Räikkönen fehlt nur der Sieg
publiziert: Samstag, 8. Sep 2012 / 11:11 Uhr
Dass der 19. Sieg nur eine Frage der Zeit ist, davon ist aber auch Räikkönen überzeugt. (Archivbild)
Dass der 19. Sieg nur eine Frage der Zeit ist, davon ist aber auch Räikkönen überzeugt. (Archivbild)

Kimi Räikkönen fährt in der Formel 1 im ersten Jahr nach seiner Rückkehr auf konstant hohem Niveau. Nur der Sieg fehlt dem Finnen noch.

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In der Rolle des Unauffälligen und Unscheinbaren fühlt sich der bald 33-jährige Räikkönen wohl. Seine Charaktere nimmt er mit ins Cockpit des Lotus-Renault. Räikkönen spult sein Pensum besonnen und das letzte Risiko meidend ab. Unüberlegte Aktionen sind ihm im Gegensatz zu seinem oft zu ungestüm zu Werke gehenden Teamkollegen Romain Grosjean fremd. Trotz erfolgreichem Wirken auf den Rennstrecken bietet Räikkönen Kritikern Angriffsfläche. Dass er technische Meetings primär mit Langeweile assoziiert und er den Ingenieuren bei der Weiterentwicklung des Autos meist keine allzu grosse Stütze ist, ist seit seinem Einstieg in die Formel 1 im Jahr 2001 im Team Sauber nicht von der Hand zu weisen.

Ein normaler Bürger

Ein Mann der grossen Worte ist Räikkönen noch nie gewesen - und wird es mit Sicherheit auch nicht mehr werden. Zwar ist er dem gelegentlichen Alkoholkonsum und einer rauschenden Party zwischendurch nicht abgeneigt. Primär zieht er aber das Leben abseits der grossen Massen vor. Dass er die Schweiz nicht nur der steuerlichen Vorteile wegen als Wahlheimat gewählt hat, nimmt man Räikkönen ab. «Ich schätze die Ruhe und Abgeschiedenheit. Hier kann ich mich frei bewegen. Ich werde als normaler Bürger angesehen. Das weiss ich zu schätzen», sagt er. Vor drei Jahren ist Räikkönen von Wollerau im Kanton Schwyz nach Baar im Kanton Zug gezogen.

Still und leise hat sich Räikkönen sukzessive auch der Spitze in der WM-Wertung angenähert. Als Viertklassierter liegt er lediglich 33 Punkte hinter dem führenden Fernando Alonso. Eine erstaunliche Zwischenbilanz für einen, der wohl schon je dreimal Zweiter und Dritter gewesen, aber noch nie als Erster über die Ziellinie gefahren ist. Konstanz heisst das Zauberwort. In den bisherigen zwölf Grands Prix verfehlte er die punkteberechtigenden Ränge nur ein einziges Mal; in China war er Vierzehnter geworden. Sein Arbeitgeber wird Räikkönens Leistungen honorieren. Der Leistungsausweis bildet wohl die Basis auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Lotus-Renault. Der Verlängerung des am Ende der Saison auslaufenden Vertrages dürfte nichts im Wege stehen.

Liegt sogar der zweite WM-Titel nach jenem von 2007 drin, Kimi Räikkönen? «Wenn ich in der vergangenen Woche vor dem Grand Prix von Belgien davon ausgegangen bin, dass ich eine Chance in der WM habe, dann sind wir dank dem dritten Platz in Francorchamps um fünfzehn Punkte näher herangekommen», sagt er dazu nur. Gross Gedanken verschwenden an die Gesamtwertung mag er nicht. «Ich versuche weiterhin, so viele Punkte wie möglich zu sammeln.»

«Ich will gewinnen»

Dass der 19. Sieg nur eine Frage der Zeit ist, davon ist aber auch Räikkönen überzeugt. Dass es mit dem ganz grossen Wurf in der laufenden Saison noch nicht geklappt hat, nervt ihn. «Ich fahre, um zu gewinnen», sagt er mit einer ihm nicht zugetrauten Bestimmtheit. «Ich will nicht nur auf dem Podest stehen, sondern in der Mitte des Podests. Ich habe bereits ein paarmal dort gestanden und werde alles dafür tun, dass ich es wieder schaffe.»

Räikkönen wirkt hochmotiviert. Das war vor seinem ersten Abschied aus der Formel 1 am Ende der Saison 2009 nicht immer der Fall gewesen. Dass ihm Ferrari das Arbeitsverhältnis trotz eines noch ein Jahr gültigen Vertrages kündigte, machte ihm zu schaffen. Da waren auch die knapp 20 Millionen Gage, die ihm die Scuderia überwies, kein wirklicher Trost. Ferrari konnte sich die horrende Summe leisten, zumal Räikkönens Nachfolger Fernando Alonso mit der Bank Santander gleich auch einen potenten Sponsor mit nach Maranello brachte. Das spanische Geldinstitut soll nicht nur dem Team einen hohen zweistelligen Millionenbetrag überwiesen haben, sondern auch gleich für Alonsos erstes Jahresgehalt aufgekommen sein.

(knob/Si)

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