Rad: WM Hamilton - Igor Astarloa vom Boden auf den Thron
publiziert: Sonntag, 12. Okt 2003 / 22:47 Uhr

Nicht die grossen Favoriten Paolo Bettini (It) oder Oscar Freire (Sp), sondern dessen Landsmann Igor Astarlo (27) ist in Hamilton (Ka) Strassenweltmeister der Elite geworden. Oscar Camenzinds Medaillenträume endeten in den Abschrankungen.

Igor Astarloa wurde Strassenweltmeister der Elite.
Igor Astarloa wurde Strassenweltmeister der Elite.
"Ösi" hatte in der Schlussrunde in der zweitletzten Steigung auf einen Antritt von Peter van Petegem (Be) reagiert. Es bildete sich ein hochkarätig besetztes Sextett, aus dem Astarlo 4 km vor Schluss des über 258,3 km Titelrennens entwischte.

Es blieb der Spurt um Silber und Bronze, aus dem Camenzind eliminiert wurde, weil der Innerschweizer in der letzten, auf die Zielgerade führenden Linkskurve zu Fall kam. Es gelang dem Strassenweltmeister des Jahres 1998 mit Mühe, sich anschliessend so vorsichtig zu verhalten, dass nicht die Fahrer des heranbrausenden Feldes mit ihm kollidierten. Camenzind wurde bitter für ein Rennen bestraft, in dem er im entscheidenden Moment Präsenz markierte. "Ich habe die Kurve zu schnell angefahren", begründete Camenzind sein Missgeschick.

Flaues Rennen

Rund 170 km hatte das vorsichtige Abtasten gedauert. Bis zu diesem Zeitpunkt waren von den Schweizern Fabian Cancellara aktiv gewesen, der nach rund 200 km ausstieg, sowie Beat Zberg. Der Urner gehörte während 15 km einer Fluchtgruppe von acht Fahrern an. Die Ausreisser holten zwar eine halbe Minute Vorsprung heraus, doch an ein Durchkommen war nie zu denken. Die Flüchtlinge vertraten ausnahmslos die Interessen ihrer Teamcaptains.

Auf dem Rundkurs, der sich als weit weniger schwierig erwies, als es nach den ersten Inspektionen geheissen hatte, probierte es Zberg 50 km vor Schluss noch einmal. Für seine Angriffe hatte der Urner einen guten Grund. Am Ende seiner 13. Profi-Saison steht er noch immer ohne Vertrag für das nächste Jahr da. Am Schluss wurde der Urner im 21. Rang klassiert. Martin Elmiger, der ebenfalls bei zwei Vorstössen dabei gewesen war, erspurtete sich den 13. Platz.

Die Schweizer wie die Italiener

Nach dem Pech Camenzinds kehren die Schweizer erstmals seit 1994 von einer Weltmeisterschaft ohne Medaillen nach Hause zurück. In den vergangenen Jahren hatte es stets in einer der beiden Disziplinen oder bei den jüngeren Altersklassen eine WM-Auszeichnung gegeben. Bitter fällt die Bilanz auch für die Italiener aus. Ihr haushoher Favorit Palolo Bettini musste sich mit dem 4. Platz bescheiden. Dies bedeutet, dass auch die erfolgsverwöhnten Italiener bei diesen Titelkämpfen keine einzige Medaille eroberten.

Im Eliterennen zogen die Italiener eine Taktik in der Art des "catenaccio" ihrer Fussballer auf. Sie agierten aus der Defensive heraus und versuchten, das Feld bis am Schluss unter Kontrolle zu halten. Diese wenig spektakuläre Fahrweise wurde nicht von Erfolg gekrönt.

