Rad: Gilberto Simoni ist der grosse Gejagte
publiziert: Mittwoch, 5. Mai 2004 / 11:55 Uhr

Am 87. Giro d´Italia, der ab Samstag in 20 Etappen über rund 3420 km führt, ist mit einem Dreikampf um den Gesamtsieg zu rechnen. Gilberto Simoni gilt als Kronfavorit, Stefano Garzelli und Jaroslaw Popowitsch sind die Jäger des Vorjahressiegers.

Gleich in zwei Punkten herrscht bei Simoni und Garzelli Übereinstimmung. Beide scheiterten im letzten Juli in der Tour de France, und beide wollten die neue Herausforderung Giro d´Italia mit weniger Renntagen in den Beinen in Angriff nehmen.

Simoni schloss seine Vorbereitungen mit der Trentino- und der Appennin-Rundfahrt ab, in denen er den Erfolg seines jungen Teamkollegen Damiano Cunego begünstigte. Garzelli testete sich in der Tour de Romandie, wo er in Romont zu einem Etappensieg kam, wo er in langen Steigungen aber sofort Tempo herausnahm, sobald es (zu) hart wurde.

Von Jaroslaw Popowitsch wurde in den vergangenen Wochen wenig bekannt. Der Espoirs-Weltmeister von 2001 hat sich dennoch gut vorbereitet und an Erfahrung gewonnen. Ein ähnlicher Fehler wie letztes Jahr, als er im Schneegestöber des Sampeyre-Passes angriff und danach im Valle Varaita wegen eines Hungerastes scheiterte, wird sich der Ukrainer nicht mehr leisten.

Das gleiche Trio vorne?

Simoni vor Garzelli und Popowitsch lautete vor Jahresfrist die Reihenfolge am Endziel Mailand. Das gleiche Trio erneut im Kampf um die Podiumplätze vereint -- das tönt nach Langeweile. Sie muss sich aber nicht zwingend einstellen.

Die taktische Ausgangslage ist nämlich unterschiedlich. Simoni hat Garzelli den Edelhelfer Eddy Mazzoleni (9. des letztjährigen Giro) weggeschnappt, will aber die Rundfahrt von drei Wochen Dauer mit Bedacht angehen. Als Ersatz reaktivierte Garzelli den Russen Pawel Tonkow (Giro-Sieger 1996), dessen Laufbahn nach einer hartnäckigen Erkrankung letzte Saison sang- und klanglos zu Ende zu gehen schien.

Garzelli will kämpfen

Der seit diesem Frühjahr nach der Heirat mit einer Spanierin in der Nähe von Valencia wohnende Garzelli will vom ersten Tag an um jede Sekunde kämpfen. Die erste Gelegenheit, seine Kletterqualitäten zu beweisen, erhält er schon am vierten Tag bei der Bergankunft auf dem Corno alle Scale (3. Etappe). Doch ebenso wie der Montevergine (7.) dürfte es in der ersten Giro-Woche kaum Gewinner, aber möglicherweise einige Verlierer geben.

In der zweiten Woche ist nur das Zeitfahren in Triest über 52 km von Belang, das aber im Hinblick auf das Gesamtklassement von geringer Aussagekraft sein wird. Wie übliche kumulieren die topografischen Schwierigkeiten in der Schlusswoche mit der traditionellen Dolomiten-Fahrt (16. Etappe), mit der Bergankunft in Bormio 2000 (18.), welcher die Passage des endlosen Gavia-Passes vorausgeht, und der letzten Bergetappe mit Ankunft auf Presolano, zu der der gefürchtete Mortirolo-Pass die Vorspeise bildet.

Montgomerys grosse Chance

Auf eine aussichtsreiche Klassierung zu diesem Zeitpunkt hofft Sven Montgomery. Dem Berner ist bei seinem Team Gerolsteiner die Captainrolle zugedacht. Montgomery lässt keine Zweifel offen, dass er sich der Bedeutung dieser Ausgangslage bewusst ist. Der Test in der Tour de Romandie fiel allerdings ernüchternd aus. Aufgrund der gesundheitlichen Probleme im Frühjahr war der Berner weit davon entfernt, sein Potenzial ausschöpfen zu können. Im Aufgebot von Gerolsteiner figuriert aber auch Davide Rebellin, der sich die Eroberung des Leadertrikots zum Ziel gesetzt hat.

Bei Phonak setzt man in erster Linie auf Tadej Valjavec, der als Helfer beim Hamilton-Triumph in der Romandie erstaunliche Kletterqualiäten offenbarte. Der Slowene darf nicht unterschätzt werden. Letztes Jahr beendete er die Trentino-Rundfahrt als Dritter und die Tour de Suisse als Fünfter. Alexandre Moos und Daniel Schnider gelingt vielleicht ein Etappensieg.

Sie könnten mit einem Tageserfolg eine Lücke von sechs Jahren schliessen. Seit Alex Zülle am 31. Mai 1998 die Konkurrenten im Zeitfahren von Triest in Grund und Boden gefahren hatte, tauchte nie mehr ein Schweizer in der Liste der Etappensieger auf. Der Ostschweizer war auch der letzte helvetische Pedaltreter, der die Maglia rosa trug.

Petacchi gegen Cipollini

In den Flachetappen kommt es zu einer Neuauflage des Duells zwischen Alessandro Petacchi und Mario Cipollini. Letztes Jahr wurde diese Konfrontation frühzeitig durch den Sturz von "Super-Mario" in San Donà di Piave unterbrochen, gefolgt von der Aufgabe des Italieners.

Petacchi hingegen setzte zu einem Siegeszug an, der ihm insgesamt 30 Saisonerfolge eintrug, darunter sechs Giro-, vier Tour- und fünf Vuelta-Etappen. Als Spielverderber der beiden Italiener könnte sich Robbie McEwen erweisen, der Gewinner des Punkteklassementes (grünes Trikot) der vorletzten Tour de France.

(von Toni Nötzli/Si)

 
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