Rafael Nadal entthront Roger Federer
publiziert: Sonntag, 6. Jul 2008 / 17:20 Uhr / aktualisiert: Montag, 7. Jul 2008 / 07:06 Uhr

Die wohl unglaublichste Serie im modernen Tennis ist nach einer unglaublichen Partie zu Ende: Roger Federer kassierte in seinem sechsten aufeinanderfolgenden Wimbledon-Final die erste Niederlage: Er unterlag Rafael Nadal nach fast fünf Stunden 4:6, 4:6, 7:6, 7:6, 7:9.

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Es war 21.16 Uhr in London, als für Roger Federer eine Welt zusammenbrach. Nach 64 Siegen hintereinander auf Rasen (seit 2002) wurde er wieder bezwungen. Sein primäres Saisonziel, die Verteidigung des Wimbledontitels, ist verpasst. Die Verteidigung der Nummer 1 -- das Ziel mit der zweithöchsten Priorität -- dürfte in den nächsten Monaten schwierig, ja fast unmöglich werden.

«Ich habe alles probiert, aber es hat nicht gereicht», kommentierte Roger Federer auf dem Centre Court bei der Siegerehrung. Rafael Nadal dagegen konnte seine Gefühle gar nicht beschreiben: «Aber ein Traum ist auf jeden Fall wahr geworden. Ich spiele vielleicht am besten auf Sand, aber Wimbledon ist seit vielen Jahren mein Lieblingsturnier. Und dass ich hier gegen Roger Federer den Final gewann, gegen den besten Spieler aller Zeiten, macht alles perfekt.»

Wenn man davon ausgeht, dass sich der Tennissport in den letzten Jahren weiterentwickelt hat, ist nicht ausgeschlossen, ja sogar wahrscheinlich, dass sich Roger Federer und Rafael Nadal den besten, hochklassigsten, spannendsten Match aller Zeiten lieferten.

Verdienter Sieg

Rafael Nadal siegte nach knapp fünf Stunden verdientermassen. Er erspielte sich die grössere Anzahl Chancen. Im entscheidenden fünften Satz nützte er erst seinen sechsten Breakball zum Service-Durchbruch zum 8:7, als Roger Federer eine Vorhand hinter die Grundlinie knallte. Wenig später verwertete Nadal den vierten Matchball, den dritten bei eigenem Aufschlag, zum Sieg.

Der fünfte Satz (9:7) machte jedoch nur einen kleinen Teil der Final-Dramatik aus. Die Partie begann um 14.35 Uhr Ortszeit mit einer halben Stunde Verspätung -- wegen Regens. Zweimal wurde die Partie wegen weiterer Schauer unterbrochen: zuerst für 81 Minuten beim Skore von 6:4, 6:4, 4:5; später nochmals für 30 Minuten bei 2:2 im fünften Satz.

Einfluss auf das Spielgeschehen hatten beide Unterbrechungen nicht. Federer sah am besten aus, wenn er gut servierte (total 25 Asse und 42 Servicewinner); Nadal versuchte, die Ballwechsel in die Länge zu ziehen.

Jeder Ausgang war möglich

Jeder Ausgang war möglich. Am Ende wiederholte sich aber die Geschichte. Auch Björn Borg scheiterte 1981, als er nach dem sechsten Wimbledonsieg in Folge griff, an seinem stärksten Rivalen (John McEnroe), nachdem er sich im Jahr zuvor noch ganz knapp in fünf Sätzen durchgesetzt hatte. Vor 27 Jahren markierte die Niederlage das Ende der Ära Borg.

Bei Federer wird das nicht der Fall sein -- ganz im Gegenteil. Mit seinen fabelhaften Leistungen in Wimbledon -- auch im Final -- signalisierte er der Konkurrenz viel mehr: Ich bin zurück, die Probleme von Anfang Jahr gehören endgültig der Vergangenheit an.

Es fehlte wahrlich nicht viel, und Federer hätte zum zweiten Mal gegen Rafael Nadal einen Final nach einem 0:2-Satzrückstand noch gewonnen. Im fünften Satz sprach für Federer, dass er als erster aufschlagen konnte und deshalb permanent in Führung ging. Bei 4:3 im fünften Satz erspielte er sich mit einer Reihe von schier unglaublichen Gewinnschlägen einen Breakball, den Rafael Nadal indessen mit einem Smash am Netz abwehrte.

Schlechte Anfangsphase

Verloren hat Federer den Final in der Anfangsphase. Im ersten Satz missriet ihm der Start. Er verbuchte in den ersten zwei Aufschlagspielen nur einen Servicewinner. Das kostete ihn das erste Break (zum 1:2), vor allem fand Nadal aber umgehend ins Spiel und einen Rhythmus. Ab Mitte des ersten Satzes servierte Federer dann ausgezeichnet.

Im zweiten Satz schien er -- obwohl mit einem Satz in Rückstand -- beim Stand von 4:1 auf dem Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung. Nadal fand gegen Federers Aufschläge in dieser Phase überhaupt kein Mittel (nur vier gewonnene Punkte in sechs Games). Dann aber leistete sich Federer eine Baisse, die Nadal zu fünf Spielgewinnen hintereinander vom 1:4 zum 6:4 nützte.

Danach befand sich Federer permanent in Bedrängnis. Im dritten Satz musste er bei 3:3 drei Breakbälle hintereinander abwehren. Das Tiebreak gewann er dank vier Assen (!) 7:5. Im vierten Satz lag Federer im Tiebreak 1:4, 2:5, 6:7 und 7:8 in Rückstand.

Rafael Nadal kam dabei nach dreieinhalb Stunden zu den ersten beiden Matchbällen, wovon er bei einem sogar selber aufschlagen konnte (bei 8:7). Mit einem Servicewinner und einem perfekten Backhand-Passierball wehrte Federer diese ersten zwei Matchbälle ab. Auch den dritten Matchball konterte Federer mit einem Backhand-Winner. Dabei liess ihn gerade die Rückhand am Finaltag (zu oft) im Stich.

Eine Woche Ferien

Für Roger Federer folgt nun eine Woche Ferien, bevor er nach Kanada fliegt, wo in Toronto das nächste Masters-Series-Turnier auf dem Programm steht. Rafael Nadal soll schon diese Woche wieder spielen -- ab Donnerstag am Stuttgarter Weissenhof.

Es würde aber nicht überraschen, wenn er vorerst seinen grössten Triumph zu Hause auf Mallorca wenigstens ein paar Tage geniessen möchte. Verdient hätte er das alleweil.

Wimbledon. The Championships. Grand-Slam-Turnier (14,921 Mio Euro/Rasen). Männer-Einzel, Final:
Rafael Nadal (Sp/2) s. Roger Federer (Sz/1) 6:4, 6:4, 6:7 (5:7), 6:7 (8:10), 9:7.

(Von Rolf Bichsel/Si)

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