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Rauch über Rio
publiziert: Montag, 19. Okt 2009 / 11:24 Uhr / aktualisiert: Montag, 19. Okt 2009 / 12:25 Uhr

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Die Bilder waren spektakulär und ohne den begleitenden Kommentar hätte man gedacht, dies seien Aufnahmen vom letzten Konflikt in den Palästinensergebieten: Der Helikopter stürzte rauchend vom Himmel, während im Hintergrund das Feuer von automatischen Waffen zu hören war. Doch der zweite Eindruck wirft Fragen auf: Seit wann ist der Gaza-Streifen so hüglig... und so grün?

Nein, das war nicht Nah-Ost; was da über den Bildschirm tobte, das war der Drogenkrieg in Rio, der einem Polizeihubschrauber zum Verhängnis geworden ist. Die Favelas dieser Riesenstadt sind offenbar fest in den Händen von Drogenbanden, die sich gegenseitig bekriegen. Und dies in der Stadt, die 2016 die olympischen Spiele austragen soll.

Doch dieses Problem ist weder einzigartig, noch isoliert. Die Grenzregion von Mexiko zu den USA hin, gilt als eine der gefährlichsten Gegenden der Welt. Auch dort bekriegen sich Drogenkartelle, und haben de facto die Macht übernommen. Die Polizei und das Militär sind gekauft, die Pressefreiheit ist nur noch eine Illusion: Journalisten, die nur ein falsches Wort über die Korrupten Sonderpolizeieinheiten oder gar über die Drogenbarone schreiben, unterzeichnen damit ihr eigenes Todesurteil.

Der Opiumanbau in Afghanistan ist wiederum die Hauptfinanzquelle der Taliban in ihrem Krieg gegen die Koalitionsstreitkräfte. Durch die sehr hohen Erträge können sie von den Opiumbauern entsprechend hohe Schutzgelder einfordern und wissen gleichzeitig, dass die giftige Ernte jenen Ländern, gegen den sie ihren «heiligen» Krieg führen, Schaden wird.

Unterdessen wird im Westen der «Krieg gegen Drogen» unvermindert weiter geführt, obwohl das Vorhaben in einem vertraulichen Geheimbericht schon 2005 für gescheitert erklärt wurde. Wo immer der Kampf gegen den Anbau erfolgreich sei, bewirke er einfach eine Verschiebung der Produktion in andere Gebiete. Wenn grosse Drogenmengen im Westen beschlagnahmt werden, erhöht dies einfach die Preise auf dem Schwarzmarkt, was wiederum eine verstärkte Beschaffungskriminalität bewirkt. Für die Kassen der Drogenbarone macht dies fast keinen Unterschied aus.

Und wie gut gefüllt diese sind, zeigt sich daran, dass High-Tech-Ausrüstungen, Waffen der Spitzenklasse, Schnellboote und Flugzeuge für den Transport praktisch aus der Portokasse gezahlt werden können, während im Westen Milliardenschäden durch die im Zusammenhang mit Drogen verübten Verbrechen entstehen und nochmals Milliarden in die Bekämpfung der Kartelle gepumpt werden.

Trotz dieser Tatsachen und dem Beispiel der Alkoholprohibition in den USA in den 1920er Jahren, welche die Mafia reich gemacht hat, wird jeder Versuch, einen Wandel in der Drogenpolitik herbei zu führen, abgewürgt, ja, es ist in der Politik geradezu tabu, auch nur darüber zu reden.

Dies ist ganz im Interesse des illegalen Drogenhandels: jede Legalisierung des Vertriebes, jede Möglichkeit für Süchtige, ihren Stoff legal zu beschaffen, würde die Gewinne der Drogenmafia einbrechen lassen, würde ihre Macht mindern.

Afghanische Opiumbauern und kolumbianische Kokafarmer, die ihre Ware offiziell auf dem Weltmarkt verkaufen könnten, wären nicht mehr auf schwer bewaffnete Mörderbanden angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Die Suchtquote würde dabei kaum über jene hinaus steigen, die es ohnehin schon gibt. Die Prohibition in den USA schaffte es in über 10 Jahren nicht, den Alkoholmissbrauch zu eliminieren und 1933 versanken die USA nach der Aufhebung derselben auch nicht in einem Riesen-Suff. Natürlich, die Suchtkranken wären immer noch ein Problem. Aber mit gemäss ihrer Gefährlichkeit entsprechend besteuerten Suchtmitteln, wäre es möglich, die Reha-Programme direkt zu finanzieren, während man sich die Kosten für die Drogenfandung praktisch ganz ersparen könnte.

Stattdessen wird immer wieder betont, dass der Kampf noch härter, noch konsequenter geführt werden müsse. Dies immer mit Blick auf die längst gescheiterte UN-Drogenkonvention von 1961.

Die Faktenresistenz der Politik kostet jedes Jahr Unsummen an Geld, Ressourcen und Menschenleben. Und wenn in 7 Jahren die Olympischen Spiele in Rio vor einem Hintergrund-Soundtrack aus Maschinenpistolen-Feuer stattfinden werden, dann wird dies einfach eine sehr unangenehme Erinnerung an eine längst stattgefundene Niederlage sein, die niemand zugeben will.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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