Raubgräber klauen für reiche Europäer
publiziert: Montag, 27. Jun 2011 / 23:45 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 28. Jun 2011 / 00:36 Uhr
Ein zylindrisches Siegel aus dem Irak (2500 v. Chr.), das das F.B.I. sichergestellt hatte.
Ein zylindrisches Siegel aus dem Irak (2500 v. Chr.), das das F.B.I. sichergestellt hatte.

Mainz - Der kriegsgebeutelte Irak wurde nach 2003 Ziel von Raubgräbern und Antikhehlern. Durch den illegalen Handel wurden teilweise 6.500 Jahre alte Kulturgüter gestohlen.

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Das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) bekämpft seit Jahren den illegalen Handel mit archäologischem Kulturgut zweifelhafter Herkunft. «Legale Objekte haben immer Dokumente», erklärt Michael Müller-Karpe, Archäologe am RGZM, im Interview. Die Güter aus den legalen Ausgrabungen kommen in die Museen. Bis zum 30. Juli 2001 präsentiert das RGZM eine Ausstellung zur Problematik der Antikhehlerei.

«Die meisten Raubgräber sind Menschen aus den Ländern selbst, aber die grossen Gewinne werden von Ausländern gemacht», sagt Müller-Karpe. Die höchsten Erlöse erzielten sogar renommierte Auktionshäuser in Europa und den USA. «Im Grunde wissen alle, dass es geklautes Gut ist», sagt der Archäologe. Das schlimme sei allerdings, dass der Staat über Steuern mitverdient. «Die Leute, die mit Hehlerwaren handeln, sind keine Hartz-IV-Empfänger, die haben gute Beziehungen zur Politik. Das ist schwer, gegen sie vorzugehen.» Zumal die Strafverfolgungsbehörden überlastet sind.

Irakische Generalkonsul bedankt sich

Die Preise, die die antiken Stücke auf dem Markt erzielen, bieten beispielsweise für irakische Bauern einen hohen finanzielle Anreiz. Zur Eröffnung der RGZM-Austellung sagte der Generalkonsul des Iraks, Faris Ali Mohammed Al-Shoker: «Die feste Überzeugung, dass diese Schätze in ihr Herkunftsland zurückgeführt werden müssen, führte dazu, dass viele geplünderte Antiken nunmehr der irakischen Botschaft übergeben und in den Irak zurückgeführt wurden». Er bedankte sich im Namen der irakischen Regierung für die Unterstützung die seinem Land zuteil wurde.

«Auch die Direktion Landesarchäologie wurde schon das ein oder andere Mal zur Anlaufstelle unsittlicher Angebote», berichtete Gerd Rupprecht von der Direktion Landesarchäologie der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz bei der Vernissage. «Dabei kaufen wir grundsätzlich nichts - besonders wenn wir einen Verdacht des Diebstahls haben.» Schlimmer als die illegale Bereicherung seien die kurzsichtigen Gewinninteressen Einzelner. Gedankenlos würde damit das kulturelle Gedächtnis der Menschheit bestohlen, sagt Müller-Karpe.

 

 

(fest/pte)

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