Rebellische Senioren mischen die Gesellschaft auf
publiziert: Montag, 12. Mai 2008 / 08:11 Uhr

Bern - Für einen Aufstand wie den Globus-Krawall von 1968 ist die heutige Jugend zu beschäftigt mit Lernen und Arbeiten. Dafür stellen Experten fest, dass rebellische Senioren immer mehr öffentlich aufbegehren.

Die Menschen werden im Alter solidarischer. (Archivbild)
Die Menschen werden im Alter solidarischer. (Archivbild)
«Die Rebellion hat sich von den Jungen auf die Senioren verlagert», sagt der Zürcher Generationenforscher François Höpflinger gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Die Buhrufer an der UBS-Aktionärsversammlung seien mehrheitlich Senioren gewesen.

Auch im Umweltschutz beobachtet Höpflinger engagierte Senioren. Eine ähnliche Tendenz sei bei sozialen Themen oder bei Frauenfragen festzustellen. So demonstrierten weit mehr Frauen über 50 für einen respektvollen Umgang mit SVP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf als Jugendliche.

Der Geschäftsführer des Schweizerischen Verbandes für Seniorenfragen, Beat Federspiel, bestätigt die Tendenz zu rebellischen Senioren: «Wir wehren uns gegen Ansätze der Diskriminierung wie etwa eine Altersbegrenzung für das passive Wahlrecht». Mit den Ereignissen von 1968 habe das nichts zu tun.

Beschäftigte Jugend

Die Jugend hat derweil gar keine Zeit für Protestaktionen oder Revolten, erklärt Wissenschafter Höpflinger. Einerseits gebe es in den westlichen Gesellschaften immer weniger Junge, andererseits beanspruche sie die Verschulung der Universitäten und die Arbeitsbelastung.

Aufstände der Jungen seien möglich, die Themen des Protestes hätten sich aber im Vergleich zu den 68er-Revolten stark verändert, sagt Höpflinger. Jugendproteste drehten sich heute um Bildungsfragen, wie das Beispiel Frankreich zeige.

«Die heutige Jugend lebt in einer von Unsicherheiten geprägten Gesellschaft, die Zukunft scheint nicht klar», sagt der Soziologe. Die 68er konnten hingegen in einer Situation des Wirtschaftswachstums und rosiger Zukunftsaussichten gegen kulturelle, konservative Haltungen ihrer Eltern aufbegehren.

Neue Generationenkonflikte

Heute verlaufen die Konflikte laut Höpflinger entlang ganz anderer Linien. Die Beziehungen innerhalb der Familie hätten sich extrem verändert. Rund 80 Prozent aller Jugendlichen bewerteten ihre Eltern heute positiv.

Junge profitierten ausserdem von wohlhabenden Grosseltern. Dafür entsteht gemäss Höpflinger sozialpolitisches Konfliktpotential. Dabei gehe es etwa um die AHV oder darum, dass sich die Armut von den Alten zu den jungen Familien verlagert hat.

Die Älteren seien jedoch solidarisch und engagierten sich auch für das Wohlergehen der anderen Generationen, sagt Angeline Fankhauser, Alt-Nationalrätin (SP/BL) und Co-Präsidentin der Vereinigung aktiver Senioren- und Selbsthilfe-Organisationen der Schweiz (VASOS).

«Senioren immer noch zu brav»

Generell beobachtet Fankhauser, dass Menschen im Alter solidarischer werden, weil sie merkten, dass man aufeinander angewiesen sei. Ein bekanntes Beispiel dafür ist gemäss Höpflinger die Revolte der Grosseltern in Argentinien in den 1980er und 90er Jahren.

Diese wehrten sich vehement gegen das Verschwinden ihrer Grosskinder, welche durch das Regime verschleppt worden waren. Auch in der Schweiz machen sich die Senioren für gesamtgesellschaftliche Anliegen stark. Zusammenschlüsse wie die VASOS oder der Seniorenrat mischen im politischen Tagesgeschäft mit.

«Die Senioren haben ein politisches Selbstbewusstsein entwickelt», stellt Fankhauser fest. Die ältere Generation müsse aufzeigen, dass ihre Mitglieder nicht die Profiteure des Systems seien. Für die Co-Präsidentin der VASOS sind die Senioren aber «immer noch viel zu brav».

(von Anja Burri/sda)

 
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