Rad: Tiefstapler Fabian Jeker will es versuchen
publiziert: Donnerstag, 10. Jun 2004 / 20:45 Uhr

Bei der am Samstag in Sursee beginnenden Tour de Suisse sind die Schweizer Anwärter auf den Gesamtsieg dünn gesät. Die grössten Hoffnungen ruhen auf Fabian Jeker, der in der Tour de Romandie mit dem 2. Schlussrang stark beeindruckt hatte.

Jan Ullrich testet seine Form für die Tour de France.
Jan Ullrich testet seine Form für die Tour de France.
Die Hälfte der helvetischen Pedaltreter in der nationalen Landesrundfahrt wird durch die einheimische Sportgruppe Phonak gestellt. Oscar Camenzind, Alex Zülle, Martin Elmiger und Alexandre Moos werden durchaus starke Leistungen zugetraut.

Im Hinblick auf das Gesamtklassement zählen sie aber eher zu den Aussenseitern, genau gleich wie Markus Zberg bei Gerolsteiner.

Eine Lücke gefüllt

Bei Fabian Jeker erinnert die Situation an die Saison 1992. Vor zwölf Jahren befand sich der Baselbieter in seiner zweiten Profi-Saison und in Schweizer Diensten. Weil die einheimischen Berufsfahrer wenig Ambitionen hegten, füllte er die Lücke und kam nach knapp 1800 km hinter den Italienern Giorgio Furlan und Gianni Bugno als Dritter auf das TdS-Podium.

Nach jener Saison begann Fabian Jekers Odysee ins Ausland, die ihn zu einem der unbekanntesten Schweizer Radprofis und zu den seltenen Gästen in der Tour de Suisse machte. In 13 Profi-Jahren nahm Jeker nur fünfmal an der Landesrundfahrt teil. Doch diesmal, im Alter von bald 36 Jahren, soll der grosse Wurf gelingen, auch wenn dies Jeker nie lauthals verkünden würde.

Gut in Form

Seit dem Ende der Tour de Romandie, in der er sich in Sitten als Etappensieger feiern liess, hat der in Benidorm wohnhafte Baselbieter bloss noch die Clasica Alcobendas (15.) und die Asturien-Rundfahrt (7.) bestritten, was in sechs Wochen acht Renntage ergibt.

Untätig blieb Jeker aber keineswegs. Er zog sich ins Höhentraining in der Sierra Nevada zurück. Die intensive Arbeit zahlte sich aus. Bei dem auch Schweizer Hobby-Fahrern bekannten Rates-Pass im Hinterland von Calpe zeitigte eine Testfahrt eine bessere Zeit als vor der Tour de Romandie.

In der Aussenseiterrolle

"Ich bin gut vorbereitet und fühle mich stark", erklärt Jeker, ohne sich deswegen in die Rolle des Favoriten drängen zu lassen: "Ob ich reüssiere, hängt auch von den Ambitionen der Gegner ab." Seine Mannschaft Saunier-Duval weist nicht die gleich starke Besetzung auf wie beispielsweise T-Mobile mit Vorjahressieger Alexander Winokurow, Jan Ullrich, Santiago Botero, Steffen Wesemann usw.

Dies erlaubt Jeker, aus der Position des Beobachters heraus zu agieren. Mit Rubens Bertogliati und dem Neoprofi Oliver Zaugg hat der Baselbieter zudem zwei Landesleute zur Seite, die im Giro d´Italia keine schlechte Figur machten.

In der Theorie müsste sich Jeker in den Bergen ein Zeitpolster schaffen, um im abschliessenden Zeitfahren in Lugano gegen alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Doch der Wahl-Spenier teilt diese Ansicht nur bedingt.

Er betrachtet die Prüfung gegen die Uhr als Pokerspiel, vor dem schwer abzuschätzen sei, welche Strategien die Gegner fahren. Und wenn die Zeitspanne auch etwas gross ist, so darf doch darauf hingewiesen, dass Fabian Jeker im Zeitfahren der Tour de Suisse 1992 in Schaffhausen über 32,2 km nur Gianni Bugno um 23 Sekunden den Vortritt lassen musste.

Italienische Übermacht?

Knappe zwei Wochen zwischen dem Giro-Ende und dem Auftakt der Tour de Suisse dürften den Italienern ausreichend Gelegenheit geboten haben, nicht nur den Körper, sondern auch den Kopf zu regenerieren.

Stefano Garzelli hat eine Bronchitis auskuriert, was die Aussichten mehrt, dass er nach einer Rehabilitation für seine Giro-Enttäuschung (6. Schlussrang) sucht. Sein Comeback gibt Francesco Casagrande. Er musste genau acht Monate lang aussetzen, weil er nach dem Wechsel der Rennschuhe von hartnäckigen Achillessehnen-Beschwerden heimgesucht worden war.

Und wenn der Sieger der Schweizer Rundfahrt in zehn Tagen Dario Cioni heisst? Ohne grosse Mannschaftsunterstützung -- der Sprinter Alessandro Petacchi genoss berechtigterweise Vorrang -- beendete der frühere Mountainbiker den Giro als Vierter. Auf den Schweizer Strassen steht Cioni an der Spitze des Teams von Fassa Bortolo, was eine gewisse Verpflichtung mit sich bringt.

(rp/Si)

 
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