Olympische Spiele
Rad: Englischer Senior entzaubert die Zeitfahr-Favoriten auf der Bahn
publiziert: Samstag, 16. Sep 2000 / 13:42 Uhr

Sydney - Am ersten Tag der Bahn-Wettbewerbe hat es im Kilometer-Zeitfahren eine grosse Überraschung abgesetzt. Nicht die als Favoriten gehandelten Shane Kelly (Au) oder Weltrekordhalter Arnaud Tournant (Fr) setzten sich durch, sondern der Aussenseiter Jason Queally (Gb). In der Qualifikation der Einzelverfolgung musste sich Franco Marvulli (Sz) mit dem 15. Rang begnügen.

Die Hoffnungen der einheimischen Zuschauer ruhten auf Kelly. Tagelang war in den Medien sein Missgeschick von Atlanta aufgewärmt worden, als der Australier beim Start aus der Pedale rutschte und damit jeglicher Aussichten auf ein gutes Ergebnis verlustig ging. Die Jury wertete Kellys Pech nicht als technischen Defekt, was zu einer Laufwiederholung geführt hätte, sondern als menschliches Versagen.

Weltrekordler Tournant nur Fünfter

Mit der drittbesten Zeit kam Kelly immerhin auf das Podium. Doch damit geht für Australien im Bahnsport das lange Warten weiter: Die letzte goldene Auszeichnung datiert von 1984, und damals waren die Nationen des Ostblocks bei Olympia nicht vertreten.

Noch schlechter als Kelly erging es Arnaud Tournant. Der Franzose hatte dieses Jahr in Mexico-City in 1:00,148 Minuten einen fantastischen Weltrekord erzielt. Diesmal geriet der Weltmeister schon nach 500 m in Schwierigkeiten und musste sich nach einer unruhigen Fahrt mit dem für ihn ungewohnten 5. Platz bescheiden.

Zu aller Überraschung gewann Jason Queally die Goldmedaille, ein schon 30 Jahre alter Engländer, der in dieser Saison mit einem Sieg und einem 2. Rang in den Weltcup-Wettkämpfen auf sich aufmerksam gemacht hatte. Sowohl nach 250 und als auch nach 500 m lag Queally an dritter Stelle. Aber auf der zweiten Distanzhälfte, wenn die Muskeln der Athleten zu brennen beginnen und die Lunge nach Sauerstoff schreit, setzte sich der Engländer an die erste Stelle. In 1:01,609 Minuten erzielte der Sieger eine Zeit, die olympischen Rekord bedeutete.

Marvulli nicht enttäuscht

Als 15. blieb der Verfolger Franco Marvulli deutlich ausserhalb der Diplomränge, die der Zürcher mit etwas Glück an einem guten Tag zu hoffen erreichte. Der 22-jährige Athlet stand in der Qualifikation Gary Anderson gegenüber und bot dem Neuseeländer bis zur halben Distanz gute Gegenwehr. Doch auf den zweiten 2000 m baute Marvulli ab, was aufgrund der fehlenden Grundlage nicht besonders erstaunte.

«Nein, enttäuscht bin ich nicht», erklärte Marvulli nach seinem Einsatz von 4:34,000 Minuten Dauer. Er habe alles gegeben, aber dies reiche nicht, solange nicht alles optimal laufe. Was will denn der Zürcher generell erreichen. Marvullis klare Antwort: «In vier Jahren schneller fahren.» Doch vor Athen folgt die unmittelbare Zukunft, bei der der Verfolger an der U23-EM vom 1. November in Gent (Be) zusammen mit Patrick Fäh in der Américaine auf ein Erfolgserlebnis hofft. Im Dunc-Gray-Velodrom wunderte sich Marvulli lediglich, dass einige hoch kotierte Verfolger bescheidene Zeiten erzielten, anderseits Rob Hayles in die Halbfinals vorstiess. An der letzten WM in Berlin war der Engländer als Elfter unmittelbar hinter Marvulli klassiert gewesen.

Félicia Ballanger nicht zu schlagen

In der bei Olympia neu eingeführten Disziplin des 500-m- Zeitfahrens der Frauen wahrte Félicia Ballanger ihre Ungeschlagenheit bei Grossanlässen. In 34,140 Sekunden liess die Französin ihre Gegnerinnen um eine halbe Sekunde und mehr hinter sich. Ihren Vorsprung holt die Siegerin zur Hauptsache mit ihrem kravtvollen Start heraus.

Neben ihren zehn WM-Titeln hat Ballanger vor dem Abschluss ihrer Laufbahn Gelegenheit, die Sammlung ihrer Olympia-Goldmedaillen zu ergänzen. Die unsportlich wirkende Schnellkraft-Athletin belegte vor vier Jahren in Atlanta im Sprint den 1. Platz, und es ist kaum daran zu zweifeln, dass sie sich auch in Sydney in dieser Sparte wieder durchsetzen wird.

(ba/sda)

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