Stars Apolo Anton Ohno abgesprochen worden war.

Als Begründung für den dramatischen Schritt gab Tjagatschow andauernde, ungerechte Behandlung russischer Sportler bei den Winterspielen an. Sein Land fühle sich besonders benachteiligt im Eishockey und im Skilanglauf. In der 4x5-km-Staffel der Frauen konnte die russische Equipe nicht an den Start gehen, weil sich bei Larissa Latsutina ein Dopingverdacht nach einem Test vor dem Rennen ergeben hatte. Dieser Verdacht sei ungerechtfertigt gewesen, sagte Tjagatschow. Zudem sei das Eishockey-Team im Viertelfinal beim 1:0- Sieg gegen Tschechien von den Refs krass benachteiligt worden.

"Wir haben 24 Stunden Zeit, uns zu entscheiden", sagte Tjagatschow. Wenn kein Entscheid getroffen werde, der "unsere Probleme löst", werde Russland Salt Lake City vorzeitig verlassen. Der russische IOC-Vizepräsident Witali Smirnow schwächte den von Tjagatschow gegebenen Eindruck ab, die Mannschaftsführung habe das IOC unter Druck gesetzt. "Weder gibt es ein Ultimatum, noch haben wir eine Frist von 24 oder 48 Stunden gesetzt", sagte Smirnow.

Tjagatschow kündigte weitere Konsequenzen für den Fall an, dass den Forderungen der Russen in Salt Lake City nicht Rechnung getragen werde. "Wir wollen keine Marionetten der Sportpolitik sein. Wenn wir uns zurückziehen sollten, wird dies auch Folgen für die Zukunft haben", sagte er mit Blick auf die Olympischen Spiele 2004 in Athen. "Wenn nicht garantiert wird, dass wir fair behandelt werden, ziehen wir uns für immer zurück", erklärte Tjagatschow. "Wenn Russland nicht gebraucht wird im Weltsport und im olympischen Sport, können wir das olympische Dorf sofort verlassen."

Für die Spiele in Salt Lake City forderten die Russen unter anderem die Zuerkennung einer zweiten Goldmedaille für ihre Frauenstaffel oder die Neuansetzung des Rennens, in dem die Schweizerinnen Bronze gewonnen hatten. Der NOK-Präsident beklagte auch krasse Ungerechtigkeiten gegenüber anderen Olympiateams: "Nicht nur Russland ist beleidigt worden, sondern auch China. Gedemütigt wurden zudem die Teams aus der Ukraine und von Südkorea."

(sk/sda)

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