Nachfolge von Olano/Indurain

Auch die Spanier riskierten nicht wesentlich mehr. Aber sie verfügten in Igor Astarloa über einen im Schatten Oscar Freires stehenden Eintages-Spezialisten, der bei der vorentscheidenen Aktion dabei war und der auf den letzten Kilometern über den Spürsinn und den Mut verfügte, in den Gegenwind hinein anzugreifen. Der Baske feierte in Hamilton seinen sechsten Triumph als Elite-Fahrer der ersten Kategorie. Die rsten zwei Saisons bestritt Astarloa unter den Farben von Mercatoneuno in Italien.Seit dem letzten Jahr ist er bei Saeco unter Vertrag und entpuppte sich als Athlet, der in den Eintagesrennen gute Figur machte. Im Weltcup-Schlussklassement des letzten Jahres belegte er den 4. Platz. In dieser Saison entschied Astarloa die 3. Etappe der Valencia-Rundfahrt für sich und siegte in der Flèche Wallonne.

Der spanische Triumph wurde durch den Vuelta-Dritten Alejandro Valverde komplettiert. Der erst 23-jährige Athlet war am Schluss zur Verfolgergruppe vorgestossen und spurtee gleich zu Silber. Der zuvor letzte Doppelsieg von Fahrern einer Nation wurde ebefalls von Spaniern erzielt: 1995 in Duitama (Kol), als Abraham Olano vor Miguel Indurain siegte. Und Peter van Petegem, der die entscheidende Aktion ausgelöst hatte, musste sich mit der Bronzemedaille trösten.

Hamilton (Ka). Strassen-WM. Elite (258,3 km): 1. Igor Astarloa (Sp) 6:30:19 (40,029 km/h). 2. Alejandro Valverde (Sp) 0:05. 3. Peter van Petegem (Be). 4. Paolo Bettini (It), beide gleiche Zeit. 5. Michael Boogerd (Ho) 0:06. 6. Bo Hamburger (Dä). 7. Michael Barry (Ka), beide gleiche Zeit. 8. Luca Paolini (It). 9. Oscar Freire (Sp). 10. Janek Tombak (Est).

11. Erik Zabel (De). 12. Allan Davis (Au). 13. Martin Elmiger (Sz). 14. Dimitri Konischew (Russ). 15. Frank Hoj (Dä). 16. Patrik Sinkewitz (De). 17. Tom Boonen (Be). 18. Fred Rodriguez (USA). 19. Tadej Valvajec (Sln). 20. Giovanni Lombardi (It).

21. Beat Zberg. 22. Alexander Usow (Wruss). 23. Bernhard Eisel (Ö). 24. Laurent Brochard (Fr). 25. Maarten den Bakker (Ho). -- Ferner: 43. Daniel Schnider, alle gleiche Zeit. 70. Oscar Camenzind 1:05. 71. Marcel Strauss 1:11. 75. Fabian Jeker 2:00. 80. Niki Aebersold 3:50. 108. Roger Beuchat 12:23. -- 112 klassiert.

Frauen (124 km): 1. Susanne Ljungskog (Sd) 3:16:06 (37,939 km/h). 2. Mirjam Melchers (Ho). 3. Nicole Cooke (Gb). 4. Edita Pucinskaite (Lit). 5. Olga Zabelinskaja (Russ), alle gleiche Zeit. 6. Jeannie Longo-Ciprelli (Fr) 0:04. 7. Anita Valen (No) 0:12. 8. Judith Arndt (De), gleiche Zeit. 9. Bogumila Matusiak (Pol) 0:19. 10. Sulfia Zabirowa (Russ), gleiche Zeit. -- Ferner die Schweizerinnen: 27. Priska Doppmann 1:30. 57. Diana Rast, gleiche Zeit. -- 67 klassiert. Annette Beutler und Irene Hostettler eliminiert (zu grosser Rückstand), Bettina Kuhn aufgegeben.

Junioren (124 km): 1. Kai Reus (Ho) 3:01:30 (40,991 km/h). 2. Anders Lund (Dä) 0:14. 3. Lukaz Fus (Tsch). 4. José Joaquin Rojas (Sp). 5. Johan Lindgren (Sd). 6. Pieter Jacobs (Be). -- Ferner die Schweizer: 18. Danilo Wyss. 21. Michael Randin. 30. Thomas Frei, alle gleiche Zeit. 69. Nazareno Rossi 0:59. 70. Michael Schär 1:01. -- 110 klassiert.

(rr/Si)

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